Touristikkonzern
Tui plant Touri-Dorf in der Toskana

Das Unternehmen Tui plant in einem italienischen Örtchen Hotels, Ferienwohnungen und Villen zu bauen. das Investitionsvolumen liegt bei 250 Millionen Euro. Experten sind allerdings skeptisch.
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CastelfalfiGenau so stellt man sich die Toskana vor: Olivenhaine, Pinienwälder und auf einer Hügelkuppe ein malerisches Dorf. Castelfalfi heißt dieses Dorf - und es ist Schauplatz eines Experiments mit offenem Ausgang: Wo bis vor einigen Jahrzehnten Bauern lebten, soll in wenigen Jahren eine Urlaubsanlage mit Hotels, Sportanlagen, Läden, Gastronomie sowie gut 200 Eigentumswohnungen und Ferienhäusern gut situierte Gäste anlocken.

Martin Schlüter, Geschäftsführer der Tui-Tochtergesellschaft Tenuta di Castelfalfi, steht vor der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kirche des Dorfes und erläutert die Pläne für das elf Quadratkilometer große Areal - "sechs Mal so groß wie Monaco", wie er betont: Vom Frühjahr 2013 an wird das Boutique-Hotel mit 32 Zimmern Gäste empfangen; ebenfalls 2013 soll der erste Bauabschnitt mit 41 Wohnungen im Borgo, dem mittelalterlichen Dorf, fertig sein; und bis 2016 soll die gesamte touristische Infrastruktur mit Sportanlagen, Restaurants und zwei größeren Hotels stehen.

Bereits jetzt in Betrieb sind zwei Golfplätze und eine Trattoria. Banken finanzieren zurzeit nur ungern Projekte in Italien. Es ist nicht der erste Versuch, das seit den 1960er-Jahren verlassene Dorf in der Nähe von San Gimignano in ein Touristenziel zu verwandeln. Doch der letzte Investor, ein Mailänder Unternehmer, scheiterte, so dass Tui 2007 von ihm das Dorf erwerben konnte. Fünf Jahre später sind die Zeiten für die Verwirklichung des 250 Millionen Euro teuren Vorhabens nicht die besten. "Es ist im Moment schwer, in Italien Projekte zu realisieren, da die Banken bei der Finanzierung sehr zurückhaltend sind", sagt Schlüter.

Umso wichtiger ist für die Projektgesellschaft der Verkauf der Ferienwohnungen und -häuser. "Dieser leistet einen wichtigen Finanzierungsbeitrag", erläutert Olaf Steinhage, der als Chef der Berliner Hospitality Competence die Tui bei der Entwicklung von Castelfalfi berät. Zum Verkauf stehen Wohnungen im historischen Dorf, Häuser und Apartments in neu zu bauenden kleinen Siedlungen, Golfvillen und frei stehende Casali.

Das sind ehemalige Bauernhäuser, die nach Wunsch der Käufer ausgebaut werden und die dann bis zu 3,5 Millionen Euro kosten können - bei einer Wohnfläche von 1 000 Quadratmetern. Golfvillen sind ab 1,2 Millionen Euro zu haben, eine 122- Quadratmeter-Wohnung kostet 420 000 Euro. Dazu gibt es das Rundum-sorglos-Paket: "Wir bieten alle denkbaren Dienstleistungen von der Reinigung über die Gartenpflege bis zur Objektüberwachung an", wirbt Projektentwickler Schlüter für sein Konzept. Die Nachfrage nach Immobilien in der Toskana ist eingebrochen. 90 Prozent der Wohnungen will Schlüter an Kunden aus Italien, Deutschland und Großbritannien verkaufen. Gut 20 Prozent der 41 Wohnungen und zwei Villen sind verkauft, weitere Apartments reserviert. Doch die Vermarktung wird nicht einfacher.

Seit über den Austritt Italiens aus der Euro-Zone spekuliert wird, spüren Makler eine starke Kaufzurückhaltung: So sagt Nicola Sieber, Auslandsexpertin bei Uta Fleckenstein Exquisite Immobilien in München: "Die Nachfrage nach Ferienimmobilien in der Toskana ist regelrecht eingebrochen."

Christian Hunziker
Christian Hunziker
Schulenburgring 2, 12101 Berlin, 030/49768424 / Freier Journalist

Kommentare zu " Touristikkonzern: Tui plant Touri-Dorf in der Toskana"

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  • Das ist der wahre Irrsinn. Bereits vor 5 Jahren wurde das Projekt von Dr. Frenzel bei der Hauptversammlung als das ultimative Ferienresort vorgestellt, als Fertigstellung wurde damals 2012 genannt. Heute hat sich das Datum auf 2016 verschoben. 4 Jahre Verzug, das zahlen doch am Ende die TUI Kunden. Wie soll so ein Projekt noch wirtschaftlich sein. Da werden Millionen verpulvert, am Ende sind es dann keine 250 Mio., sondern 350 Mio. € und auf der anderen Seite wird wieder einmal keine Dividende gezahlt. Da werden doch die TUI Kunden verarscht. Unvorstellbar! Unzumutbar!

  • Castelfalfi's Lage ist idyllisch. Aber Ferienwohnungen ohne Swimmingpool in Italien? Als Besitzer müsste man in die Hotelanlage zum Schwimmen.

  • Ich hätte eher umweltbezogene Bedenken. Hier wird eine einzigartigze Kulturlandschaft kaputt gemacht, und lokale Politiker klatschen Beifall.

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