Städteranking Die Deutschen zieht es in den Osten

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Bautätigkeit hinkt fast überall hinterher

Für die Stadtplaner dürfte das dieser Tage aber weniger Grund zum Jubeln als vielmehr zum Grübeln sein: Seit Jahren werden Immobilien immer teurer. Der Wohnraum ist knapp und die Bautätigkeit hinkt fast überall in den urbanen Zentren der steigenden Nachfrage hinterher.

In München, das durch seine Wirtschafts- und Wissenschaftskraft alle andere Städte hinter sich lässt, sind die Kaufpreise laut dem Immobiliendienstleister JLL zwischen 2006 und dem ersten Halbjahr 2017 um rund 130 Prozent gestiegen, in Frankfurt um 92 Prozent. Bei den Mieten ging es zwar auch stark, aber nicht ganz so rasch nach oben. Bei München beträgt das Plus in selben Zeitraum 65 Prozent, in Frankfurt 44 Prozent.

Die lebenswertesten Städte der Welt
Platz 10: Hamburg
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Die Hansestadt ist die einzige deutsche Stadt auf den vordersten Plätzen. Um einen Vergleichswert errechnen zu können, hat der „Economist“ die Grundthemen Stabilität, Gesundheit, Kultur & Umwelt, Bildung und Infrastruktur herangezogen. Die volle Punktzahl, nämlich 100 von 100 möglichen Punkten, erhält Hamburg unter anderem im letzten Themengebiet. So befindet das britische Nachrichtenmagazin, dass der Stadtstaat beispielsweise eine ausgezeichnete Qualität im Straßennetz, der internationalen Anbindung, der Energie- und Wasserversorgung und der Telekommunikation vorweisen kann.

Wertung: 95 Punkte

Platz 9: Helsinki
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Sowohl die Stabilität als auch das Gesundheitswesen der finnischen Hauptstadt sind von höchster Güte. Während in letzterem Thema vor allem die Verfügbarkeit und Qualität der privaten sowie gesetzlichen Krankenversicherungen den Ton angeben, hat die Stabilität im Zuge der allgegenwärtigen Furcht vor dem Terrorismus eine immer wichtiger werdende Stellung eingenommen. So ist es nach dem „Economist“ quasi auszuschließen, dass Helsinki Opfer eines terroristischen Akts, einer militärischen Intervention oder eines Bürgeraufruhrs wird. Auch die Kriminalitätsrate befindet sich auf einem sehr niedrigen Level.

Wertung: 95,6 Punkte

Platz 8: Auckland
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In der größten Stadt Neuseelands leben rund ein Drittel der gesamten Bevölkerung des Inselstaates. Anders als die übrigen Städte in den Top 10 erreicht Auckland nicht die 100 Punkte beim Gesundheitswesen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die staatliche Krankenversicherung zwar erst einmal kostenfrei ist, jeder Besuch beim Hausarzt dann allerdings doch am Portemonnaie nagt. Sofern man nicht gerade ein Notfall ist, dauert es zudem sehr lange, bis man einen Termin erhält. Rund ein Drittel aller Neuseeländer sind deshalb allein beim größten privaten Versicherer des Landes – Southern Cross – unter Vertrag.

Wertung: 95,7 Punkte

Platz 7: Perth
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Wie alle Städte im Ranking (mit Ausnahme von Helsinki und Hamburg) erreicht auch die größte Stadt im Westen von Australien 100 Punkte für das Bildungsangebot. Dazu zählen Indikatoren wie die Verfügbarkeit und Qualität der privaten Bildungseinrichtungen – aber auch das öffentliche Angebot spielt eine Rolle. Mit einer Gewichtung von 10 Prozent schlägt das Thema Bildung aber nicht allzu sehr auf die Gesamtwertung nieder. Perth kann aber auch auf das bestmögliche Ergebnis im Gesundheitswesen und der Infrastruktur setzen.

