Wohl wissend, dass die eigenen Ölreserven sich dem Ende zuneigen, suchen die Fonds nach Investments, die regelmäßige, mit der Inflationsrate steigende Einnahmen generieren und deren Wert wenig schwankt. Immobilien erfüllen alle diese Ansprüche. Ihre gewaltige Investitionskraft erlaubt es den Fonds, breit diversifizierte Immobilienportfolios zusammenzukaufen – und das obwohl sie es primär auf große Objekte – so genannte Trophäen-Gebäude, abgesehen haben. Solche Liegenschaften stehen typischerweise an nicht reproduzierbaren Standorten und verlieren deshalb in Krisenzeiten auch weniger an Wert als Häuser in Randlagen. Ohnehin schlagen Immobilienpreise weit weniger hektisch aus als die Aktienkurse. Für den Inflationsschutz sorgen an die Lebenshaltungskosten gekoppelte Mieten. Tannenbaum erwartet, dass die Fonds Währungsrisiken möglichst aus dem Weg gehen. Sie würden in Staaten investieren, deren Währungen stark sind oder weniger heftig schwanken als die eigene.
Als vorrangige Investitionsziele listet er New York, London und Paris sowie Spanien auf. Für New York spricht der aktuell niedrige Dollar-Kurs sowie nachgebende Preise. Letzteres gilt auch für London und Spanien, wobei in Spanien primär der Wohnungssektor betroffen ist. Die US- und die beiden europäischen Metropolen erfüllen ein weiteres Kriterium: Es sind liquide Märkte, in denen auch große Gebäude schnell zu verkaufen sind. Große Aktivitäten in Deutschland würden überraschen, sagt Tannenbaum, der hier nur München und Hamburg als Ziele sieht. Der statt auf eine Metropole auf fünf Städte (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München) konzentrierte deutsche Gewerbeimmobilienmarkt ist weniger liquide.
Dass die China Investment Corp. (CIC) auf dem Immobilienmarkt aktiv wird, ziehen Experten in Zweifel. „Ich glaube, dass Chinas Staatsfonds eher strategische Investments sucht, vor allem im Rohstoffbereich“, meint ein Banker in Peking. Und bei Interesse an Immobilien stünden deutsche nicht oben an, sagen Analysten. Die Strategien der zusammen 160 Mrd. Dollar schweren russischen Staatsfonds, des Reserven-Fonds und des Nationalen Wohlstandsfonds, sind noch offen. Letzteren lähmen interne Querelen, seit ein hochrangiger Manager im Gefängnis sitzt.
Alte und neue Mächte
Alte Mächte
Der erste Staatsfonds wurde 1953 in Kuwait gegründet. Richtig aktiv wurden die als Sammelstellen für Einnahmen aus dem Ölgeschäft gegründeten Staatsgesellschaften nach den Ölkrisen 1974 und 1979. Sie legten ihr Geld primär in Dollar an.
Neue Mächte
Die asiatischen Staatsfonds gewinnen ihr zunehmendes Gewicht dank prosperierenden Volkswirtschaften. Chinas 200 Mrd. Dollar schwerer CIC wird aus Währungsreserven gespeist. Die sind so gewaltig, dass der Fonds leicht höher dotiert werden kann.
Künftiger Einfluss
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück trifft sich einem Magazinbericht zufolge mit Staatsfonds in der Golfregion, um Missverständnisse auszuräumen. Viele sorgen sich darum, die Fonds könnten mit den Investements politischen Einfluss ausüben.
