Stadtplanung
Die Rückeroberung der Stadt

Wie steht es um den Städtebau in Europa? Experten fordern mehr Baukultur und einen intensiven Dialog mit Architekten. Als Musterbeispiel für die gelungene Wiederbelebung der City gilt die "Neue Mitte Ulm".

FRANKFURT. Renaissance der Innenstadt? Da verweisen Stadtplaner und Architekten mit Vorliebe auf Ulm. Die "Neue Mitte Ulm", seit 2007 fertig, gilt als Musterbeispiel für die gelungene Wiederbelebung der City. Doch es geht nicht um architektonische Leuchtturm-Projekte wie das spitzwinklige Kaufhaus Münstertor von Stephan Braunfels Architekten, die Kunsthalle Weishaupt von Wöhr Heugenhauser Architekten oder Gottfried Böhms Stadtbibliothek, sondern um den gelungenen Umbau der Innenstadt.

Die Ulmer Geschichte ist symptomatisch für viele Städte: Nach den Zerstörungen durch die Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg wurde die alte historische Innenstadt mit gesichtslosen Fassaden wiederhergestellt. In den 1950er Jahren begann der Bau der sechsspurigen Neuen Straße, die praktisch eine Verkehrsschneise mitten durch die Stadt schlug - gemäß dem planerischen Zeitgeist, der dem Auto den Vorrang vor Fußgängern gab. Von diesen Stadtautobahnen gibt es noch heute jede Menge.

Das Umdenken in Ulm setzte im vergangenen Jahrzehnt ein, Rettung brachte ein Masterplan, entworfen von den Ulmer Architekten Gunther, Lutz, Schenk. 2002 startete die Umsetzung. Auf einem Areal von 16 000 Quadratmetern in der Zusammenarbeit von Stadt und privaten Investoren eine neue City - keine "nostalgisch verklärte Rekonstruktion", sondern die "Rückeroberung der Stadt". So steht es über Ulm im Ausstellungskatalog "New Urbanity" des Deutschen Architekturmuseums (DAM).

17 Projekte aus Europa haben die Experten des DAM ausgewählt, um die "New Urbanity" zu zeigen, die europäische Stadt im 21. Jahrhundert. Amsterdam, Barcelona, Berlin, Dublin, Hamburg, London, Oslo und Manchester gehören wie Ulm zu den Positiv-Beispielen - Städtebau-Projekte wie das Südufer der Themse mit der Millenium Bridge und der Tate-Gallerie, die nicht auf dem Papier stehen, sondern realisiert wurden und deren Erfolg sich darin zeigt, dass die transformierten Innenstädte voller Menschen sind, die sich gern dort aufhalten.

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