Stärkung markteigener Refinanzierungsarten
Studie: Immobilien-Pfandbrief hat Zukunft

Bei der Verbriefung von Immobiliendarlehen müsse der ursprüngliche Kreditgeber künftig stärker in die Verantwortung genommen werden. Das fordern Wissenschaftler der European Business School in Oestrich-Winkel in einer Studie. Die Forscher empfehlen dabei eine Stärkung des bewährten Refinanzierungsinstruments.

BERLIN. "Die Bank muss am Ausfallrisiko teilhaben", sagte Nico Rottke, Leiter des Instituts für Real Estate Management an der EBS bei der Präsentation der vom Institut der deutschen Immobilienwirtschaft beauftragten Studie und empfahl einen Selbstbehalt, "der weh tut".

Anlass für die Untersuchung sind die derzeitigen Finanzierungsschwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt, die nicht allein Käufer neuer Objekte trifft. Vor allem Anschlussfinanzierungen zu vertretbaren Konditionen sind rar gesät - ein Problem, das zu einem Flächenbrand werden könnte, warnt Rottke. Alle Anstrengungen müssten sich daher auf die Wiederbelebung des Refinanzierungsmarktes richten.

Priorität müsse "die Stärkung markteigener Refinanzierungsarten" haben, lautet das Credo der Forscher. Ein falscher Schritt sei es daher, die Laufzeit der durch den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) garantierten Anleihen von drei auf fünf Jahre zu verlängern. Dies nämlich, so die Befürchtung, werde das altbewährte Refinanzierungsinstrument des Pfandbriefes zusätzlich schwächen, der schon jetzt unter der Konkurrenz der Soffin-Anleihen leide. Dabei habe der Pfandbrief "das Potenzial, dem Verbriefungsmarkt aus der Krise zu helfen." Sinnvoll sei es indes, zumindest für die Zeit der Krise die Berichtspflicht von drei auf einen Monat zu reduzieren.

Nach Angaben des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (VDP) beginnt sich sich der Pfandbriefmarkt seit Jahresbeginn wieder zu beleben. Dafür spricht, dass Anfang dieses Monats die LBBW und die Postbank zwei Jumbo-Pfandbriefe, also Pfandbriefe im Umfang von mindestens einer Mrd. Euro, erfolgreich platzieren konnten. "Der Markt hat eingesehen, dass die Sicherungsmechanismen bei Pfandbriefen funktionieren", kommentiert ein VDP-Sprecher.

Ob diese Einsicht trägt, wird sich weisen. Wissenschaftler Rottke glaubt, dass das Vertrauen an den Finanzmärkten erst zurück kehrt, wenn weitere Kontrollmaßnahmen eingeführt sind. Seine Empfehlung: Ratingagenturen stärker durch den Staat kontrollieren und für "Schattenbanken" wie Hedge-Fonds standardisierte Verhaltenskodizes einzuführen.

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