Niedrige Zinsen
Teure Verführung

Auf dem Wohnungsmarkt steigt in diesen Tagen alles, worauf es ankommt: Die Mieten, die Preise, die Nachfrage und sogar die Zinsen. Nur die Renditen, die bleiben niedrig.
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FrankfurtWir präsentieren Ihnen erstklassige Anlageimmobilien", verspricht die Postbank Immobilien und rät zum "Investieren in das Herz von Berlin", in die Charlottenhöfe - jährliche Mietrendite: "drei Prozent". Ein Druckfehler? Nein! Ein Ausreißer? Nein, nicht wenn es um Investitionen in hochwertige Neubauten in einer deutschen Metropole geht. Willkommen im Land der niedrigen Renditen, willkommen im Immobilien-Boomland Deutschland.

In den vergangenen Jahren sind die Haus- und Wohnungspreise schneller gestiegen als die Mieten. Käufer zahlten für eine Jahresmiete immer höhere Beträge. Was vor fünf Jahren noch zum 20- bis 25-Fachen der Jahresmiete erworben wurde, ist heute erst zum 30- bis 35-Fachen zu haben.

Angesichts dieser Preisentwicklung werden die Warnungen vor einer Blase immer häufiger. "Ich habe kein gutes Gefühl, wenn für eine Wohnung das 35-Fache der Jahresmiete bezahlt wird", sagt Tobias Just, Immobilien-Professor an der Universität Regensburg. Aber von einer klassischen Blase will er genauso wenig reden wie Franz Eilers: "Bundesweit betrachtet, haben wir definitiv keine Immobilienblase", sagt der Chef von VDP Research, dem Analysehaus der Pfandbriefbanken. Ein Urteil, das freilich Preisübertreibungen in Metropolregionen nicht ausschließt und auch nicht vor Enttäuschungen bei der künftigen Wertentwicklung schützt.

Doch noch hält sich das Hoch auf dem deutschen Immobilienmarkt. Preise und Mieten steigen weiter, so dass Andreas Schulten, Vorstand der Immobilienberatungsfirma Bulwiengesa, zu dem Schluss kommt: "Immobilieninvestitionen bleiben auch weiter interessant."

Und das, obwohl der Miet- nicht mit dem Preisanstieg Schritt hält. "Die aktuelle Zinspolitik fördert die Nachfrage", nennt Experte Eilers einen Grund und schiebt einen weiteren hinterher: "Es werden nicht genügend Wohnungen fertiggestellt." Deutschland hat Nachholbedarf und könnte nach Eilers' Ansicht die vom Deutschen Mieterbund geforderten 400.000 Neubauten im Jahr durchaus vertragen.

Davon aber ist das Land weit entfernt und wird es wohl auch bleiben, selbst wenn Jahr für Jahr etwas mehr Wohnungen auf den Markt kommen dürften. Der Trend lässt sich an der Zahl der Baugenehmigungen ablesen: So wurden im Jahr 2013 laut Statistischem Bundesamt nur 103.000 neue Wohnungen bezugsfertig. Ein Jahr darauf gab es einen Aufwärtstrend: Fast 285.000Wohnungen wurden genehmigt. Doch bereits im ersten Quartal 2015 war die Zuwachsrate wieder deutlich geringer. Von einem steilen Aufwärtstrend kann keine Rede sein.

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