Streit hat im Sommer Hochkonjunktur
Immer Ärger mit der Hausbegrünung

Grün beruhigt, sagt man. Kletterpflanzen wie Efeu oder wilder Wein begrünen ganze Wände – müssten also eigentlich eine stark entspannende Wirkung entfalten. Zwischen den Besitzern von Eigentumswohnungen und zwischen Mietern und Vermietern scheint die grüne Mauerflora aber genau das Gegenteil zu bewirken.

HB/wf DÜSSELDORF. Besonders im Hochsommer, wenn die Ranken so schnell sprießen, dass man ihnen beim Wachsen zusehen kann, spalten sie ehedem beschauliche Hausgemeinschaften in zwei feindselige Lager. Nicht selten treffen sich Efeu-Fans und Efeu-Hasser vor Gericht wieder.

Bei Eigentümerversammlungen geht es zumeist um die Frage, mit welcher Mehrheit Beschlüsse über die flink wachsende Wandbegrünung getroffen werden dürfen. Die Rechtsprechung differenziert nach der Intensität, mit der es dem Hausschmuck an den Kragen gehen soll. Streiten sich die Besitzer der Wohnungen lediglich um Details der Pflege, so reicht ein Mehrheitsbeschluss aus. Entscheidet etwa eine Mehrheit der Eigentümer, das Weinlaub solle „auf Leiterhöhe“ zurück geschnitten werden, so kann dies die Minderheit nicht beanstanden. Im Zwiespalt zwischen opulenterer Optik und geringeren Unterhaltungskosten billigt etwa das Oberlandesgericht Saarbrücken den Eigentümerversammlungen ein „Beurteilungsermessen“ zu.

Anders verhält es sich, wenn die Anti-Flora-Fraktion zu radikalen Maßnahmen greifen möchte: Soll eine natürliche Wandbegrünung mit Stumpf und Stiel ausgerissen werden, ist im Regelfall eine Zustimmung aller Eigentümer notwendig. Begründung: Ist eine Fassade komplett mit wildem Wein bewachsen, würde dessen radikale Entfernung „die Ästhetik nachhaltig verändern“. Eine solcher Facelift hält sich nach Ansicht der Richter nicht mehr im Rahmen einer ordnungsgemäßen Instandhaltung, die mit Mehrheitsbeschluss entschieden werden könnte; wird eine ganze Hauswand entblättert, liege vielmehr eine „bauliche Veränderung“ vor – und diese erfordert nach Meinung des Oberlandesgerichts Düsseldorf Einstimmigkeit.

Kletterpflanzen können sich aber nicht nur zwischen den Eigentümern ein und derselben Wohnanlage als Spaltpilze erweisen. Auch zwischen zwei neben einander liegenden Eigentumsobjekten kann es zu Efeu-bedingten Verstimmungen kommen. Beispiel: In den achtziger Jahren pflanzten Hauseigentümer Efeuranken. Das Gewächs gedieh prächtig und bedeckte schnell auch die Fassade des angrenzenden Anwesens. Nach einigen Jahren waren die Initiatoren das Grün leid und rissen die Pflanze aus. Dass nunmehr auch der Wandschmuck am Nachbarhaus verwelkte, scherte die Efeu-Killer wenig – sie weigerten sich die verdörrten Reste am daneben liegenden Gebäude zu entfernen.

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