Tool der Woche
Wo Strom teurer wird

Trotz ehrgeiziger Reformpläne der neuen Bundesregierung steigen die Strompreise. Typische Haushalte müssen im Schnitt bereits knapp 2000 Euro pro Jahr zahlen. Wo Strom am teuersten ist und wo Kunden sparen können.
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Die Jahre kommen und gehen, doch eines bleibt gewiss: Die Strompreise steigen. Diese scheinbar ewige Wahrheit gilt nicht nur für Deutschland, sondern sogar europaweit. Die Strom- und Gaspreise für europäische Verbraucher seien von 2008 bis 2012 im Schnitt „beträchtlich“ angestiegen, erklärte die EU-Kommission. Die Steigerung habe in den meisten EU-Ländern höher gelegen als die Inflationsrate. Den Angaben zufolge kletterten die Strompreise für Privatkunden jährlich um vier und die Gaspreise um drei Prozent.

Viele Gründe sorgen für steigende Preise: Auf dem Markt herrsche zu wenig Wettbewerb, die Kunden seien wenig wechselfreudig und sparen sie zu wenig Energie, die Steuern und Abgaben steigen.

Das Vergleichsportal Verivox ermittelte zum Jahreswechsel regionale Kostensteigerungen von bis zu drei Prozent. Je nach Bundesland gibt es nach der Untersuchung große Unterschiede.

Am teuersten ist Strom in den neuen Bundesländern. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden zahlt laut Verivox in Brandenburg im Schnitt 1.187 Euro. Das sind neun Prozent mehr als in Bremen. Stromkunden müssen auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen und in Sachsen tief in die Tasche greifen. Zu den günstigen Ländern zählen neben Bremen auch Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Berlin.

Ein Grund für die unterschiedlichen Preise sind die differierenden Netzentgelte. Laut Verivox werden bei einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden im Schnitt 252 Euro fällig, knapp ein Viertel des Strompreises. Die Bundesnetzagentur reguliert die Kosten für die Stromleitungen, alle Stromanbieter müssen den gleichen Abschlag entrichten.

Stadtstaaten wie Bremen sind mit 203 Euro besonders günstig, die neuen Bundesländer wie etwa in Brandenburg mit 339 Euro besonders teuer. Die Zahlen zeigen das scheinbares Paradox, dass der Strom in Brandenburg eigentlich sehr günstig ist, die Kunden aber wegen der Durchleitungsgebühren insgesamt am meisten zahlen müssen.

„An den regionalen Unterschieden der Netzentgelte können Verbraucher nichts ändern, denn diese werden staatlich reguliert“, sagt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. „Doch die Gesamtkosten können durch einen Wechsel des Stromanbieters deutlich gesenkt werden“. Das Einsparpotenzial läge bei einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden bei durchschnittlich 356 Euro. Mit dem Vergleichsrechner von Handelsblatt Online lässt sich der günstigste Stromanbieter individuell ermitteln.

Ob die Preise weiter steigen hängt vor allem an den Plänen der Politik. „Wir sind an der Grenze dessen, was wir verantworten können", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf dem Energiekongress des Handelsblattes in Berlin. Derzeit würden die erneuerbaren Energien mit bis zu 24 Milliarden Euro im Jahr gefördert.

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Die Strompläne der Regierung

Kommentare zu " Tool der Woche: Wo Strom teurer wird"

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  • @loco
    Doch, das ist logisch: da Deutschland ja alle konventionellen Kraftwerke abschaltet, die Versorgung mit den neuen EE-Anlagen jedoch aus bekannten Gründen nicht funktioniert, muß der Strom dann irgendwann aus dem Ausland kommen.
    Die deutschen Meiler sind dann weg, dafür stehen neue dann in Polen, Tschechien und Frankreich usw.
    Der Michel bezahlt dann den EE-Zauber, verscherbelt den überschüssigen EE-Strom bei Wind und Sonne dann ins Ausland -zum Nulltarif- und freut sich, wenn er bei Wind- und Sonnenflaute Atomstrom aus dem Ausland zu Wucherpreisen bekommt.
    So geht Wirtschaft heute - die EU hats erkannt!
    :-), :-)
    Deutschland zahlt, immer!

  • Über eben diese Tatsache bin auch ich schon in der Überschrift gestolpert und bin froh, dass das nicht nur mir aufgefallen ist. 2.000,- Euro Stromkosten im Jahr als typisch für Deutschland zu bezeichnen...haben Sie diese Zahl gewürfel?

  • Negativ, ich bin nicht der Autor.
    Wer allerdings spätestens nach dem zweiten Hochwasser in in einem Jahrzehnt den vom Menschen gemachten Klimawandel leugnet, der mach sich lächerlich und unglaubwürdig in allen seinen Thesen!

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