Stabiler als Spanien oder Großbritannien
Kreditklemme trifft auch Italien

Die Folgen der US-Hypothekenkrise bekommen auch die italienischen Immobilienunternehmen zu spüren. Der Immobilienmarkt ist südlich der Alpen allerdings stabiler und weniger spekulativ als in Spanien oder Großbritannien.

HB MAILAND. Mehr als ein Drittel hat der Titel von Pirelli Real Estate (Pirelli Re) in den vergangenen sechs Monaten verloren. Etwas weniger gab auch die Aktie von Beni Stabili nach, die derzeit von der französischen Immobiliengruppe Fonciere des Region übernommen wird. Und auch bei Risanamento Napoli und Immobiliare Grande Distribuzione (IGD) sieht das Bild nicht besser aus. Dabei sind sich Experten einig, dass Italiens Immobilienmarkt deutlich besser dasteht als die Märkte in den USA, in Großbritannien oder auch Spanien.

Stefano Caselli, Professor an der Mailänder Bocconi-Universität sieht in den Kursverlusten eine allgemeine Panikreaktion nach der Subprime-Krise in den USA, wo die bonitätsschwachen (subprime) Kunden ihre Darlehen nicht mehr zurückzahlen können. „In Italien gibt es kein Subprime-Problem im Immobiliensektor“, betont er.

Auch Gregorio De Felice, Chefökonom der Bank Intesa Sanpaolo, sieht die Subprime-Krise für Italien relativ gelassen. Denn die italienischen Banken vergeben selbst keine Subprime-Kredite und haben auch kaum Pakete mit Subprime-Krediten gekauft. Die Immobilien-Unternehmen sind zudem in den betroffenen Märkten nicht präsent. „Die Finanzierung wird allerdings für die Immobilienunternehmen in Zukunft mehr kosten“, mahnt De Felice. Denn die Banken vergeben ihre Kredite nun zu höheren Zinsen. Vor allem Unternehmen mit hoher Verschuldung, wie etwa Risanamento Napoli werden davon betroffen sein.

Insgesamt schätzen Experten die Folgen für den Immobilienmarkt in Italien eher gering ein. Denn anders als etwa in Spanien und Großbritannien war der italienische Markt trotz der hohen Steigerungen in den vergangenen Jahren weniger spekulativ. Das liegt vor allem daran, dass die Banken weniger großzügig bei der Kreditvergabe waren, und dass die Käufer von Eigenheimen in Italien im Durchschnitt nicht mehr als 60 Prozent fremdfinanzieren. „Die Banken haben noch immer einen Gegenwert, der mehr wert ist als das eingesetzte Kapital“, sagt ein Mailänder Analyst. Dennoch kühlt der Markt auch in Italien nach zweistelligen Zuwächsen in den Vorjahren derzeit ab. Vor allem in den größeren Städten stagnieren derzeit die Preise.

Was die Investition in Aktien angeht, bevorzugen viele Analysten Beni Stabili gegenüber Pirelli Re. Die Situation von Beni Stabili als reine Immobiliengesellschaft, die vor allem in Büro- und Einzelhandelsimmobilien investiert, sei „recht sicher“, sagt ein Analyst. Das Unternehmen könnte höchstens unter einem Wertverfall ihrer Immobilien leiden. Doch im Juni diesen Jahres ist der Wert der Immobilien immerhin noch um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Bei Pirelli Re ist er sich weniger sicher. „Wenn überhaupt liegt das Risiko in der allgemeinen Kreditklemme“ sagt er. Und Pirelli Re ist bei seinen Investments auf Finanzpartner angewiesen, da es als Geschäftsmodell bei Immobilienkäufen immer nur Minderheitsinvestitionen tätigt und meist große Investmentbanken mit ins Boot holt.

Der Vorstandsvorsitzende von Pirelli Re sieht die Lage dennoch gelassen. „Turbulente Momente können auch immer große Chancen bergen, vor allem für die soliden Unternehmen“, sagte Carlo Puri Negri jüngst. Allerdings räumte auch er ein, dass die Unternehmen weniger Zugang zu Krediten haben werden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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