Teuerungsrate bleibt weiter niedrig
In Deutschland ist Wohnen preiswert

In Europa wird Baugeld teurer – ein schlechtes Zeichen, vor allem für die überhitzten Immobilienmärkte in Spanien und Großbritannien. Sollten die Zinsen in den nächsten Monaten stark steigen, fürchten Volkswirte, dass die dort durch Spekulanten aufgepumpte Wohnimmobilienblase platzen könnte.

PARIS/LONDON/MADRID/DÜSSELDORF. Das Szenario ist bekannt, doch weder in Frankreich noch in Deutschland muss man Angst davor haben. Denn hier zu Lande stagnierten die Preise in den vergangenen zehn Jahren nahezu, während sie sich in Spanien und Großbritannien verdreifachten.

Steigen die Zinsen schnell, reicht das Einkommen der Wohneigentümer womöglich nicht mehr aus, um Zins und Tilgung zu bedienen. Diese Gefahr besteht vor allem in Ländern wie Spanien und Großbritannien, wo – auch anders als in Deutschland – typischerweise variabel verzinste oder Baudarlehen mit kurzer Zinsbindung vergeben werden. Die Folge wären Notverkäufe, die die Preise in den Keller treiben und den Wert beliehener Objekte gleich mit: Die Blase platzt.

In Großbritannien hat der zehnjährige Immobilienboom Tausende Briten zu Immobilienhändlern oder Vermietern gemacht. Amtlichen Statistiken zufolge trug der Sektor zwischen 1992 und 2004 stärker zum Wirtschaftswachstum bei als jede andere Branche. Allein im ersten Halbjahr nahmen Immobilienkäufer die Rekordsumme von umgerechnet 26 Mrd. Euro auf, um Häuser zum Vermieten zu erwerben. Die Finanzaufsicht fürchtet bereits, dass viele Hypothekenbanken ihnen zu sorglos Geld verliehen haben. Hinzu kommt, dass auch britische Privatleute die in den Jahren niedriger Zinsen gestiegenen Marktwerte ihrer Häuser nutzen, um höhere Hypotheken aufzunehmen. Und dies nicht allein, um ihre Häuser zu modernisieren oder zu erweitern. Vielfach sei das Geld in den Konsum geflossen, fürchtet Volker Rußig, Wohnungsexperte im Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung.

Tobias Just, Immobilienexperte im Research-Team der Deutschen Bank, vertraut dennoch darauf, dass das restriktive Baurecht in Großbritannien Wohnraum knapp hält und so einem schnellen Preisverfall vorbeugt. Deshalb ist er überzeugt: „Kleine Zinsschritte allein reichen in Großbritannien und Spanien nicht aus, um die Blase zum Platzen zu bringen.“

In Spanien droht die größte Gefahr von anderer Seite: „In Spanien ist nicht so sehr die Zinslast das Problem, sondern vielmehr das wachsende Wohnungsangebot“, sagt Just. In Spanien würden jährlich 600 000 Wohneinheiten errichtet – doppelt so viel wie in Deutschland für halb so viele Einwohner. Bisher hat die Kaufwut die Wohnungspreise hoch gehalten. Allein seit 1998 sind sie um 150 Prozent gestiegen – so stark wie in keinem anderen europäischen Land. 30 Prozent dieser Wertsteigerung sei pure Spekulation, schätzt die spanische Notenbank. Mit daran beteiligt sind Kriminelle: „Geldwäsche spielt bei dem Boom auf dem Wohnungsmarkt eine enorme Rolle“, sagt Ricardo Arranz de Miguel, Präsident der Vereinigung der andalusischen Stadtentwickler.

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