Streit verzögert Rettung
Japanischer Immobilientrust New City in Schwierigkeiten

Der Rettungsplan für den gescheiterten japanischen Immobilieninvestor New City steht auf der Kippe. Die Hauptkreditgeber des Tokioter Real Estate Investment Trusts haben einen Einstieg der US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star abgelehnt, wie New City in Tokio mitteilte. Jetzt droht Streit zwischen den Trust-Managern und den Finanziers des Fonds, vor allem japanischen Banken.

TOKIO. Die Banken hätten gerne Daiwa House Industry als einheimischen Retter reingeholt, während New City selbst die Amerikaner als Investoren bevorzugt. Durch den Streit des Managements mit den Kreditgebern verzögert sich die überfällige Sanierung des Real Estate Investment Trusts (REIT) vermutlich um Monate.

Japans REITs mussten während der Finanzkrise hohe Mittelabflüsse bei gleichzeitigem Wertverlust ihrer Anlageobjekte hinnehmen. Doch trotz der schweren Lage musste einzig New City Insolvenz anmelden. Das Schlimmste scheint überstanden zu sein. Die REITS können sich nach eigenen Angaben wieder problemlos finanzieren. Japan Rental Housing Investment beispielsweise hat von der Bankengruppe Tokyo-Mitsubishi UFJ und anderen Instituten Kredite von 30 Mrd. Yen (230 Mio. Euro) zu Zinssätzen zwischen 1,57 Prozent und 1,82 Prozent erhalten. Dem CB Richard Ellis Research Institute zufolge nimmt der Leerstand von Tokioter Büros zudem schon wieder deutlich ab. Auch der REIT-Index der Börse Tokio ist wieder kräftig gestiegen.

New City hatte bereits im Oktober 2008 Insolvenz angemeldet. Der REIT besitzt 105 Appartementhäuse im Großraum Tokio. Für die Investoren war die Aktie ein Totalausfall – sie wurde inzwischen aus dem Handel genommen. Den Banken schuldet die New City Residence Investment Corp. noch 750 Mio. Euro. Diese Gläubiger waren es, die den Einstieg von Lone Star zunächst scheitern ließen. Der US-Investor hatte dem Vernehmen nach eine knappe Mrd. Euro für die Übernahme des REIT und damit auch seines Immobilienbesitzes geboten.

Die Daiwa-Finanzgruppe wollte New City dagegen durch Fusion mit einem eigenen REIT wiederbeleben. Daiwa als zweitgrößtes japanisches Anlagehaus ist in der Tokioter Finanzwelt bestens vernetzt. „Die Gläubiger hoffen zudem, einen größeren Teil der ausstehenden Beträge unter Daiwa retten zu können“, sagt Analyst Hideyuki Shinkai von Norinchukin Trust & Banking. Es stehe die Befürchtung im Raum, dass Lone Star schnell mit dem Immobilien Kasse machen wolle.

Jetzt drängt das Management von New City offenbar Lone Star, den Banken höhere Zinsen bei der Rückzahlung der ausstehenden Kredite zu zahlen. Das nächste Treffen der Gläubigerrunde mit den Bietern für die Wiederbelebung von New City ist für September vorgesehen. Der REIT bevorzugt Lone Star, weil die Amerikaner aus ihrer Sicht die besten Konditionen – also kurzfristig den höchsten Preis – geboten haben. Der Plan ist, New City eines Tages wieder an die Börse zu bringen. Bis dahin könnten jedoch noch Jahre vergehen, wie aus Papieren vor Gericht vorgeht.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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