Trendviertel 2014
Wo sich der Immobilienkauf noch lohnt

Die Immobilienpreise steigen seit Jahren. Trotzdem können sich heute mehr Menschen den Immobilienkauf leisten als früher – sinkende Zinsen machen es möglich. Eine Serie zeigt, in welchen Vierteln der Kauf lukrativ ist.
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DüsseldorfWer in der Sonne schuftet und schwitzt, der denkt, es sei wärmer, als es wirklich ist. Wer sich über einen Preissprung an der Tankstelle ärgert, wähnt die Inflationsrate höher, als die Statistiker sie berechnen. Wissenschaftler sprechen von der gefühlten Temperatur und der gefühlten Inflationsrate. Ganz ähnlich ist es bei Immobilienpreisen. Wer umzieht und für die neue Wohnung mehr Miete zahlt als zuvor, hat das Gefühl: Wohnen ist in Deutschland unbezahlbar geworden.

Doch wie bei Temperatur und Inflation gilt für die aktuellen Kosten von Mietwohnungen wie auch Eigenheimen: Das Gefühl trügt.

Das Handelsblatt hat in Kooperation mit Wohnungsmarkt-Analysten von vdp Research die aktuelle Lage analysiert und die Trendviertel bewertet. Daraus ergibt sich, dass etwa die Preise für Einfamilienhäuser in München – dem teuersten Ort von insgesamt 15 untersuchten Städten – allein im vorigen Jahr um 6,9 Prozent gestiegen sind. Und doch zeigt sich: Verglichen mit der Situation vor fünf Jahren, sind Eigenheime in München und in den anderen Trendviertel-Städten heute erschwinglicher als damals. Einzige Ausnahme: West-Berlin. Die Serie startet heute mit dem dem Überblick der interessantesten Lagen in der Hauptstadt.

Ist also gar nichts dran an dem Gefühl, dass der Immobilienkauf sich eigentlich nicht mehr lohnt?

Was den Laien verblüfft, erklärt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD, mit den aktuell sehr günstigen Bauzinsen. Sie liegen derzeit für Kredite mit zehn Jahren Laufzeit bei etwa 2,2 Prozent. Und der Trend ist noch nicht gestoppt: Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank den Leitzins von zuvor 0,25 Prozent weiter abgesenkt auf nur noch 0,15 Prozent. Was den Sparer ärgert, freut den Schuldner, der in eigenen Wohnraum investiert.

„Die Belastung der Haushalte durch die Rückzahlung eines Immobilienkredits ist geringer als vor fünf Jahren“, sagt Schick. „Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Haushaltseinkommen durch Lohnerhöhungen und durch die steigende Beschäftigung seit 2009 gestiegen sind.“ Vor fünf Jahren waren Häuser und Wohnungen zwar deutlich billiger als heute – aber die Zinsen auch fast doppelt so hoch.

Die Frage ist: Wie lange bleibt es bei den Niedrigstzinsen? Setzt sich der Trend wirklich fort und kommt nicht in ein paar Monaten eine Zinsumkehr, dann könnte möglich werden, was die vor vielen Jahren gestrichene Eigenheimförderung nicht geschafft hat: dass die Deutschen, traditionell ein Volk der Mieter, zu Wohnraumbesitzern werden.

Kommentare zu " Trendviertel 2014: Wo sich der Immobilienkauf noch lohnt"

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  • TomXXX und yoski - zwei sehr sehr gute Kommentare!!! Absolut wahr und nachvollziehbar! Ich selbst (Durchnittsverdiener) suche eine bezahlbare Immobilie für mein Kind, meine Frau und mich - impossible, bei den Preisen!

  • Diesen Statistikern sollte man nicht trauen!

    Ich habe 2004 eine Immobilie in München ersteigert. Verkehrswert ca. 400.000 Euro. Aktuell habe ich eine Wohnung in Norddeutschland gekauft, daher wurden meine Vermögensverhältnisse durchleuchtet. Aussagen zweier Makler in Muc: Beim Verkauf des Objektes würden sie mal mit 1 Mio. anfangen!

    Schön für mich, aber ich weiss, dass sind Phantasiepreise, lasse mich davon also nicht beeindrucken, die Blase lässt gruessen. Gleichzeitig suchte ein Freund von mir ein Haus in der Umgebung von München: Standardpreis 750.000, bei diesen Preis haben zwei gut verdienende Akademiker ohne Kinder die Segel gestrichen.

    Wenn mir aber jetzt jemand erzählen will, dass man sich Immobilien besser leisten kann als vor Jahren, dann will ich dasselbe Zeug was der raucht auch haben! Ach ja, Zitat: "„Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Haushaltseinkommen durch Lohnerhöhungen und durch die steigende Beschäftigung seit 2009 gestiegen sind.“ Vor fünf Jahren waren Häuser und Wohnungen zwar deutlich billiger als heute – aber die Zinsen auch fast doppelt so hoch." Der Durchschnitt mag sich ja erhöhen, aber diejenigen die vorher keine Arbeit hatten, konnten sich nichts und können sich nichts kaufen!

    Noch was: selbst hier im Handelsblatt stand mehrfach: Das Münchner Umland geht inzwischen bis Rosenheim und Landshut! (Die Städte gehören auch inzwischen zur Topten in Deutschland!)

    Liebe Statistiker, nehmt doch mal den Warenkorb der 70er Jahre und erklärt bei Eurer nächsten Deflationswarnung, wieso dieser Warenkorb dann ungefähr 7 bius 10 % Inflation anzeigt!!! (2009 in der Krise gabs den Liter Diesel übrigens für unter 1 €!)

  • Immoblase
    "„Die Belastung der Haushalte durch die Rückzahlung eines Immobilienkredits ist geringer als vor fünf Jahren“"
    Na dann steht einer Immoblase ja nichts mehr im Weg. Also bis ueber beide Ohren verschulden und Preise hoch bieten.
    Aber wieso aus Fehlern anderer (USA, Spanien, Irland) lernen wenn man seine eigenen Erfahrungen sammeln kann? Also jetzt nichts wie ran bevor man es sich nicht mehr leisten kann. Eile ist geboten, die Preise steigen stuendlich.

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