Städteranking
Die Deutschen zieht es in den Osten

Wohnen in den Städten ist teuer. Doch das bricht den Trend vom Zuzug in die Metropolen nicht. Wer sich das Leben in München und Co. nicht leisten kann, sucht sich urbane Alternativen. Viele finden sie offenbar im Osten.
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FrankfurtDass Florian (Name von der Redaktion geändert) mit seinem Umzug einmal zum Trendsetter wird, damit hätte er vermutlich nicht gerechnet. Und doch ist es so gekommen. Vor drei Jahren zog der Endzwanziger nach seinem Studium in Augsburg nach Dresden. München, eine Stadt, für die er insgeheim schon immer schwärmte, wäre zwar schön gewesen. Doch in Dresden hat er Arbeit und bezahlbaren Wohnraum gefunden. Wochenenden verbringt er häufig im Elbsandsteingebirge. Die Lebensqualität stimmt. Für ihn gibt es keinen Grund, hier wegzuziehen.

Genau das macht ihn zum Trendsetter. Denn die Stadt an der Elbe gehört zu den Gewinnern des aktuellen Städterankings, das das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut gemeinsam mit der Privatbank Berenberg erstellt hat. Das Ranking vergleicht die 30 größten Städte Deutschlands. Die Bewertung setzt sich aus drei Teilindizes zusammen, dem Trend-, Demografie- und dem Standortindex. Dabei analysieren die Forscher Faktoren wie das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, die Entwicklung der Erwerbstätigen, die Bildungsabschlüsse, die Anbindung des Nah- und Fernverkehrs sowie natürlich den Bevölkerungszuwachs.

Dabei landet die sächsische Landeshauptstadt auf Rang vier. Von den drei ostdeutschen Städten schneidet Leipzig auf Rang zwei sogar noch besser ab. Das Ranking reiht sich damit ein in eine Vielzahl von Beobachtungen: Die ostdeutschen Metropolen werden immer beliebter.

Die Entwicklung reiht sich ein in den Megatrend der Urbanisierung. Trotz aller Spekulationen, dass die zunehmende Digitalisierung das Landleben wieder attraktiver macht, zeigen die Wanderungsbewegungen ein gänzlich anderes Bild: Die Deutschen zieht es in die Stadt.

Und das hat einen einfachen Grund: Hier finden sie Arbeit. Wenn der Ökonom Adam Smith sein im 18. Jahrhundert verfasstes Standardwerk der Volkswirtschaft „Der Wohlstand der Nationen“ heute schriebe, würde es vermutlich „Der Wohlstand der Städte und Regionen heißen“, mutmaßt Henning Völpel, Professor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). „Städte sind der Wachstumstreiber unserer Volkswirtschaft“.

Nirgendwo macht sich das stärker bemerkbar als in den ostdeutschen Städten Leipzig und Dresden. Denn, so erklärt Völpel, der Zuzug dort geschieht auch auf Kosten des strukturschwachen Umlandes. In anderen Worten: Weil junge Menschen in der Peripherie keine Perspektive mehr haben, zieht es sie in die Städte. Die einen mehr, die anderen weniger freiwillig.

An der Spitze des Rankings steht München vor Leipzig. Frankfurt komplettiert das Treppchen. Damit führt die bayrische Landeshauptstadt zum zweiten Mal in Folge die Liste an. Zuvor war Frankfurt in der seit 2008 eingeführten zweijährigen Untersuchung Seriensieger.

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