Shoppingcenter verdoppeln Fläche binnen zehn Jahren
Bei der Rendite schlagen Einkaufszentren die City

Ulrich Hatzfeld ist zuversichtlich: „Die deutschen Innenstädte stehen im internationalen Vergleich gut da, sowohl was die Passantenfrequenzen als auch die Einzelhandelsumsätze betrifft.“ Der Ministerialbeamte im nordrhein-westfälischen Ministerium für Städtebau und Wohnen, einer der Erfinder der NRW-Kampagne zur Stärkung der Innenstädte „Ab in die Mitte“, gibt sich gelassen.

wik DÜSSELDORF. Die Attraktivität einer gewachsenen Innenstadt mit ihrem Mix aus Einkaufen, Freizeit und Kultur sei nicht gefährdet – trotz der wundersamen Vermehrung innerstädtischer Shoppingcenter. Wer in die City komme, dem gehe es nicht bloß um billiges Einkaufen. „Gefragt ist ein viel komplexeres Erlebnis, zu dem auch, aber nicht nur der Einkauf gehört.“

Gelassen zeigt sich auch Wolfgang Seifert, Vorstand des Shoppingcenter-Entwicklers MFI Management für Immobilien AG. Das erst jüngst eröffnete Projekt der Essener, die Münchener Riem Arcaden, werde „von den Bürgern sehr gut angenommen“, die 124 Läden seien „exzellent vermietet“. Wieder einmal zeige sich: „Der Verbraucher will das.“

Nach einem Jahrzehnt, in dem sich bundesweit die Verkaufsfläche in Einkaufszentren nahezu verdoppelt hat, wird nicht nur in den meisten Rathäusern, sondern auch in der Immobilienbranche über den Sinn und Unsinn innerstädtischer Shoppingzentren gestritten. Während die einen argumentieren, Shoppingcenter seien eine „wichtige Plattform für den deutschen Einzelhandel“, wie es MFI-Vorstand Seifert formuliert, warnen Kritiker vor der Gefahr, innenstadtnahe Shoppingzentren könnten das Aus bedeuten für die gewachsenen Einkaufslagen in der City. Als prägnantesten Beleg für ihre These führen die Kritiker gern den Einkaufsmagneten „Centro“ in Oberhausen ins Feld. Das „Centro“, das selbst Besucher aus den rund 50 Kilometer entfernten Niederlanden anzieht, hat tatsächlich dazu geführt, dass die einstige Einkaufslage in der Innenstadt inzwischen kaum mehr ist als ein Nahversorgungszentrum.

Zumindest auf den ersten Blick dürfte Immobilieninvestoren diese Diskussion nur am Rande interessieren. Sie schauen auf die Rendite: Und da schneiden innerstädtische Shoppingcenter durchweg besser ab als Einzelhandelsobjekte in der City, wie DTZ Research meldet. Während in München die Nettoanfangsrendite für ein Objekt etwa in der Kaufingerstraße zwischen 4,5 und 5,25 Prozent liegt, sind beim Shoppingcenter 5,25 bis sechs Prozent möglich. Ob dies allerdings auf Dauer so bleibt, entscheidet am Ende auch König Kunde. Und ob der eher das Rundum-Sorglos-Angebot inklusive kostenloser Parkmöglichkeit in einem x-beliebigen Shoppingcenter goutiert oder am Ende doch den – angeblich oder tatsächlich – spannenden Angebotsmix deutscher Innenstädten vorzieht, ist eine vorerst offene Frage. Sicher ist nur, dass einmal mehr der Wettbewerb das Geschäft belebt.

„Bei uns gibt es keine grundsätzliche Entscheidung der Frage, ob wir lieber in einem Center oder lieber in der City mieten“, sagt etwa Oliver Bernhardi, Standortentwickler beim Hamburger Schuhfilialisten Ludwig Görtz. Starke Center, sagt der Kenner, seien gut, weil sie mit ihren langfristig berechenbaren Quadratmeter-Umsätzen eine verlässliche Expansion sicherten. In den Innenstädten allerdings sei dafür die Chance größer, deutlich höhere Quadratmeter-Umsätze zu erzielen. „Das ist der besondere Kick in den Innenstädten.“ So lange dies so bleibt, dürfte Ulrich Hatzfeld Recht behalten. Und niemand müsste ernstlich den Niedergang der deutschen City befürchten.

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