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24.09.2007 
Spanien

Sonne und Mondpreise

Ganz vorn auf der Hitliste deutscher Auswanderer liegen die Costa del Sol im Süden und die Costa Blanca im Osten, wo je rund 240 000 Deutsche Wurzeln geschlagen haben. Auf die Kanaren hat es 60 000 verschlagen, fast ebenso viele leben auf den Balearen.

Quadratmeterpreise in den beliebtesten spanischen Regionen. Grafik: WirtschaftswocheLupe

Quadratmeterpreise in den beliebtesten spanischen Regionen. Grafik: Wirtschaftswoche

Etliche von ihnen haben aber noch einen Wohnsitz in Deutschland und gelten daher nicht als Ansässige. Neben Sonne und Meer schätzen viele die Mentalität der Spanier. "Betreten Sie in Deutschland mal einen Fahrstuhl, da grüßt Sie niemand. Hier sind die Menschen viel freundlicher", sagt die Rentnerin Edith Voss, die seit vielen Jahren auf Mallorca lebt.

Doch Neuankömmlinge zahlen einen hohen Preis für Sonne, Meer und Freundlichkeit: Immobilien haben sich in den vergangenen Jahren stark verteuert. Mallorca, eher für Ballermann und Massentourismus bekannt, ist auf dem Weg zu einem Refugium für Reiche. Käufer müssen auf der Insel im Schnitt zwischen 4 500 und 6 000 Euro pro Quadratmeter hinlegen. Und die Preise steigen weiter, allein im ersten Quartal nach Angaben der Regierung um neun Prozent.

Auf dem Festland hat sich der Anstieg inzwischen deutlich verlangsamt. In einigen Regionen sinken die Preise bereits leicht, liegen aber noch immer auf hohem Niveau. So müssen Käufer an der Costa Blanca, wo ein schickes Haus am Strand vor 15 Jahren für 100 000 Euro zu haben war, mittlerweile locker das Dreifache hinblättern. Wer jetzt kauft, zahlt womöglich einen historischen Höchstpreis – und muss außerdem sieben Prozent Grunderwerbsteuer berappen (siehe Tabelle „Steuern im Ausland“).


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Zahlreiche Deutsche, die früh vor Ort waren, haben den Immobilienboom der vergangenen Jahre genutzt und ihr Haus "mit hohem Gewinn verkauft", berichtet der an der Costa Blanca ansässige deutsche Makler Enzo Gehrig. Rechtsanwalt Tim Wirth, der in Palma de Mallorca lebt, rät Zuwanderern, erst mal zu mieten. "Gerade in den bei Deutschen beliebten Gebieten gibt es zum einen viele gute Häuser, zum anderen sind solide Deutsche als Mieter gern gesehen."

Nicht nur die Immobilienpreise, auch die Lebenshaltungskosten sind auf der Iberischen Halbinsel rapide gestiegen. Manch einer, der vor 10 oder 20 Jahren nach Spanien zog und sich mit seiner Rente ein schönes Leben machte, bekommt jetzt Sorgenfalten. In Madrid haben deutsche Kirchen und Privatleute gar einen Verein gegründet, der ein Altenheim für mittellose Auswanderer betreibt.

Auch Gutverdiener machen häufig den gleichen Fehler: "Viele gehen aus der privaten Krankenversicherung in Deutschland raus und zahlen dort auch nicht mehr in die Pflegeversicherung ein. Wenn sie dann wirklich malade und hilfsbedürftig werden, fehlt ihnen jede soziale Absicherung", sagt der 63-jährige Jürgen B. Der ehemalige Unternehmer wohnt seit 1999 mit seiner Frau an der Costa Blanca.


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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auswanderer sollten auf Krankenversicherungsschutz achten

Auch die Deutsche Botschaft appelliert an die Neuankömmlinge, weiter an die heimische Pflegeversicherung zu überweisen, denn sie zahlt auch in Spanien. Inzwischen gibt es auf der Iberischen Halbinsel vielerorts Anlagen, die sich auf deutsche Kundschaft spezialisiert haben, ein Platz kostet meist zwischen 1 700 und 2 000 Euro im Monat. Spanien hat zwar beschlossen, eine Pflegeversicherung nach deutschem Vorbild einzuführen. Vorerst sollten Ruheständler aber nicht auf die deutsche Absicherung verzichten.

Gleiches gilt in Sachen Krankenkasse. Der Vorteil für Zuwanderer mit deutscher Versicherung: Egal, ob privat oder gesetzlich, für Behandlungen in EU-Ländern müssen deutsche Kassen zahlen. Sich auf der Iberischen Halbinsel behandeln zu lassen, ist aber nicht für alle Ruheständler eine Option: Der 66-jährige Günter Machmerth, der mit seiner Frau in Vergel an der Costa Blanca lebt, misstraut dem spanischen Gesundheitssystem und würde im Fall einer längeren Erkrankung in den Flieger steigen: "Wir haben unseren ersten Wohnsitz deshalb immer noch in Deutschland", sagt er.


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Wer nach Spanien geht, um Steuern zu sparen, ist schief gewickelt. Gerade bei der Rente steht man als Deutscher schlechter da. Nur wer weniger als 7 000 Euro im Jahr kassiert, kommt steuerfrei davon. Der Rest unterliegt der Einkommensteuer mit einem Spitzensatz von 45 Prozent (siehe Tabelle „Steuern im Ausland“).

"Wer seinen Wohnsitz in Deutschland aufgibt, verliert die deutschen Steuervorteile bei der Rente", sagt Peter Lüdemann, Steuerberater in der Kanzlei Ecovis. Hierzulande müssen Ruheständler nur 54 Prozent der Rente versteuern, während in Spanien alles dran glauben muss. Der Deutschland-Vorteil schrumpft auf lange Sicht aber, weil der steuerpflichtige Teil der Rente hierzulande schrittweise steigt – von 2040 an muss sie voll versteuert werden.

Noch tun Neu-Spanier im Ruhestand aus steuerlicher Sicht aber gut daran, nicht alle Brücken abzureißen. Wer in Deutschland einen Wohnsitz behält, kann weiter nach hiesigem Recht besteuert werden. Zudem sei die Bürokratie in Spanien "noch viel schlimmer und undurchsichtiger als in Deutschland", warnt Rechtsanwalt Manuel Stiff aus Münster.

Allerdings könnte sich die steuerliche Situation demnächst ändern. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte kürzlich angekündigt, Doppelbesteuerungsabkommen, die Deutschland mit anderen Staaten geschlossen hat, überprüfen zu lassen. Auch mit Spanien will der Minister ein neues Abkommen schließen. Durch die sogenannte Mallorca-Steuer, nach der auf die Balearen umgezogene Senioren ihre Alterseinkünfte nicht mehr in Deutschland versteuern müssen, drohten dem hiesigen Fiskus Milliardenverluste.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 36, 03.09.2007

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