Subprime-Krise weitet sich aus
Die gestörte Idylle

Die Folgen der Immobilienkrise haben jetzt auch die reichen Landesteile der USA erreicht: So zum Beispiel Thousand Oaks in Südkalifornien. Der Abschwung der Preise hat hier gerade erst begonnen - und eine Besserung ist nicht in Sicht.

LOS ANGELES. Robert Merritt staunte nicht schlecht, als er die Tür öffnete. Der Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Thousand Oaks hielt ihm ein Schild entgegen - sein Schild. Damit wollte er für das Wochenende zu einem "Open House" einladen. Doch die Stadt hat es wieder abgebaut. Es verschandele das Straßenbild der kalifornischen Kleinstadt, private Schilder seien außerdem gar nicht erlaubt.

Tage der Offenen Tür sind bei Maklern und Privatverkäufern sehr beliebt. In den Boomzeiten ließen sich ohne großen Aufwand Käufermassen durch die Häuser schleusen, und der Gierigste bekam am Ausgang direkt den Vertrag unter die Nase gehalten. Heute, im Subprime-Tal der Tränen, ist es eine Methode für Hausbesitzer, vielleicht die hohen Maklergebühren zu sparen, die einen Käufer abschrecken könnten. Papa führt durchs Haus, Mama macht den Nudelsalat und stellt die Limonade auf die Terrasse.

Seit eineinhalb Jahren versucht Merritt alles, um sein Haus am Otono Circle zu verkaufen. Und nun bringt ihm die Stadt seine Schilder zurück. Auf der Ladefläche des städtischen Pick-up-Trucks glänzen noch mehr abgeholzte Schilder in der Sonne.

"Wir wollen niemandem das Leben schwer machen", beteuert ein Sprecher der Stadtverwaltung in der lokalen Tageszeitung "Venturacounty Star". Es würden nur die bestehenden Regeln auf öffentlichem Straßenraum durchgesetzt. Merritt schüttelt den Kopf: "Makler machen das seit zig Jahren. Und was ist mit mir? Das ist wirklich eine schlimme Zeit, um solche Vorschriften auf einmal durchzusetzen." Auch die Makler wurden angeschrieben und auf die Gesetzeslage hingewiesen, entgegnet der Sprecher.

Robert Merritt hat vielleicht nur Pech gehabt. Thousand Oaks ist nicht irgend eine Kleinstadt. Gelegen im malerischen Ventura County in Südkalifornien mit viel Natur ist es der Prototyp der geplanten Idylle. In den 60er Jahren auf dem Reißbrett entstanden, ist hier heute alles schön, gemütlich, ruhig, weiß und vor allem eines: extrem teuer. Der Mittelwert der auf dem Internet-Portal Yahoo Real Estate zum Verkauf angebotenen Häuser zeigt stolze 650 000 Dollar.



Das ist selbst für das reiche Kalifornien viel. Das Familiendurchschnittseinkommen in "T.O.", wie die Bewohner den Landstrich liebevoll nennen, liegt bei knapp 100 000 Dollar. Die Steuern fließen; Arbeitgeber wie Amgen (Biotech) oder Rockwell (Luftfahrt, Rüstung) bieten High-Tech-Arbeitsplätze. Der Stadthaushalt ist chronisch ausgeglichen, T.O. eine der Städte mit dem geringsten Kriminalitätsrisiko in den USA - und das 30 Autominuten entfernt vom berüchtigten Downtown Los Angeles, wo man sich nach Sonnenuntergang nur per Auto bewegt.



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