Stabiler Markt für Wohnimmobilien
Investoren entdecken Wohnungen

Investoren haben Wohnimmobilien lange Zeit links liegen lassen. Zu kleinteilig, zu geringe Erträge, zu langweilig. Diese Einschätzung könnte sich jedoch bald ändern. Während der Markt für Büroimmobilien von der Wirtschaftskrise erschüttert wird, bleibt der deutsche Wohnungsmarkt bisher verschont. Und schon wittern Wohnungsgesellschaften ihre Chance.

FRANKFURT. "Seit Beginn des Jahres registrieren wir verstärkt Interesse von privaten Investoren und Aktienfonds aus den USA und Großbritannien", sagt Johann Kowar, Vorstand von Conwert. Sein Unternehmen zählt zu den größten Immobiliengesellschaften in Österreich und ist auch auf dem deutschen Markt aktiv. Kerngeschäft ist die Entwicklung, Vermietung und der Verkauf von Altbauten. Anleger allerdings überzeugte das offenbar nicht: An der Wiener Börse stürzte der Aktienkurs in den vergangenen zwei Jahren von mehr als 18 Euro auf rund vier Euro.

Den meisten Immobilienaktien erging es nicht besser. Die Papiere von Gagfah, Deutsche Wohnen oder Vivacon sind nur noch einen Bruchteil dessen wert, was sie vor Ausbruch der Finanzkrise kosteten. Inzwischen sind die Aktien zu Ramschpreisen zu haben. Vor allem die Branche der Wohnimmobilien-Unternehmen sieht sich zu Unrecht abgestraft. "Gemessen am Wert des Immobilienportfolios ist unsere Aktie viel zu wenig wert", sagt Conwert-Chef Kowar. Das Geschäftsmodell erweise sich auch in der Krise als stabil. Ganz nach dem Motto: Ein Dach über dem Kopf brauchen die Menschen auch in der Krise.

Tatsächlich ist der Wohnungsmarkt in Deutschland wenig anfällig für Konjunkturschwankungen. Anders als bei der Nachfrage nach Gewerbeimmobilien sind eher langfristige Trends entscheidend. Der Bedarf an Wohnungen und Häusern dürfte in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen. Obwohl die Bevölkerung schrumpft, wird die Anzahl der Haushalte noch deutlich zunehmen. Um die höhere Nachfrage zu decken, müssten nach einer aktuellen Studie des Eduard Pestel Instituts bis zum Jahr 2025 bundesweit rund 400 000 Wohnungen jährlich neu erstellt werden. Tatsächlich gebaut werde allerdings viel weniger: 2008 seien nicht einmal 200 000 Wohnungen fertig gestellt worden. In Ballungsräumen wie München, Stuttgart, Köln oder Hamburg bekämen die Menschen die Wohnungsnot jetzt schon zu spüren.

Ganz verschont von der Krise bleibt die Wohnbranche dennoch nicht. Sollten immer mehr Menschen in Folge der Krise ihre Jobs verlieren, drohen Mietausfälle. Höhere Mieten sind dann kaum noch oder nur in wenigen Märkten durchsetzbar.

Noch entscheidender ist die Frage der Finanzierung. Die Immobilienbranche ist in hohem Maße von Fremdkapital abhängig. Weil sich die Banken aber mit der Kreditvergabe zurückhalten, stecken die Unternehmen in der Klemme. Bei einem Darlehen mit einem vergleichsweise geringen Volumen von zehn Mio. Euro gebe es noch keine Probleme. Große Kredite in Höhe von 200 bis 300 Mio. Euro seien aber nur schwer zu bekommen, heißt es in Branchenkreisen.

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