Steigende Nachfrage
London ist die teuerste Bürostadt der Welt

Die Büromieten in London befinden sich auf Rekordkurs. Besonders die besten Lagen des Westends ziehen den Reichtum förmlich an. Vor allen Medienkonzerne wie Apple und Google treiben die Preise nach oben.
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LondonDie Postleitzahl W1 zählt zu den prestigeträchtigsten der Welt. Bereits die Anschrift ist ein Statement: Das Londoner Westend steht für dezenten Reichtum. Wer sich in den schmucken Stadthäuschen aus rotem Ziegelstein in der Curzon Street, der Jermyn Street oder am St. James's Square einmietet, beweist, dass er sich eine Menge leisten kann, aber mit seinem Geld nicht protzen muss.

Der diskrete Charme des Westends sorgt dafür, dass am Londoner Nobelstandort nach der Finanzkrise wieder Rekordmieten gezahlt werden. Eine neue Studie des Maklers Knight Frank zeigt, dass Büros hier inzwischen so teuer sind wie sonst nirgends auf der Welt. Im vergangenen Jahr stiegen die Mieten im Westend um 31 Prozent auf 85 Pfund je Quadratfuß. Damit hat London Tokio als global teuersten Bürostandort wieder überholt.

Nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Krisenjahr 2008 waren die Mieten auch an den Londoner Edelstandorten eingebrochen und hinter das Niveau der japanischen Hauptstadt zurückgefallen. Doch 2010 wendete sich das Blatt erneut. Während an der Themse die Preise anzogen, gingen die Tokioter Mieten auf Talfahrt. Die schwache Konjunktur hatte bereits vor dem verheerenden Erdbeben die Nachfrage nach Büroraum schwinden lassen.

Dagegen beobachten die Experten von Knight Frank, dass die Mieten im Londoner Westend in den ersten vier Monaten dieses Jahres - angetrieben von zusätzlicher Nachfrage durch Medienfirmen wie Apple, Google und NBC - noch einmal deutlich auf 90 Pfund angezogen haben. Ein Ende der Rally ist nicht abzusehen. Neil Turner vom Vermögensverwalter Schroders prognostiziert bis 2014 einen Anstieg der Büromieten in den besten Londoner Lagen um 25 bis 30 Prozent. Ende 2011 oder Anfang 2012 werde sich der Aufschwung in Stadtteilen wie Mayfair oder St. James weiter beschleunigen und die Leerstandsquote deutlich unter die langfristige Gleichgewichtsmarke von 6,5 bis sieben Prozent sinken.

Neben der steigenden Nachfrage sorge auch das knappe Angebot für weiter steigende Mieten. Während im Finanzviertel in der Londoner City derzeit gleich mehrere neue Wolkenkratzer entstehen, die nach der Fertigstellung im Jahr 2014 knapp 56000 Quadratmeter zusätzlichen Büroraum bieten werden, gibt es im historischen Londoner Westend kaum freie Flächen für Neubauten. Mit 55 Pfund pro Quadratfuß hinken die Mieten in der Londoner City dem Westend deshalb deutlich hinterher. Auf der weltweiten Rangliste der teuersten Bürostandorte von Knight Frank belegt das Finanzzentrum der britischen Hauptstadt 2010 daher nur den siebten Platz.


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