Trotz Zweifel an Berechnungsmethode
Ministerium hält an Energieausweis-Norm fest

Probleme bei der Berechnungsmethode für den Energieausweis wirken sich auf die Vergabe von Krediten der staatlichen KfW-Förderbank aus. Doch trotz Zweifen an der Zuverlässigkeit des Verfahrens hält das Bundesbauministerium weiter am bisherigen Vorgehen fest.
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BERLIN. "Die entsprechende Norm ist mit Abstand in Europa das beste technische Regelwerk zur ganzheitlichen energetischen Bilanzierung von Nichtwohngebäuden", sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage. Deshalb gebe es zur umstrittenen DIN V 18599 "keine Alternative". Erforderlich sei lediglich eine "behutsame Verfeinerung" der Nachweismethodik.

Wie berichtet, haben sich bei der Anwendung verschiedener Software-Programme, welche die entsprechende DIN umsetzen und so den Energieausweis erstellen, Abweichungen von bis zu dreißig Prozent ergeben (Handelsblatt v. 28.8.2009). Je nach eingesetztem Programm gibt der bedarfsorientierte Energieausweis also für dasselbe Gebäude einen deutlich höheren oder geringeren Energieverbrauch an. Kritiker wie der Frankfurter Rechtsanwalt Werner Dorß von der Sozietät FPS stellen deshalb die Aussagekraft des bedarfsorientierten Energieausweises für Nichtwohngebäude in Frage.

"Wir wissen, dass es anfänglich zu Abweichungen bei der Anwendung von 18599-Software kam", räumt die Ministeriumssprecherin ein. Deshalb habe sich auf Anregung des Ministeriums in diesem Jahr die von führenden Softwareanbietern getragene Gütegemeinschaft 18599 gegründet, die eine Zertifizierung für die entsprechenden Software-Produkte vergebe. Diese Arbeitsgemeinschaft zeigt sich überzeugt, dass die Eingaben beim Software-Test, der die großen Abweichungen ergab, "nicht vollständig und nicht in jedem Fall zielführend" gewesen seien. Eine Begründung für diese Einschätzung war allerdings auf Nachfrage nicht zu erhalten.

Die Differenzen beim Energieausweis wirken sich auch auf die Förderprogramme der staatlichen KfW-Förderbank aus. Mehrere dieser Programme setzen nämlich das Vorliegen eines Energieausweises gemäß Energieeinsparverordnung (Enev) voraus. Das gilt beispielsweise für die Programme "Energieeffizient sanieren - Kommunen" und "Sozial investieren". Sie gewähren Städten und gemeinnützigen Organisationen vergünstigte Kredite für Sanierungsmaßnahmen, sofern bestimmte, durch den Energieausweis belegte Effizienzstandards eingehalten werden. Dass vergünstigte Kredite auf Basis unzutreffender Berechnungen vergeben werden, ist somit nicht auszuschließen - auch wenn bei der Beantragung eines KfW-Förderkredits stets die Bestätigung eines Sachverständigen erforderlich ist, wie eine KfW-Sprecherin betont. Als staatliche Bank könne die KfW jedoch keine Empfehlungen zugunsten einzelner Software-Produkte abgeben.hun

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