Spanien
Sonne und Mondpreise

Ganz vorn auf der Hitliste deutscher Auswanderer liegen die Costa del Sol im Süden und die Costa Blanca im Osten, wo je rund 240 000 Deutsche Wurzeln geschlagen haben. Auf die Kanaren hat es 60 000 verschlagen, fast ebenso viele leben auf den Balearen.

Etliche von ihnen haben aber noch einen Wohnsitz in Deutschland und gelten daher nicht als Ansässige. Neben Sonne und Meer schätzen viele die Mentalität der Spanier. "Betreten Sie in Deutschland mal einen Fahrstuhl, da grüßt Sie niemand. Hier sind die Menschen viel freundlicher", sagt die Rentnerin Edith Voss, die seit vielen Jahren auf Mallorca lebt.

Doch Neuankömmlinge zahlen einen hohen Preis für Sonne, Meer und Freundlichkeit: Immobilien haben sich in den vergangenen Jahren stark verteuert. Mallorca, eher für Ballermann und Massentourismus bekannt, ist auf dem Weg zu einem Refugium für Reiche. Käufer müssen auf der Insel im Schnitt zwischen 4 500 und 6 000 Euro pro Quadratmeter hinlegen. Und die Preise steigen weiter, allein im ersten Quartal nach Angaben der Regierung um neun Prozent.

Auf dem Festland hat sich der Anstieg inzwischen deutlich verlangsamt. In einigen Regionen sinken die Preise bereits leicht, liegen aber noch immer auf hohem Niveau. So müssen Käufer an der Costa Blanca, wo ein schickes Haus am Strand vor 15 Jahren für 100 000 Euro zu haben war, mittlerweile locker das Dreifache hinblättern. Wer jetzt kauft, zahlt womöglich einen historischen Höchstpreis – und muss außerdem sieben Prozent Grunderwerbsteuer berappen (siehe Tabelle „Steuern im Ausland“).

Zahlreiche Deutsche, die früh vor Ort waren, haben den Immobilienboom der vergangenen Jahre genutzt und ihr Haus "mit hohem Gewinn verkauft", berichtet der an der Costa Blanca ansässige deutsche Makler Enzo Gehrig. Rechtsanwalt Tim Wirth, der in Palma de Mallorca lebt, rät Zuwanderern, erst mal zu mieten. "Gerade in den bei Deutschen beliebten Gebieten gibt es zum einen viele gute Häuser, zum anderen sind solide Deutsche als Mieter gern gesehen."

Nicht nur die Immobilienpreise, auch die Lebenshaltungskosten sind auf der Iberischen Halbinsel rapide gestiegen. Manch einer, der vor 10 oder 20 Jahren nach Spanien zog und sich mit seiner Rente ein schönes Leben machte, bekommt jetzt Sorgenfalten. In Madrid haben deutsche Kirchen und Privatleute gar einen Verein gegründet, der ein Altenheim für mittellose Auswanderer betreibt.

Auch Gutverdiener machen häufig den gleichen Fehler: "Viele gehen aus der privaten Krankenversicherung in Deutschland raus und zahlen dort auch nicht mehr in die Pflegeversicherung ein. Wenn sie dann wirklich malade und hilfsbedürftig werden, fehlt ihnen jede soziale Absicherung", sagt der 63-jährige Jürgen B. Der ehemalige Unternehmer wohnt seit 1999 mit seiner Frau an der Costa Blanca.

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