Wertung: 95,9 Punkte

Platz 6: Adelaide
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Allein South Australia ist fast eine Million Quadratkilometer groß – annähernd drei Mal größer als Deutschland. Trotzdem leben dort nur rund 1,7 Millionen Menschen, wovon zwei Drittel auf die Küstenstadt Adelaide entfallen. Durch das sehr reichhaltige Kunst- und Kulturangebot trägt die Stadt Beinnamen wie „festival city“ oder „city of churches“, aber der Hauptname der südaustralischen Hauptstadt geht auf die deutsche Prinzessin und einstige Königin von Großbritannien, Adelheid von Sachsen-Meiningen, zurück.

Wertung: 96,6 Punkte

Platz 5: Calgary
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Bürgermeister Naheed Nenshi kann mächtig stolz auf die viertgrößte Stadt Kanadas sein. In fast allen Bereichen liegt Calgary bei über 96 Punkten, drei Mal sogar bei der vollen Punktzahl. Nachholbedarf sieht der „Economist“ allerdings bei Kultur & Umwelt – nicht ohne Grund. Trotz vorangetriebener Diversifizierung ist die städtische Wirtschaft noch immer stark von der Mineralöl- und Gasindustrie geprägt. Viele Ölkonzerne haben ihren Sitz in der Stadt mit den höchsten Lebenshaltungskosten des Landes.

Wertung: 96,6 Punkte

Platz 4: Toronto
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Sei es nun NHL (Eishockey), NBA (Basketball), MLB (Baseball) oder MLS (Fußball). Mit Ausnahme der NFL (American Football) ist die bevölkerungsreichste Stadt Kanadas in allen großen nordamerikanischen Sportligen mit je einem Klub vertreten. Deshalb gilt Toronto aus sportlicher Sicht als die amerikanisierteste Stadt im „wahren Norden“. Die Millionenstadt verzeichnet wie so viele Städte eine steigende Bevölkerungszahl. Parallel dazu entstehen aber nicht genügend neue Wohnungen, sodass die Mieten seit vielen Jahre steigen – das wirkt sich auf die Bewertung der Infrastruktur aus.

Wertung: 97,2 Punkte

Weiterer Druck scheint vorprogrammiert: Das Städteranking prognostiziert der bayrischen Landeshauptstadt bis 2030 einen Bevölkerungszuwachs von rund 130.000 Menschen. Keine andere der 30 größten Städte wird ähnlich stark wachsen, schätzen HWWI und Berenberg.

Die Folge der gestiegenen und wohl weiter steigenden Preise hat die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Studie analysiert: Rund 40 Prozent aller deutschen Haushalte wenden mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für die Miete auf, fast ein Fünftel sogar mehr als 40 Prozent. Zwar sei die hohe Belastung durch die Miete häufig ein Spiegelbild eines niedrigen Einkommens. Doch die hohen Mieten können auch arm machen, warnen die Forscher.

Völpel vom HWWI mahnt, dass die sinkende Erschwinglichkeit schnell zum Standortnachteil werden kann. „Wenn die Städte nicht erkennen, dass sie etwa über die Anbindung der Peripherie ihre Aufnahmefähigkeit erhöhen, kann sich der Trend durchaus wenden.“

Was das heißt, zeige das Beispiel Berlin: Klaus Wowereits Mantra für die Stadt – „Arm aber sexy“ – habe zahlreiche junge Menschen nach Berlin gezogen. Da unter anderem die Wohnkosten gestiegen sind, ist die Stadt im Teilindex Trend auf Platz neun zurückgefallen, hinter Städte wie Kiel, Augsburg und Münster. In kaum einer anderen Stadt wird die Diskussion über Gentrifizierung und Verdrängung heißer geführt als in Berlin. Gleichzeitig drängen Immobilienexperten zu mehr Wohnungsbau.

Verlierer des Städterankings
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