Suche nach Investoren
Bremsspuren in der Hamburger Hafencity

Hamburg hat kein Geld. Die Folgen der Wirtschaftskrise sind auch beim Renommierprojekt der Hansestadt spürbar. Erste Projekte der Hamburger Hafencity werden verschoben und die Vermarktung der Büros im Überseequartier läuft schleppend.

HAMBURG. Auf der größten innerstädtischen Baustelle Europas, der 155 Hektar großen Hamburger Hafencity, herrscht trotz Wirtschaftskrise Hochbetrieb. Jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten fallen Baulücken ins Auge, vor allem im östlichen Teil des Geländes, dem Überseequartier. Der Investor eines geplanten Boardinghauses hat sein Vorhaben erst jüngst zurückgezogen. Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der Entwicklungsgesellschaft Hafencity Hamburg, muss auf die Suche nach einem neuen Interessenten gehen. Der soll erlaubt werden, hier statt dessen ein Hotel zu bauen.

Schräg gegenüber sollte eigentlich das neue Kreuzfahrtterminal „Cruise Center“ und ein weiteres Hotel stehen, jetzt redet man von 2011. Auch der Betreiber der geplanten Nobelherberge ist noch nicht in Sicht. Ob schließlich das vollmundig angekündigte „Science Center“ östlich des Kreuzfahrtterminals jemals gebaut wird, steht in den Sternen.

Hamburg hat kein Geld, Investoren werden gesucht. Und auch die Vermarktung der Büros im Überseequartier läuft schleppend. Gut möglich, dass die Stadt einspringt und 50 000 Quadratmeter (qm) selbst anmietet. Trotz allem, Bruns-Berentelg bleibt optimistisch: „Die Hafencity hat ihre nötige Größe und Qualität erreicht, um als Stadtteil auch bei einzelnen Investitionsausfällen funktionieren zu können.“ Alle Projekte seien bis zum letzten Pinselstrich solide geplant und finanziert. Das gelte auch für acht Hektar große Überseequartier.

Dies nämlich wurde – anders als die westliche Bereiche am Sandtorkai und Grasbrook – einem einzigen Entwickler übergeben, dem niederländisch-deutschen Konsortium aus ING Real Estate, SNS Property Finance und Groß + Partner. „Während wir ansonsten überwiegend Projekte bis 50 Millionen Euro Volumen ausgeschrieben haben, beläuft sich das Volumen des Überseequartiers inzwischen auf rund eine Milliarde Euro“, sagt Bruns-Berentelg. Grund für den Sonderstatus: Hotels, Wohnungen, Büros und Geschäfte sind gleichmäßig über das Überseequartier verteilt. Bruns-Berentelg: „Wir sind aber im Zeitplan, trotz Finanzkrise.

Etwa die Hälfte des Masterplanvolumens ist realisiert oder befindet sich im Bau.“ Das verdanke man auch der in Hamburg praktizierten „Anhandgabe“ von Grundstücken. Dabei überlässt die Stadt einem Investor für ein Jahr ein Grundstück, ohne dass er dieses sofort kaufen muss. Das sei gerade in der augenblicklichen Krise wichtig, in der die Geldinstitute zugenähte Taschen hätten.

Das beobachtet auch Michael Krog, ein mittelständischer Projektentwickler, der bereits vor zehn Jahren sein erstes Bürogebäude großen Büros in der Hafencity baute. „Bei Wohnbauvorhaben will meine Bank heute 20 bis 30 Prozent Eigenkapital und die Vorverkaufsquote sollte bei 50 Prozent liegen. Vor zehn Jahren wurden nur 15 bis 20 Prozent Eigenkapital verlangt und teilweise gar keine Vorverkaufsquote“, berichtet der Hamburger Unternehmer. Das aktuelle Projekt seiner Firma DS-Bauconcept, der Wohnblock „Hofquartier“ am Sandtorpark mit rund 5 000 qm Nutzfläche, ist davon nicht betroffen. Die kleineren Wohnungen sind alle schon weg – trotz Krise.

Gut 3 800 Euro kostet der Quadratmeter Wohnfläche. Das sei für die Hafencity günstig, sagt Krog und ergänzt: „1,5-Zimmer-Wohnungen gehen am besten.“ Das sieht Philip Bonhoeffer von Engel & Völkers ähnlich: Die Nachfrage nach kleineren Wohnungen sei größer als die nach Luxus-Behausungen.

Die gibt es weiter vorn, im Marco Polo Tower, mit direktem Blick auf Elbe und Hafenkräne. In dem neuen Luxusprojekt der Essener Hochtief Projektentwicklung (HTP) liegen die Quadratmeterpreise zwischen 9 000 und 11 000 Euro – nur für den „veredelten“ Rohbau. Den Ausbau übernehmen die Käufer selbst. Der architektonisch spektakuläre Wohnturm wird noch in diesem Jahr fertig, verkauft sind bislang 40 Prozent der Nobel-Appartements.

Superlative

Das Ziel
Die Hafencity wird die Innenstadt Hamburgs um 40 Prozent vergrößern. Bis zu zwei Mio. Quadratmeter Fläche werden gebaut, es entstehen 5 500 Wohnungen für 12 000 Einwohner, Büroflächen für mehr als 40 000 Arbeitnehmer, außerdem Gastronomie, Einzelhandelsflächen, Einrichtungen für Kultur- und Freizeit, Parks und Promenaden.

Die nächsten Hürden
Die Fertigstellung einiger Großprojekte sich verzögern – auch eine Folge der Kreditkrise. Das gilt für die Elbphilharmonie, die nun erst 2011 statt 2010 fertig sein soll, die U-Bahn (2012), und das Überseequartier (2012). In der Schwebe sind die Projekte Science Center (Baustart 2012), das Kreuzfahrtterminal mit Hotel (2011) und die Hafencity Universität (2009).

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