Stadtentwicklung
Neue Gesichter für alte Häfen

Das urbane Leben kehrt in die Hafenquartiere zurück. Nachdem Kräne, Werfthallen und graue Kaischuppen zunächst schummrige Hafenkneipen und manches Etablissement von zweifelhaftem Ruf von der Wasserlinie verdrängt haben, erobert nun das Vergnügen verlorenes Terrain zurück.

HB DUISBURG.Doch die Städtebauer achten nun auf guten Stil. Auf den verlassenen Industrieflächen entstehen Museen, Konzertsäle, Restaurants und Hotels der gehobenen Preiskategorie, durch Flaniermeilen verbunden mit eleganten Wohnhochhäusern und Büroensembles aus Glas und Stahl.

Beispiel London: Bereits in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Londoner Hafenwirtschaft aus der Innenstadt flussabwärts zum Hochseehafen Tilbury gezogen. Eine Folge der modernen Containerschifffahrt. Die Schiffe erreichten Ausmaße, mit denen sie die innerstädtischen Kais nicht mehr anlaufen konnten. Auch die Kapazitäten der Docks reichten nicht mehr aus. Zwischen 1960 und 1980 stellten sämtliche Docks ihren Betrieb ein. Anlagen und Gebäude verfielen. Erst mit Gründung der London Docklands Development Corporation 1981 fiel der Startschuss für einen beispiellosen Hafenumbau. Heute, mehr als zwanzig Jahre später, präsentiert sich das Quartier als facettenreiche Stadt in der Stadt. Nobelhotels, Cafés, Büros und Geschäfte drängen sich neben weniger spektakulären Alt- oder Neubauten.

Inzwischen haben auch andere europäische Großkommunen entdeckt, dass stadtnahe Hafengrundstücke zu wertvoll sind, um sie brachliegen zu lassen. Zu den spektakulärsten Entwicklungsprojekten in Europa zählt die Hafencity Hamburg. Hier wie in London waren innenstadtnahe, eher kleinteilige Hafengebiete frei geworden, weil sie die Anforderungen der modernen Hafenlogistik nicht mehr erfüllen konnten. „40 Einzelvorhaben sind zurzeit in Planung oder im Bau“, sagt Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hafen-City Hamburg GmbH. Am Sandtorhafen, dem ersten von zwölf Teilprojekten, sind inzwischen sieben Wohn- und Bürogebäude mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 371 000 Quadratmetern entstanden. Die ersten Bewohner sind eingezogen. Der Bau der futuristisch anmutenden „Elbphilharmonie“ ist nun ebenfalls beschlossene Sache.

Dem Vorbild Londons folgt auch die südfranzösische Stadt Marseille. Als Anfang der neunziger Jahre der Umzug des Hafenbetriebes der Stadt jede Menge Platz für neue Nutzungen bescherte, wurde das Projekt Euroméditerranée geboren. Es ist derzeit das größte Infrastrukturprojekt Frankreichs. Es wird aus staatlichen Kassen und EU-Fördertöpfen unterstützt und soll die problembeladene Hafenmetropole in eine völlig neue Liga katapultieren. Der Anschluss ans französische Schnellbahnnetz fördert die Attraktivität von Euroméditerranée. Die Fahrt mit dem TGV vom direkt angrenzenden Bahnhof nach Paris dauert nur dreieinhalb Stunden.

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