Steigende Zinsen verschärfen die Lage
Britischer Baumarkt kühlt ab

Die Briten blicken mit Sorge auf die Immobilienkrise in den USA. Denn auch auf der Insel sind die Hauspreise seit mehr als einem Jahrzehnt kräftig gestiegen und die Konditionen für Hypothekenkredite laxer geworden. Schon jetzt geraten immer mehr Hausbesitzer mit der Rückzahlung in Verzug. Dabei wird eine Serie von Leitzinserhöhungen die Lage noch verschärfen.

LONDON. Doch die Fundamente des Immobilienbooms stehen, sagen Ökonomen. Auch wenn einige Institute litten, sei in Großbritannien keine Pleitewelle unter Hypothekenbanken wie in den USA zu erwarten.

Um 156 Prozent sind die Häuserpreise in Großbritannien seit dem Amtsantritt der Labour-Regierung vor zehn Jahren gestiegen. Das hat die National Housing Federation errechnet, der Zusammenschluss der Wohnungsbaugesellschaften. Das Durchschnittseinkommen der Briten stieg in der gleichen Zeit um 35 Prozent. Doch diese krasse Diskrepanz hat sie nicht davon abgehalten, weiter Häuser zu kaufen.

Folgerichtig schnellte die Verschuldung in die Höhe. Entsprach die private Schuldenlast vor zehn Jahren noch gut der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts, so hat sie 2006 nach Angaben der Bank von England mit umgerechnet 1,35 Bill. Pfund (zwei Bill. Euro) erstmals das Bruttoinlandsprodukt überstiegen. Nach Zahlen der Hypothekenbanken-Organisation Council of Mortgage Lenders (CML) addieren sich die 11,7 Mill. Hypothekenverträge der Briten auf eine Kreditsumme von 1,1 Bill. Pfund.

In der langen Phase relativ niedriger Zinsen verursachte das kaum Probleme, doch wachsender Inflationsdruck hat die Bank von England zu einer Serie von Leitzinserhöhungen veranlasst, die nach Einschätzung vieler Volkswirte noch nicht zu Ende ist. Das macht sich bereits in den Statistiken bemerkbar: Zwar hat sich das Neugeschäft mit Hypothekenkrediten laut CML seit 1998 vervierfacht und wird 2007 einen Rekord von 360 Mrd. Pfund erreichen, aber das ist im wesentlichen auf Kunden zurückzuführen, die ihre Hypotheken rasch erneuern, weil sie weitere Leitzinserhöhungen befürchten. Zugleich steigt der Anteil der Kunden, die in Zahlungsverzug geraten oder sogar ihr Haus aufgeben müssen.

Historisch sei dieser Anteil mit gut einem Prozent der Verträge aber immer noch niedrig, beruhigt Michael Saunders, Chefvolkswirt der Citigroup für Großbritannien. Eine Immobilienkrise wie in den USA sei nicht zu befürchten. Dafür spreche, dass es in Großbritannien weder ein vergleichbares Subprime-Segment noch einen Angebotsüberhang auf dem Häusermarkt gebe. Im Gegenteil werden hier Jahr für Jahr weniger Wohnungen gebaut als nachgefragt werden. Das stütze die Hauspreise.

Seite 1:

Britischer Baumarkt kühlt ab

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%