Streit um Mängel
Schwarzer-Peter-Spiel auf dem Bau

Streit mit Bauträgern und Handwerkern gehört zum Bauen anscheinend dazu. Viel Ärger lässt sich mit detaillierten Verträgen und rechtzeitigen Kontrollen vermeiden.
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"Ich habe jetzt mein drittes Haus gebaut, und es ist das erste ohne Mängel", jubelt Franz Biedermann. Das sagt ein Profi, ein kampferprobter Bausachverständiger aus Feldafing. Es gibt einfach zu viele Gewerke, Beteiligte und Überraschungen am Bau, als dass sich irgendeine Reißbrettplanung ohne Schwierigkeiten realisieren ließe.

Und wehe es gibt das klassische Problem Grundwasser. Bernd Kordfunke hat in Brüggen, nahe der holländischen Grenze, sein erstes Haus gebaut. Es wird ihn noch die nächsten fünf oder mehr Jahre juristisch beschäftigen. Sein Architekt hatte das Okay gegeben, auf dem Grundstück mit der schönen, auf ein Flüsschen verweisenden Adresse "An den Schwalmauen" ein vorgeziegeltes Haus hochzuziehen.

Kaum war die erste Erde abgetragen, konnte Kordfunkes Sohn darauf Papierbötchen fahren lassen. Alles kein Problem, versicherte der Architekt. Er nahm die Bodenplatte 30 Zentimeter unter der Geländeoberkante des leicht ansteigenden Grundstücks ab. "Vermutlich um seinen Planungsfehler zu vertuschen", glaubt Kordfunke. Die Bodenplatte hätte dicker und in einer wasserdichten, weißen Wanne sein müssen.

Das Ergebnis der fachmännischen Fehlplanung: Das Haus ist so feucht und hat dermaßen viele vom Sachverständigen attestierte Mängel, dass es eventuell abgerissen werden muss. Streitwert mindestens 300 000 Euro; Strategie des Architekten: Er wusste von nichts und war auch nicht zuständig. "Die wollen mich mürbe machen", glaubt Kordfunke. Dumm nur, dass der Bauherr Fotos hat, auf denen der Baumeister an Ort und Stelle werkelt.

Bauherren sollten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Zum Beispiel beim Architekten, übrigens keine geschützte Berufsbezeichnung. Ist er wenigstens in der Architektenkammer vertreten? Honorar bekommt er für jeden Arbeitsschritt: mal eben eine schnelle Skizze als Vorschlag – auch das kostet. Der Architekt kann nur die Entwürfe machen oder den Bau bis zur Abnahme verantwortlich begleiten. Sinnvoll ist es, sich seine Referenzobjekte anzuschauen – und mit den Bewohnern zu reden. Für die Verträge mit ihm gilt, was für alle Bauverträge gilt: sorgfältig gegenchecken. Dazu später mehr.

Wer schlüsselfertig baut, kann es mit drei verschiedenen Partnern zu tun bekommen. Der Bauträger erstellt auf seine Kosten die Immobilie und verkauft sie; der Generalübernehmer verkauft die schlüsselfertige Bauleistung, ohne Gewerke selbst auszuführen, sondern beauftragt Subunternehmer; der Generalunternehmer bietet Schlüsselfertiges an und baut zum Teil selbst.

» Beispiel Bauträger
Das Modell ist beliebt, birgt aber Tücken.

» Vorsicht bei Verträgen
Selbst vor dem Notar ist der Häuslebauer nicht sicher.

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Für sie gelten bei Vertragsabschluss andere Regeln als beim regulären Kauf.

» Der Vertrag entscheidet
Ob schlüsselfertig oder per Architekt: Aufs Kleingedruckte kommt es an.

» Bauabnahme – die entscheidende Hürde
Nun tickt die Uhr – für die Zahlungsforderung und die Gewährleistung.

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