Tipps für Häuslebauer
So wehren Sie sich gegen Pfusch am Bau

Mängel am Neubau können immer passieren. Einmal geschehen, können sie nicht nur stressig, sondern vor allem teuer werden. Wie Sie als Bauherr und Hauseigentümer Schäden richtig reklamieren – und teure Fehler vermeiden.
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StuttgartRisse in Mauerwerk oder Putz, feuchte Fensterlaibungen, undichte Dampfsperren. Das sind die häufigsten Baumängel, stellt der Verein zur Qualitätskontrolle am Bau fest. Die nächsten Plätze auf der Liste der zehn häufigsten Mängel belegen falsch montierte Bodeneinschubtreppen, nicht entlüftete Spitzböden, undichte Keller, Risse im Holz, eine falsch entwässerte Kelleraußentreppe, Fehler im Estrich oder undichte Lüftungen.

"Trotzdem ist in Deutschland mangelfreie Arbeit die Regel", beruhigt Heike Rath, Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Baurecht. "Viele Bauten werden heute aber zu schnell hochgezogen." Wenn Mauerwerk keine Zeit zum Austrocknen hat, führt die Restfeuchte häufig zu Problemen.

Mangelhafte Ausführung stellten die Sachverständigen des Verbands privater Bauherren vor allem bei Außenwänden und Kellern fest. Das sind Schäden, die sich später nur schwer reparieren lassen. Die können im Einzelfall besonders teuer werden - für Bauherren und Bauhandwerker. Der Bauherren-Schutzbund errechnete, dass in zehn Prozent aller Schadensfälle Kosten von mehr als 50 000 Euro entstehen.

Schnell und richtig reklamieren senkt die Kosten und reduziert den Ärger auf beiden Seiten.

Auftrag zählt

Wenn das fertige Bad furchtbar aussieht, kann das am Geschmack des Bauherren liegen oder am Fliesenleger, der die falschen Platten, Waschbecken und Kräne bestellte. Auch für Ecken oder Schrägen in engen Räumen gibt es Gestaltungsmöglichkeiten, die nicht jedem gefallen. Aber nur Abweichungen von der bestellten Leistung sind ein Mangel. Fazit: Montierte der Installateur das falsche Waschbecken, muss er nachbessern. Er muss dann die nicht vereinbarte Waschschüssel wieder entfernen und die richtige einbauen. Wenn er dabei Scherben hinterlässt, muss er den Schaden beseitigen oder zahlen.

Stress lass nach

"Hallo, da ist was schiefgelaufen!" Um unnötigen Ärger zu vermeiden, sollte der Bauherr den Schuldigen erst mal freundlich auffordern, das Problem aus der Welt zu schaffen, findet Rechtsanwältin Rath: "Das funktioniert meistens und vermeidet viel Stress." Kommt keine Reaktion, ist eine schriftliche Mängelrüge erforderlich. "Da steht drin, was gemacht werden muss, nicht, was vielleicht getan sein sollte", rät die Anwältin. Geht es um größere Schäden, sollte jetzt ein Anwalt eingeschaltet werden.

Aus Mangel an Beweisen

Wohl dem, der den Einbau von Fenstern oder die Arbeiten des Bodenlegers schriftlich vereinbarte. Abweichungen vom Vertrag sind dann leicht nachweisbar. "Wer Bauverträge nur mündlich macht, ist schlecht beraten", warnt Rechtsanwältin Rath.

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Fünf Jahre Zeit zum Rügen

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Frist für Nachbesserungen

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  • Wir sprechen aus eigener Erfahrung!
    Schlüsselfertiges Bauen mit einer Bauträgergesellschaft! Der grösste Fehler im Leben, nichts als hohe Zusatz-Kosten für eine gravierende Mängelbeseitigung, weil osteuropäische Bauarbeiter die kein Fachwissen hatten, eingesetzt wurden! Nachdem auch noch der Bau baupolizeilich eingestellt wurde, weil die Bauträgerfirma nach NICHT genehmigten Plänen gebaut hatte, platzte uns der Kragen und wir haben den Vertrag anwaltlich gekündigt. Rechtzeitig, nach Rohbauende! Wir haben einen seriösen Architekten gefunden, die einzelnen Gewerke wurden mit Verträgen (und somit mit Gewähr)abgewickelt. ALLE hießigen Handwerker haben PERFEKT gearbeitet.Es lohnt sich, ein kleines bisschen mehr zu bezahlen, aber man weiss dann was man hat. Übrigens, der Bauträger hat nicht nur enormen Pfusch geleistet, sondern zu allem Übel weitere Bauherren finanziell reingelegt, insofern dass er die Abschläge verlangt hat(oftmals drohend) und hat die Handwerker damit nicht bezahlt!!! (www.erfahrungen-mediterranemhausbau.de)

  • Wichtig ist vor allem eine gute Vorbereitung und nicht in Eile zu bauen. Zudem sollten 2-3.000 Euro für ein baubegleitendes Controlling ausgegeben werden durch Dekra oder TÜV sowie eine Abwicklung über einen neutralen Treuhänder wie Treuhandwerk: Dann werden die Gewerke direkt bezahlt ohne Umweg über den Bauträger, die Kosten trägt der Handwerker.

  • Es nennt sich Gewerk und nicht Gewirk...

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