Software für Einzelhändler
Der Computer kennt den besten Standort

Einzelhändler wissen: Der richtige Standort ist der halbe Erfolg. Doch was ist eigentlich ein guter Standort? Und wie finde ich ihn? Und wie sichern sich Filialketten, die schnell wachsen, die besten Plätze? Wenn sich ein Unternehmer nicht darauf verlassen will, den "richtigen Riecher" zu haben, kann er sich elektronischer Hilfe bedienen.



HAMBURG. Um Einzelhändlern bei der Suche nach dem geeigneten Standort zu helfen, haben Experten eine Software entwickelt. Diese hilft neben der Standortsuche auch bei der Planung und Optimierung eines Filialnetzes. Martin Mücke ist beim Softwarehersteller SAS in Heidelberg der Experte für analytische Standort-Evaluation. "Die zuverlässige Identifikation von attraktiven Standorten ist für Handelsunternehmen Erfolgs entscheidend", sagt er.

Mücke betreut Parfümerie-, Lebensmittel- und Fast-Food-Ketten, die für ihre Filialbetriebe Top-Lagen suchen. "Aus dem Bauch zu entscheiden, wo die nächste Filiale eröffnet wird, kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten", ist Mücke überzeugt. Zusammen mit der Firma ESRI, die auf die Nutzung geografischer Daten spezialisiert ist, hat SAS eine so genannte Business Intelligence-Lösung entwickelt, die dem Einzelhändler fundierte und aktuelle Daten für seine Standortwahl liefert. Auch um die Profitabilität eines Geschäfts zu verbessern, ein Filialnetz zu optimieren oder nach einer Fusion zwei Netze zu konsolidieren kann die Lösung eingesetzt werden.



Als Grundlage der Berechnungen fungieren soziodemografische, -ökonomische und-geografische Daten. Mit Hilfe dieser Daten lassen sich Altersstrukturen, die finanzielle Situation der Kundschaft sowie Konsumpräferenzen- und Abneigungen erkennen. "Das erhöht die unternehmerische Sicherheit", sagt Mücke. Ein Filialist erfährt, wie weit eine Stuttgarter Familie zum nächsten Geschäft der Kette fahren würde, ein Hamburger Einzelhändler, welche Produkte von den Teens und Twens in seinem Stadtteil bevorzugt werden, ein Eisladen-Besitzer, ob es ratsamer ist, den nächsten Betrieb in der nahen Passage oder im entfernten Einkaufszentrum zu eröffnen? Überraschende Erkenntnisse sind nicht ausgeschlossen: Die Luftlinie zwischen zwei Niederlassungen des gleichen Unternehmens in Köln betrug zwei Kilometer. Die exakten geografischen Daten ergaben jedoch, dass Kunden mit dem Auto aufgrund von Brücken und Unterführungen fünf Kilometer zwischen beiden Filialen zurücklegen mussten, was deutlich zu viel war, um geschäftlich Erfolg zu haben. Die Erkenntnis führte zur Eröffnung einer weiteren Niederlassung.

Als Immobiliendienstleister für Eigentümer, Investoren und Nutzer von Gewerbeobjekten hat CB Richard Ellis für seine Einzelhandelskunden ebenfalls ein System zur Unterstützung von Standortentscheidungen entwickelt. Das Online-Tool namens "CBRE Retail M@pper" liefert Informationen zu den besten Innenstadtlagen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und München. In einer Karten-, Informations- und Fotodatenbank liegen etwa 6 200 Fotos von Ladengeschäften in rund 100 Haupteinkaufsstraßen. Der Betrachter kann sich Schaufensterfronten, Lagepläne und Geschosse ansehen. "Durch die Beschreibung des genauen Straßenlaufes erhält der Interessent außerdem einen Eindruck vom Branchen- und Mietermix", sagt Karsten Burbach, Deutschland-Vertriebsleiter bei CB Richard Ellis in Frankfurt. "Nach der virtuellen Besichtigungstour wird die Beratung und der Entscheidungsprozess deutlich effizienter."



Ein Nutzer elektronischer Unterstützung bei der Standort-Evaluation ist DocMorris. Die niederländisch-deutsche Apotheke, die vor acht Jahren als reines Versandhaus (Jahresumsatz: mehr als 200 Mio. Euro) gestartet war, mittlerweile aber auch schon mit rund 120 stationären Apotheken kooperiert, füttert ihre IT mit gekauften Daten wie Ärztedichte, Einwohnerzahl oder pharmazeutischer Umsatz und mit eigenen Daten. "Der Mix aus beiden Quellen macht es", sagt Vorstand Thomas Schiffer. Die Analysen, die Kollege Computer liefert, stellt das Unternehmen seinen Marken-Partnern zur Verfügung, erfahrenen Apothekern, die ein neues Geschäft unter dem grünen Kreuz von DocMorris eröffnen wollen.

Gesucht wird vornehmlich nach drei Arten von Standorten: Einkaufsstraßen kleinerer Städte sowie klassische Nahversorgungszentren mit hoher Apothekendichte, um hier mit der bekannten, starken Marke den Wettbewerb aufzumischen. Außerdem sind Standorte in der Nähe von Ärztehäusern oder Hospitälern interessant, "weil die pharmazeutische Betreuung und Beratung aus der Sicht von DocMorris eine immer wichtigere Rolle in der Gesundheitsversorgung spielt", wie Vorstand Schiffer betont. "Die Auswahl ist extrem wichtig, denn der Apotheken-Markt ist heiß umkämpft. Für uns ist eine gute Mischung der verschiedenen Standortarten wichtig."



Hat ein Handelsunternehmen eine neue Niederlassung eröffnet, helfen IT-Lösungen auch bei der langfristigen Etablierung. So optimiert beispielsweise die britische Supermarktkette Waitrose mit einem SAS Business Intelligence System, das den Bedarf genau prognostiziert, den Warenfluss und das Auffüllen der Regale. Erfolg: Der Lagerbestand konnte um acht Prozent, der Ausschuss um vier Prozent gesenkt werden.

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