Serie: Perlen im Westen
Münster: Ein Hort der Stabilität

Universitätsstadt, Wissenschaftsstadt, Verwaltungsstadt, "grüne Stadt" - ihre Vielseitigkeit bringt der Stadt Münster jede Menge Pluspunkte. Im Vergleich von 69 europäischen Immobilien-Standorten landet Münster noch vor Dortmund, Darmstadt oder Bochum auf Platz 24.

MÜNSTER. "Wir spüren die Krise schon. Die Grundstücksanfragen gehen zurück und die Investitionssummen werden allmählich geringer. Der Büromarkt in Münster blieb 2008 aber stabil." Thomas Robbers ist Wirtschaftsförderer der Stadt Münster und er hält den frisch gedruckten Marktreport in der Hand. Ergebnis: Trotz schwächerer Konjunktur mieteten Unternehmen im vergangenen Jahr 58 000 Quadratmeter (qm) Bürofläche in Münster an, nur 4 000 qm weniger als im Rekordjahr 2007. Dabei waren vor allem Büros in den attraktiven Neu- und Umbauprojekten gefragt. Spitzenpreise von bis zu 12,50 Euro pro Monat und Quadratmeter blättern die Unternehmen für solch ein Plätzchen hin, genau so viel wie im Jahr zuvor. Die Bautätigkeit - allein 30 000 qm Fläche wurden 2008 bezugsfertig - hat den Flächenbestand auf nunmehr 2 040 000 qm anwachsen lassen. Damit umfasst das Büroraumangebot nun knapp ein Drittel des Kölners Marktvolumens.

Doch die rege Bau- und Umbautätigkeit der vergangenen Jahre hat auch ihre Schattenseiten. Zwar reduzierte sich der Anteil mieterloser Büros 2008 leicht von 5,7 auf 5,5 Prozent. Dennoch macht sich Robbers allmählich Sorgen um die vielen leeren Büros in seiner Stadt. "Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich deren Anteil um rund 42 000 Quadratmeter auf derzeit 112 000 Quadratmeter erhöht. Das ist ein Plus von 60 Prozent", rechnet der Wirtschaftsförderer vor. Das Thema Revitalisierung von nicht mehr marktgängigen Büroflächen werde Münster in Zukunft intensiv beschäftigen, sagt er - auch mit Blick auf die beträchtlichen Altbestände der Telekom.

Typisch für einen so genannten B-Standort, zu dem auch eine Stadt wie Münster zählt, ist der hohe Anteil an Unternehmen, die ihren Flächenhunger durch eigene Neubauten stillen. Von insgesamt 34 300 qm Bürofläche, die derzeit entstehen, entfallen fast zwei Drittel auf solche Eigennutzerbauten.

Das größte Projekt dieser Art dürfte der neue Sitz der NRW-Bank sein. Die 13 000 qm sollen im Herbst bezugsfertig sein. Auch die LVM Versicherung gönnt sich und ihren 400 Mitarbeitern ein neues Verwaltungsgebäude. Der südkoreanische Architekt Duk-Kyu Ryang setzte einen kühn designten Farbklecks an die Münsteraner Sperlichstraße, im Volksmund liebevoll "Villa Kunterbunt" genannt. 30 Mio. Euro hat der 8 800 qm große und klimafreundliche Neubau gekostet. "Es kam uns nicht auf Größe oder Luxus an, sondern darum, dass unsere Mitarbeiter sich darin wohl fühlen", betont LVM-Sprecherin Gesche Seifert-Post.

Natürlich bringen Unternehmen durch imposante Architektur auch gerne ihre eigene Stärke zum Ausdruck. In Münster, mit knapp 273 000 Einwohnern weiß Gott keine Weltstadt, können sie dies auch selbstbewusst tun. Denn die Beamten- und Universitätsstadt rückt in den Fokus institutioneller Investoren. Münster nämlich bietet, was vielen großen Bürostädten derzeit fehlt: sichere Anlagemöglichkeiten. "Glänzende Zukunftsaussichten" bescheinigen der Stadt unter anderem die Analysten der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds (Degi).

Im Vergleich von 69 europäischen Immobilien-Standorten landet Münster noch vor type="unknownISIN" value="Dortmund">Dortmund, Darmstadt oder Bochum auf Platz 24. "Wenn es künftig um nationales und internationales Anlagevermögen geht, konkurriert Münster nicht mehr mit Dortmund oder Unna, sondern mit Uppsala und Bilbao", sagt Thomas Beyerle, Leiter des Bereichs Research und Strategie bei der Degi. Der Westfalen-Metropole Münster komme unter den "B-Locations" eine Spitzenposition zu.

Universitätsstadt, Wissenschaftsstadt, Verwaltungsstadt, "grüne Stadt" - Vielseitigkeit bringe jede Menge Pluspunkte. Auch die Bad Homburger Ratingagentur Feri attestiert Münster Bestnoten. Der Büro-, Wohn- und Einzelhandelsimmobilienmarkt Münsters wurde im ersten Quartal 2009 mit der guten Gesamtnote B bewertet. Feri hebt dabei unter anderem die positive demografische Entwicklung hervor. "Münster gehört zu den deutschen Regionen, in denen die Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen ist und auch noch weiter steigen wird", heißt es in dem Bericht.

Typisch Westfalen

Studenten gefragt
Die kreisfreie Stadt Münster ist das Oberzentrum des Münsterlandes. Die Vielzahl der an Hochschulen machen den katholischen Bischofssitz aber auch zu einer beliebten Studentenstadt mit einer deutschlandweit einzigartigen Fahrraddichte. Von den rund 273 000 Einwohnern sind rund ein Fünftel Studenten.

Altes bewahren
Revitalisierung alter Bausubstanz hat in Münster Tradition. Die Umwandlung des Industriehafens in den Büro- und Freizeitstandort "Kreativkai" gehört zu den Vorzeigprojekten. Ebenso erfolgreich verlief die Umnutzung der Germania Brauerei, heute bekannt als Germania Campus Münster, ein Wohnquartier mit eigenem See und Hotel.

Handel treiben
Der Münsteraner Handel profitiert vom Wohlstand der Bürger sowie vom Tourismus. Der Einzelhandelsmakler Comfort berichtet, dass die Ladenmieten seit 2004 stetig steigen. Derzeit werden bis zu 140 Euro Miete pro Quadratmeter gezahlt. Die Nachfrage nach Ladenlokalen in Münsters Top-Lagen sei ungebrochen.

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