Über die Pflichten sind Mieter und Vermieter oft uneins
Urteile zu Streitereien über Gartenpflege

Im Garten sitzen und das Grün genießen ist deutlich beliebter als mähen und Unkraut jäten. Müssen Mieter die Flora pflegen, kommt es häufig zum Zank mit dem Vermieter.

Grüner Daumen

"Die Pflege des Gartens obliegt dem Mieter" - so mancher Hauseigentümer legt diese Vertragsklausel weit aus. Blumen sollen sprießen, Hecken formschön geschnitten und Beete fachmännisch geharkt werden. Doch Grundstücksbesitzer dürfen ihre Mieter nicht überstrapazieren. Sind die Gärtnerarbeiten nicht ausdrücklich im Vertrag aufgeführt, müssen Mieter nur Rasen mähen, Unkraut rupfen und Laub kehren (Oberlandesgericht Düsseldorf, I-10 U 70/04).

Nebenkosten

Viele Hauseigentümer lassen die Grünflächen von Profis hegen und verteilen die Kosten auf die Bewohner. Mieter müssen selbst dann zahlen, wenn sie den Garten gar nicht nutzen dürfen. Allein die Aufwertung des "Gesamteindrucks des Anwesens" rechtfertigt eine finanzielle Beteiligung. Ausnahme: Steht die Gartennutzung allein dem Vermieter oder einem speziellen Mieter zu, muss der Bevorzugte den Gärtner allein zahlen (Bundesgerichtshof, VIII ZR 135/03).

Rhododendron

Mieter, die in Eigenregie Bäume oder Sträucher pflanzen, dürfen diese im Regelfall beim Auszug nicht wieder ausbuddeln. Ist das Wurzelwerk mit dem Boden fest verwachsen, gehört das Gehölz dem Vermieter. Diese Erfahrung machte eine Rhododendren-Freundin aus dem Rheinland. Mehrere Jahre nach ihrer Pflanzaktion wollte sie den inzwischen imposanten Busch beim Umzug mitnehmen. Nein, sagten die Richter (Oberlandesgericht Düsseldorf, 22 U 161/97).

Bandscheibe

Erleidet ein übereifriger Pflanzen-Fan beim Herausreißen eines Strauchs einen Bandscheibenschaden, erhält er von der Unfallversicherung keinen Cent. Nach Ansicht der Gerichte ist ein Unfall ein "von außen auf den Körper einwirkenden Ereignis". Wer Bäume oder Büsche ausreißt, unternimmt jedoch eine "gezielte Kraftanstrengung", Rückenschmerzen müssen ohne finanzielle Linderung ertragen werden (Oberlandesgericht Hamm, 20 U 177/97).

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 27 vom 30.06.2005 Seite 116

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