Immobilien und Anlage
Trauen Sie Ihrer Bausparkasse?

Aktuell schließen Sparer Bausparverträge ab, um sich die niedrigen Zinsen für die Zukunft zu sichern. Es gibt aber keine Garantie, dass die Sparer den Kredit auch wie geplant bekommen. Unser Tool der Woche.
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Die Vertreter der Bausparkassen raten zur Eile. „Jetzt gegen steigende Zinsen absichern“, erklärt die LBS neben einem Bild von Vater und Sohn, die nach der Art von Michelin-Männchen ausgestopft sind. „Besser heute als morgen“, erklärt auch die BHW im Internet. „Sichern Sie sich heute die günstigen Zinsen für Ihre Finanzierung von morgen.“ Der „Traum von den eigenen vier Wänden“ ließe sich mit einem „Top-Sollzins von 1 %p. a.“ erfüllen. „Garantiert und über die gesamte Laufzeit!“

Wüstenrot stellt sogar einen „Zinswecker“ ins Netz, damit Immobilienbesitzer ihre Anschlussfinanzierung nicht verschlafen: „Auch wenn Ihre Finanzierung erst in drei oder mehr Jahren ausläuft, können Sie sich heute schon die attraktiven Zinsen eines Bauspardarlehens sichern.“

Ob mit Werbegag oder ohne – fast alle Bausparkassen locken aktuell Kunden mit der Aussicht, die niedrigen Zinsen langfristig zu reservieren. Bei Top-Anbietern können die Kunden dafür jetzt einen Bausparvertrag abschließen und sich nach einer Ansparphase von zehn Jahren über Bauspardarlehen mit Zinsen zwischen 1,00 und 1,5 Prozent freuen. Einen Überblick bekommen Bausparer mit Hilfe des Forward-Darlehen-Vergleichs auf Handelsblatt Online. Klar ist: Vom historischen Zinstief langfristig profitieren – das möchten viele Immobilienbesitzer.

Das Problem dieser Strategie: Keine Bausparkasse kann ihren Sparern garantieren, dass sie den Kredit zu einem bestimmten Zeitpunkt auch tatsächlich bekommen. „Bei einem sehr starken Zinsanstieg innerhalb von kurzer Zeit kann das Bausparsystem durcheinandergeraten“, erklärt der Münchener Finanzierungsvermittler Kurt Neuwirth.

„Dann müssen Kunden auf zuteilungsreife Verträge mehrere Monate oder gar Jahre warten.“ Das ist unangenehm, weil der private Finanzierungsplan dann keinen Bestand mehr hat und Finanzierungslücken durch teure Zwischenkredite geschlossen werden müssen. Ein Sprecher des Verbandes privater Bausparkassen erklärt hingegen, dass die Institute „auch einen kurzfristigen, besonders scharfen Zinsanstieg aushalten“. Dafür sorge etwa die Konstruktion der neuen Tarife, eine Novellierung des Bauspargesetzes im Jahr 1991 und der Fonds zur bauspartechnischen Absicherung, der „Wartezeiten glätten“ könne.

Kritiker sind da skeptischer. Hintergrund ist die sogenannte Bewertungszahl bei Bausparverträgen. Kunden müssen nicht nur Anforderungen wie etwa ein Mindestguthaben von meist 25 bis 50 Prozent der Bausparsumme oder eine bestimmte Laufzeit der Sparphase erfüllen. Eine Zuteilung des Darlehens erfolgt erst dann, wenn die von den Bausparkassen vorgegebene Bewertungszahl erreicht wird.

Kommentare zu " Immobilien und Anlage: Trauen Sie Ihrer Bausparkasse?"

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  • Wir werden unseren Kindern später mal erzählen, dass es früher sogenannte Bausparkassen gab.

  • Die Bausparkassen haben ein anderes Problem.

    Sie können keine Zinsen bezahlen und konkurieren gleichzeitig mit regulären Banken, die von der EZB Geld geschenkt bekommen.

    Ich beantrage grade eine Hypothek ohne Bausparen und soll 1,8% dafür bezahlen. Weil ich "nur" 50000 Euro brauche. Ab 100000 Euro wären es wohl nur noch 1,4%.
    Welche Bausparkasse kann denn da noch Vorteile bieten ?

  • Danke für diesen überfälligen Artikel zu einem Thema, was momentan nirgendwo sonst Beachtung findet, weil man ja Zuteilungszeiten nicht mehr kennt.

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