Immobilienmarkt Leben mit dem Boom

Seite 4 von 4:
Wichtig für Privatinvestoren

Privatinvestoren sollten daher berücksichtigen, dass sie durch eine selbst genutzte Immobilie nicht nur ihr Renditepotenzial kurzfristig erhöhen, sondern dafür eben auch einen Preis in Form höheren Risikos zu bezahlen haben. Längst nicht alle Marktakteure sind sich eines solchen Risikos bewusst. Darüber hinaus hat der Boom auf den Wohnungsmärkten die nationale und kommunale Wohnungspolitik aus ihrem jahrelangen Dornröschenschlaf geweckt. Alle Maßnahmen, die kurzfristig für zusätzlich erschwinglichen Wohnraum sorgen, sind notwendig - vor allem in den Ballungsgebieten. In vielen Städten gibt es "Nachverdichtungspotenzial" sowohl in die Höhe als auch in die Breite.

Planungskooperationen zwischen Städten und ihren Umlandgemeinden sind sinnvoll, damit Wohnungsmärkte nicht zufällig an willkürlich gezogenen Stadtgrenzen enden. Planungsprozesse sollten daher unter Beteiligung der relevanten Akteure erfolgen. Dies ist auch aus einem weiteren Grund notwendig: Die Reurbanisierung der vergangenen Jahre war nicht nur ein gesellschaftliches Phänomen geänderter Lebenspläne, sondern auch der verbesserten Erschwinglichkeit von Wohnraum in den Städten geschuldet. Dieser Grund für die Reurbanisierung hat durch den aktuellen Wohnungsmarktboom an Gewicht verloren.

Hier werden einige Familien, die gerne in den Städten geblieben wären, ihre zweitbeste Alternative an der Peripherie suchen. Erkennbar ist dies bereits daran, dass in der ersten Phase des Wohnungsmarktaufschwungs vor allem Wohnungspreise stiegen. Nun aber legen auch die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser zu. Andere Haushalte werden Abstriche bei der Wohnungsgröße machen - auch dies lässt sich bereits in Ballungsräumen erkennen. Gleichzeitig nimmt die Bauaktivität in vielen Städten zu. Die Zahl der Fertigstellungen lag 2013 in den meisten Städten zwar noch deutlich unterhalb der Werte des Jahres 2000 - im Durchschnitt aber schon um 20 Prozent über dem Niveau von 2009.

Diese Dynamik durch Baulandausweitung zu stärken ist das zentrale Gebot kommunaler und nationaler Wohnungspolitik. Erforderlich ist auch ein verstärkter Neubau von Immobilien, um die Verspannungen auf einigen Vermietungsmärkten zu mildern. Mietpreisbremse und Maßnahmen zum Schutze einzelner Milieus wirken ebenfalls in Richtung geringerer Mietsteigerungen. Sowohl die Mietpreisbremse als auch Maßnahmen zum Milieuschutz schaffen allerdings nicht per se zusätzliches Angebot. Sie mindern darüber hinaus innerstädtische Strukturänderungen; einige der nun geschützten Milieus sind ja noch vergleichsweise jung.

Wo das Eigenheim am teuersten ist
Ein Dauerbrenner:
1 von 18

Das Thema Wohnraum interessiert viele, aus den unterschiedlichsten Gründen. Wie entwickelt sich der Immobilienmarkt und was bedeuten die Entwicklungen für Mieter, Häuslekäufer oder Investoren? Diesen Fragen gehen die Landesbausparkassen in ihrer Analyse „Markt für Wohnimmobilien 2015“ nach. Die meisten Daten des Reports basieren auf einer LBS-Umfrage unter 600 Vermittlern der Bausparkassen und der sonstigen Sparkassen. Die generelle Marktprognose der Experten: Wegen der anhaltend hohen Nachfrage nach Wohnraum dürften die Preise in allen Bereichen im Jahr 2015 weiter steigen. Besonders wird das Segment neuer Eigentumswohnungen davon betroffen sein, trotz neuer Bauvorhaben. Die Autoren der Analyse sehen allerdings eine geringere Dynamik als in den vergangenen drei Jahren.

Der Osten wird teurer, der Süden nicht so sehr
2 von 18

Insgesamt erwarten die LBS-Experten bis Ende des Jahres in Nord-, Ost- und mitteldeutschen Städten wie etwa hier in Frankfurt Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen von drei bis vier Prozent. Nur im Süden Deutschlands dürften die Preise für Eigentumswohnungen weniger stark steigen, nämlich etwa um zwei bis drei Prozent. Allerdings liegen die Preise dort bisher auch schon weit über dem gesamtdeutschen Schnitt und über den Spannen in den einzelnen anderen Regionen. Mit 2650 bis 3730 Euro pro Quadratmeter zahlen Käufer von Eigentumswohnungen dort teils fast drei Mal so viel wie im Osten Deutschlands, wo die Spanne bei 1310 Euro beginnt und bis 1990 Euro reicht. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nutzen die Deutschen das Wohneigentum, das sie teuer erstanden haben, übrigens unterdurchschnittlich oft selbst. Während in Polen 78 Prozent der Wohnungseigentümer selbst in der Wohnung leben, sind es in Deutschland nur 45 Prozent. Nur in der Schweiz vermieten die Eigentümer laut LBS die Wohnungen anteilig noch öfter weiter als hierzulande.

