Thyssen-Krupp-Zentrale
Das Dreischeibenhaus war seiner Zeit voraus

Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz will den traditionsreichen Firmensitz des Unternehmens im so genannten „Dreischeibenhaus“ aufgeben und mit seinen 800 Mitarbeitern nach Essen und Duisburg ziehen will. Das „Dreischeibenhaus“ soll verkauft werden.

DUISBURG. Die Düsseldorfer sind sauer. Sie nehmen es Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz übel, dass er den traditionsreichen Firmensitz des Unternehmens im so genannten „Dreischeibenhaus“ aufgeben und mit seinen 800 Mitarbeitern nach Essen und Duisburg ziehen will. „ThyssenKrupp kehrt Düsseldorf den Rücken“, titelte eine große Tageszeitung. Solche Zeilen tun dem Image der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt und ihrem Oberbürgermeister Joachim Erwin besonders weh. Doch was passiert dann mit dem alten Gebäude?

„Das wird verkauft“, sagt ein Konzernsprecher dem Handelsblatt. So kurz und bündig kann das rasche Ende einer großen Karriere klingen. Die markante Firmenzentrale der Phönix-Rhein-Rohr-AG – später Thyssen AG und heute ThyssenKrupp AG – war zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung 1960 nicht nur das höchste Düsseldorfer Bauwerk, sondern es gab auch dem weltweiten Erfolg des Stahlproduzenten Thyssen und der deutschen Wirtschaftswunderzeit ein Gesicht aus Beton, Stahl und Glas. „Es erfüllte einen schon mit Stolz, in dem Gebäude zu arbeiten, weil es für damalige Verhältnisse elegant und gleichzeitig ultramodern war“, erinnert sich die ehemalige Thyssen-Beschäftigte Gisela Winter. 1964 zog sie mit der Thyssen-Abteilung Marketing aus dem Sparkassenhaus an der Berliner Allee in den 33 700 Quadratmeter großen Neubau um. „Im 23. Stock gab es ein Restaurant, in dem man bei Wind das Wanken des Turms spüren konnte“, sagt sie. Insgesamt 26 Stockwerke und 95 Meter Höhe misst der schwerelos wirkende Stahl-Glas-Komplex, der seinen Namen der ungewöhnlichen Bauweise verdankt: Die Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg gliederten den Baukörper in drei gegeneinander versetzte Scheiben, von denen die mittlere die beiden äußeren um drei Geschosse überragt. Sie macht zudem den zentralen Festpunkt aus. „Diese Anordnung ermöglichte es, die verhältnismäßig kurzen Flure und Treppen direkt zu belichten“, sagt Anja Radojewski, Pressesprecherin der HPP Hentrich-Petschnigg & Partner KG in Düsseldorf.

Viel Tageslicht, eine Raum sparende Erschließung sowie vier hochmoderne Aufzuganlagen sind nach Einschätzung lokaler Büromakler wichtige Pluspunkte, die für eine erfolgreiche Vermarktung des verhältnismäßig alten Gebäudes sprechen. „An Kaufinteressenten wird es kaum mangeln“, sagt Renate Kölbel, Geschäftsführerin des lokalen Maklers Trombello Kölbel Immobilienconsulting GmbH. Die Lage direkt am Hofgarten sei nicht duplizierbar. Werde zudem das Stadtumbauprojekt „Kö-Bogen“ realisiert, das unter anderem den Abriss der angrenzenden Hochstraße vorsieht, würde die ohnehin hervorragende Lage des stadtbekannten Gebäudes zusätzlich aufgewertet. „Wer jetzt kauft, hätte ja mindestens bis Ende 2008 auch noch Mieter, nämlich ThyssenKrupp“, sagt Kölbel weiter. Und bis dahin sei genug Zeit, um für das Gebäude neue Nutzer zu finden. „Qualität und Lage stimmen einfach“, sagt sie.

Gut in Schuss ist das unter Denkmalschutz stehende Dreischeibenhaus zudem. 1994 wurde es gründlich saniert, zum fünf- bis sechsfachen Preis der ursprünglichen Baukosten. Die betrugen damals rund 30 Mill. DM. Außen blieb das Gebäude unverändert, obwohl mit Ausnahme der Aufzugschächte und der tragenden Stahlkonstruktion alles erneuert wurde. So ist dank Einrichtung von Hohlraumböden die Datenübertragung auf neuestem Stand. Die Klimatechnik befindet sich seitdem zentral im 22. Stock. Außerdem bot die Verjüngungskur eine gute Gelegenheit, teilweise unschöne oder nicht im Sinne des Denkmalschutzes erfolgte Umbauten wieder rückgängig zu machen. Dazu gehört unter anderem das Verlängern der Fassade bis zum Boden. Auch an der Glas-Fassade selbst ließ Thyssen-Krupp einiges verbessern. In früheren Jahrzehnten mussten infolge der Windbelastung bis zu hundert Fensterscheiben im Jahr erneuert werden. Seit dem Umbau waren es nur fünf.

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