Streit
Wie Eigentümer die Gerichte lahm legen

Tiere im Haus, Loggia-Umbau, neue Sauna im Keller: Es gibt kaum ein Thema, über das sich Eigentümer nicht so zerstreiten, dass sie sich vor Gericht wieder sehen.

Wasser

Aus einer defekten Waschmaschine sprudelte Wasser und drang in die Wohnung darunter. Deren Eigentümerin forderte die Waschmaschinenbesitzerin auf, ihr die Sanierung sowie eine auswärtige Unterkunft zu bezahlen. Wegen Schimmels sei es unzumutbar, in der Wohnung zu bleiben. Doch der Bundesgerichtshof rügte: Miteigentümer müssten Rücksicht aufeinander nehmen und dürften sich nicht bei der erstbesten Gelegenheit verklagen (V ZR 62/06). Die Geschädigte solle sich doch bitte an die Gebäudeversicherung halten.

Sauna

Eine neue Sauna im Keller erhitzte die Gemüter in einer hessischen Eigentümergemeinschaft. Einige Miteigentümer klagten über Krach und Ausdünstungen. Während eines Ortstermins konnten die Richter allerdings keine Lärmbelästigung feststellen. Die Robenträger entschieden deshalb: Wenn der Saunafreund einen Ventilator einbaue, um die Nasen seiner empfindlichen Nachbarn zu schonen, sei die Sauna in Ordnung (Oberlandesgericht Frankfurt, 20 W 378/03).

Loggia

Ein Niedersachse wollte die Loggia seiner Wohnung umgestalten und bat für diese "bauliche Veränderung" per Rundschreiben um Zustimmung der Miteigentümer. Zunächst stimmten alle zu, doch nach fünf Monaten widerrief ein Nachbar plötzlich sein Jawort. Laut Oberlandesgericht Celle durfte er das auch (4 W 82/06). Ein Widerruf sei möglich, solange nicht alle Eigentümer vom Umfrageergebnis informiert seien, entschieden die Richter. Zudem sei nicht klar gewesen, ob der Mann mit der Bitte um ein "Votum" eine verbindliche Abstimmung bezweckte oder nur ein Stimmungsbild einholen wollte.

Lift

Einige Mitglieder einer Münchner Eigentümergemeinschaft fürchteten wegen eines Treppenlifts um ihre Sicherheit. Der Durchgang auf der Treppe werde dadurch weniger als einen Meter schmal. Die Richter zeigten sich unbeeindruckt. Ein hinabsteigender Gehbehinderter sei doch ein viel größeres Hindernis als ein fahrender Treppenlift (Oberlandesgericht München, 32 Wx 51/05).

Dobermann

Ein Ehepaar aus dem Saarland legte sich einen Dobermann zu, doch der große Hund störte die anderen Mitglieder der Gemeinschaft. Sie beschlossen kurzerhand, die Hausordnung zu ändern und künftig die Haltung von Haustieren generell zu verbieten. Ferner verlangten sie von dem Ehepaar, den Hund unverzüglich auf die Straße zu setzen. Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgericht Saarbrücken (5 W 154/06). Die Nachbarn der Hundeliebhaber hätten nicht belegt, dass von dem Dobermann eine Gefahr für die übrigen Bewohner ausgehe. Zudem sei ein pauschales Verbot jeglicher Haustiere unzulässig.

Zoo

Ein Wohnungseigentümer aus Baden-Württemberg, der 30 Giftschlangen, vier Chamäleons, zwei Kragenechsen und sechs Pfeilgiftfrösche hielt, musste dagegen auf seine animalischen Freunde verzichten (Oberlandesgericht Karlsruhe, 14 Wx 51/03). Zu viel des Guten.

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