Typ Mediterran
3 von 18

Nach wie vor wollen in Deutschland viele Menschen ins eigene Haus ziehen und wählen dabei – ob im toskanischen Stil oder in blütenweiß – besonders oft gebrauchte Objekte. Dabei ist es wie bei den Miet- und Eigentumswohnungen: Je nachdem, wo man sucht, kann das Vergnügen sehr unterschiedlich teuer werden. Die LBS hat 600 ihrer Immobilienvermittler befragt und daraus typische Preise für Einfamilienhäusern in verschiedenen Städten gebildet. Eine Übersicht, wo es sich wie teuer wohnt.

Günstiger Nordosten
4 von 18

Eher günstige Einfamilienhäuser gibt es laut LBS vor allem im Nordosten: In Magdeburg zahlen Hauskäufer laut der Umfrage unter den LBS-Beratern etwa 180.000 Euro für ein Eigenheim, hier in Leipzig kommen etwa 220.000 Euro für einen typischen Hauskauf zusammen, in Hannover müssen die Käufer schon 270.000 Euro berappen.

Die teuersten Städte fürs Eigenheim – Rang 10: Münster
5 von 18

Wer in Münster im Norden Nordrhein-Westfalens sein Auge auf ein Eigenheim geworfen hat, zahlt etwa 380.000 Euro für ein typisches Einfamilienhaus. Die Stadt, die für ihr reges Studentenleben bekannt ist, hat aber eher in einem anderen Segment Probleme: Es gibt zu wenige Wohnungen. Hinsichtlich der Mietpreisentwicklung rangiert Münster mit den Steigerungsraten auf Platz 4 nach Düsseldorf, Bonn und Köln, je nach Lage und Ausstattung zahlen Mieter sechs bis 14 Euro. Die Preise für Eigentumswohnungen sind im Durchschnitt zwar weniger stark gestiegen als die Mieten, gingen in den vergangenen Jahren aber auch um etwa zehn Prozent nach oben.

Rang 9: Köln
6 von 18

Der Hausbau ist für die meisten Menschen die bedeutendste und größte Investition ihres Lebens. Doch auch wenn man sich in Köln entscheidet, in ein gebrauchtes Eigenheim zu ziehen, muss man sich auf Kosten von 400.000 Euro einstellen. Mit Blick auf die Preise von Wohneigentum bewegt sich die Rheinmetropole ebenfalls auf den Spitzenplätzen: Köln ist mit meist 3300 Euro pro Quadratmeter Wohnraum die sechstteuerste Stadt in dieser Kategorie.

Rang 8: Nürnberg
7 von 18

Ein durchschnittliches Einfamilienhaus kann hier in Mittelfranken schon einmal 420.000 Euro kosten. Wie in Düsseldorf zahlen Eigentümer in Nürnberg etwa 3600 Euro für jeden Quadratmeter Wohnung, den sie kaufen. Damit bewegt sich die Stadt mit dem schönen Altstadtkern um die Burg und dem weltweit bekannten Weihnachtsmarkt im obersten Preissegment deutschlandweit und rangiert auf Platz fünf.

Die Gefahr ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, dass staatlicher Interventionismus Marktmechanismen schwächt und so wichtige Signale und wertvolle Informationen über zukünftige Knappheiten verloren gehen. Die OECD hat bereits vor dem Inkrafttreten der Mietpreisbremse belegt, dass der deutsche Mietwohnungsmarkt zu den am stärksten regulierten Mietwohnungsmärkten in Europa zählt.

Insofern stellt sich die Frage, ob die sehr weit reichenden wohnungspolitischen Eingriffe angesichts der regional beschränkten und möglicherweise nur vorübergehenden Anspannung der Mietwohnungsmärkte angemessen waren. Andere, häufig eher kommunalpolitische Maßnahmen ergeben indes gerade dann Sinn, wenn im Mittelpunkt die Angebotsausweitung und Kosteneinsparung bei der Bereitstellung von Immobilien steht.

Über den Autor: Tobias Just ist Professor für Immobilienwirtschaft in Regensburg und wissenschaftlicher Leiter der IREBS Akademie für Immobilien. Der Autor selbst wohnt in zentraler Lage in Frankfurt am Main.

Startseite
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Immobilienmarkt - Leben mit dem Boom

3 Kommentare zu "Immobilienmarkt: Leben mit dem Boom"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Immobilien sind ein gute Anlage, besonders fuer den Staat. Wenn der Geld braucht weiss er wo es was zu holen gibt, denn Immobilien koennen sich nicht verstecken oder ins Ausland fluechten. Bei den Rettungsorgien im Euro-Raum geht den Rettern irgendwann das Geld aus, dann kommt die Zwangsanleihe.

  • Neue Schuldner braucht das Land. Finden sich keine Deppen mehr stürzt das ganze Kartenhaus zusammen.

    Die margin debt sind schon beim 500 Mia angekommen und Immobilien werden noch ungesehen weggekauft. Eine hemmungslose Verschuldungsparty die ihren Kater schon noch bekommen wird.

  • Nach täglicher Werbung für Aktien nun tägliche Werbung für Immobilien?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%