Trendviertel
Teuer, teurer, Hamburg

Leere Wohnungen sind in Hamburg selten. Jährlich werden über 6.000 neue Wohnungen gebaut – doch der Bedarf lässt sich so schnell nicht decken. Warum Preise und Mieten weiter steigen und wo der Kauf noch lohnt.
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HamburgIn Berlin steigen Preise und Mieten stärker als in Hamburg, München ist generell teurer. Trotzdem geraten Wohnungssuchende in Hamburg immer häufiger an den Rand der Verzweiflung. Der Grund: Preissteigerungsraten über alle Stadtteile, Bauqualitäten und Wohnungsgrößen hinweg von durchschnittlich 6,5 Prozent für Eigentumswohnungen und 6,1 Prozent für Einfamilienhäuser im vergangenen Jahr. Zudem sind die Mieten um 5,1 Prozent geklettert. Das hat vdp Research für das Handelsblatt ermittelt.

Eine Wohnungsleerstandsquote von 1,6 Prozent zeigt, wie knapp Wohnraum in der Hansestadt ist. Es sei die niedrigste Leerstandsquote aller deutschen Städte, stellte der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) kürzlich fest. Von Wohnungsnot will Sylvia Sonnemann, Geschäftsführerin des Hamburger Mietervereins, dennoch nicht sprechen. Vor zehn Jahren seien weniger Wohnungen angeboten worden als heute. Heute sorgen die Preise für Not in der Hansestadt. Die Stadt versucht gegenzusteuern (s. Folgeseite).

Denn die Probleme für Bezieher mittlerer und kleiner Einkommen auf dem Wohnungsmarkt werden nicht geringer werden. Frank Stolz, bei Grossmann Berger für den Verkauf der Neubauwohnungen zuständig, rechnet in diesem Jahr mit im gleichen Tempo steigenden Preisen und Mieten. „Solange die Zinsen auf diesem niedrigen Niveau bleiben, bleibt auch die Nachfrage nach Wohnungen hoch.“

Trendviertel 2014: Hamburg als .pdf

In den Folgejahren dürfte sich der Hamburger Wohnungsmarkt dann ein wenig entspannen, zeigen die Prognosen von Bulwien-Gesa bis 2018. Das Analysehaus geht davon aus, dass die Preise für neue Eigentumswohnungen in diesem Zeitraum um 17 Prozent und für gebrauchte um 20 Prozent nach oben gehen. Die Durchschnittspreise pro Quadratmeter dürften dann für Bestandswohnungen gut 3.500 Euro betragen und Erstbezugsobjekte um rund 1.200 Euro teurer sein.

Dass die Mieten Bulwien-Gesa zufolge in dem Fünfjahreszeitraum weniger stark steigen, nämlich um 12,5 und 9,8 Prozent für Nachmieter und Erstbezieher, wird Mieter nicht glücklich machen. Es bedeutet für Kapitalanleger aber, dass ihre Mietrendite abnimmt. Den Investoren fehlen im Risiko vergleichbare alternative Anlagen. Makler Stolz beobachtet darüber hinaus, dass „der Frust bei der Suche nach einer Mietwohnung Menschen ins Eigentum treibt“. Um mit dem vorhandenen Budget klarzukommen, kaufen sie kleinere Wohnungen.

Für Bauträger gibt der Verkäufer der Makler-Tochter der Hamburger Sparkasse (Haspa) die Parole aus: „Mehr Zimmer auf kleinerer Fläche.“ Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 78 Quadratmetern seien inzwischen schwer zu vermarkten. Eine Wohnung mit zwei Zimmern habe heute 60, eine mit drei Zimmern 78 statt früher 95 Quadratmeter.

Doch die weit überwiegende Zahl der Wohnungssuchenden kann ihren Frust nicht loswerden, indem sie Eigentum erwirbt. Sie sucht Hilfe beim Hamburger Mieterverein, etwa dann, wenn die Mieten nach Modernisierungsmaßnahmen in die Höhe springen. Mietervertreterin Sonnemann prangert ganz besonders die Masche einiger Hausbesitzer an, Wohnungen so teuer energetisch zu sanieren, dass sich die Mieter die Wohnung hinterher nicht mehr leisten können, weil die Mieten stärker steigen, als die Energiekosten sinken. Modernisierungskosten dürfen bis zu elf Prozent jährlich auf die Miete umgelegt werden. Sind die Mieter ausgezogen, würden die Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Sonnemann will nicht alle Hauseigentümer über einen Kamm scheren und lobt ausdrücklich: „Die alten Hamburger Kaufleute wollen nicht schnell Geld machen, sondern ihr Vermögen langfristig sichern.“

Kommentare zu " Trendviertel : Teuer, teurer, Hamburg"

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  • Vollkommen richtig; als Hamburger möchte ich ebenso nicht in der HafenCity leben. (...). Für ´ne Sightseeing-Tour für Touristen sicher interessant mit dem Kreuzfahrt-Terminal - ansonsten für Einheimische eher uninteressant, da zu kostspielig. Außerdem fehlt das Flair, welches man in den schönen Stadtteilen wie Eppendorf, Winterhude, Othmarschen oder Bahrenfeld vorfindet fast gänzlich.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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