Städteranking
Die Deutschen zieht es in den Osten

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Bautätigkeit hinkt fast überall hinterher

Für die Stadtplaner dürfte das dieser Tage aber weniger Grund zum Jubeln als vielmehr zum Grübeln sein: Seit Jahren werden Immobilien immer teurer. Der Wohnraum ist knapp und die Bautätigkeit hinkt fast überall in den urbanen Zentren der steigenden Nachfrage hinterher.

In München, das durch seine Wirtschafts- und Wissenschaftskraft alle andere Städte hinter sich lässt, sind die Kaufpreise laut dem Immobiliendienstleister JLL zwischen 2006 und dem ersten Halbjahr 2017 um rund 130 Prozent gestiegen, in Frankfurt um 92 Prozent. Bei den Mieten ging es zwar auch stark, aber nicht ganz so rasch nach oben. Bei München beträgt das Plus in selben Zeitraum 65 Prozent, in Frankfurt 44 Prozent.

Weiterer Druck scheint vorprogrammiert: Das Städteranking prognostiziert der bayrischen Landeshauptstadt bis 2030 einen Bevölkerungszuwachs von rund 130.000 Menschen. Keine andere der 30 größten Städte wird ähnlich stark wachsen, schätzen HWWI und Berenberg.

Die Folge der gestiegenen und wohl weiter steigenden Preise hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Studie analysiert: Rund 40 Prozent aller deutschen Haushalte wenden mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete auf, fast ein Fünftel sogar mehr als 40 Prozent. Zwar sei die hohe Belastung durch die Miete häufig ein Spiegelbild eines niedrigen Einkommens. Doch die hohen Mieten können auch arm machen, warnen die Forscher.

Völpel vom HWWI mahnt, dass die sinkende Erschwinglichkeit schnell zum Standortnachteil werden kann. „Wenn die Städte nicht erkennen, dass sie etwa über die Anbindung der Peripherie ihre Aufnahmefähigkeit erhöhen, kann sich der Trend durchaus wenden.“

Was das heißt, zeige das Beispiel Berlin: Klaus Wowereits Mantra für die Stadt – „Arm aber sexy“ – habe zahlreiche junge Menschen nach Berlin gezogen. Da unter anderem die Wohnkosten gestiegen sind, ist die Stadt im Teilindex Trend auf Platz neun zurückgefallen, hinter Städte wie Kiel, Augsburg und Münster. In kaum einer anderen Stadt wird die Diskussion über Gentrifizierung und Verdrängung heißer geführt als in Berlin. Gleichzeitig drängen Immobilienexperten zu mehr Wohnungsbau.

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