Übernahmen
Patrizia übernimmt IVG-Tochter Triuva

Früher als zuletzt erwartet hat die IVG einen Käufer für die Kapitalverwaltungsgesellschaft Triuva gefunden. Die Augsburger Patrizia setzt sich im Bieterwettstreit durch – will aber den Kaufpreis nicht verraten.
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Berlin/DüsseldorfPatrizia Immobilien kauft weiter zu. Der Immobilien-Investor schnappt sich von der Rivalin IVG das Geschäft mit geschlossenen Fonds und macht damit den erhofften großen Schritt nach vorn. Mit der Übernahme der Triuva Kapitalverwaltungsgesellschaft vom Bonner Unternehmen IVG Immobilien steige das durch Patrizia verwaltete Immobilienvermögen um rund 50 Prozent auf über 30 Milliarden Euro, teilte das Augsburger Unternehmen am Sonntagabend mit. Damit rücke Patrizia unter die Top Zehn der europäischen Investmentmanager.

Über den Kaufpreis sei zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart worden, die Akquisition werde aus der bestehenden Liquidität finanziert – Patrizia hat 740 Millionen Euro auf der hohen Kante. Kolportiert wurde zuletzt ein Kaufpreis um die 200 Millionen Euro. Der Firmenwert der Triuva liegt bei rund 185 Millionen Euro. Zunächst wolle Patrizia eine Mehrheitsbeteiligung an Triuva erwerben und die Transaktion spätestens Ende des ersten Quartals abschließen.

Für Patrizia-Chef und Mehrheitsaktionär Wolfgang Egger ist es der große Zukauf, der er den Aktionären versprochen hatte: „Die Übernahme fügt sich perfekt in unsere Wachstumsstrategie ein.“

Egger will sich mit dieser und weiteren geplanten Übernahmen für die erwartete Konzentration im Immobilien-Asset-Management wappnen. Die Fonds versprechen stabile Einnahmen und neue Kontakte zu Großanlegern, die auch bei Patrizia investieren sollen.

In der Triuva hatte die IVG-Gruppe nach Abschluss des Insolvenzverfahrens über die Konzernmutter ihr Geschäft mit der Verwaltung von Immobilien für andere weitergeführt. In den rund 40 Fonds für mehr als 80 institutionelle Investoren wird ein Vermögen von 9,8 Milliarden Euro betreut. Es ist unter anderem in das von der Commerzbank genutzte Hochhaus „Gallileo“ in Frankfurt, das „K195“ am Kurfürstendamm in Berlin und eines der drei Kölner „Kranhäuser“ geflossen. Das in Frankfurt am Main ansässige Unternehmen ist mit 200 Mitarbeitern an 15 europäischen Standorten vertreten.

Bereits im Mai dieses Jahres hatte IVG Immobilien den Verkaufsprozess für Triuva gestartet. Ursprünglich hätten etwa 60 deutsche und internationale Bieter Interesse bekundet, teilte IVG mit. Im Bieterwettbewerb habe sich schließlich Patrizia als „bester geeigneter Erwerber“ herausgestellt.

Seit längerem war Patrizia als wahrscheinlichster Käufer für Triuva gehandelt worden. Nach dem Ausstieg der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aus dem Bieterverfahren waren noch drei Bieter übrig geblieben: neben der Patrizia das Immobilienunternehmen DIC Asset aus Frankfurt und das Fondshaus Hamburg Trust.

Die Veräußerung der Triuva ist ein weiterer Schritt zur Neuausrichtung der IVG-Gruppe. Bereits vor rund einem Jahr hatte das einst führende europäische börsennotierte Immobilienunternehmen sein Kerngeschäftsfeld, die Tochter Officefirst, für 3,3 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Blackstone verkauft. Auch für die Geschäftssparte Öl- und Gasspeicher (Kavernen) sucht IVG einen Käufer.

Die Übernahme beflügelte die Patrizia-Aktie, die zu Wochenbeginn um acht Prozent auf 19,50 Euro stieg. Zugleich schraubte Patrizia die Gewinnprognose für 2017 nach oben: Mehr als 75 Millionen Euro operativer Gewinn sollen zum Jahresende zu Buche stehen, bisher hatte das Unternehmen 60 bis 75 Millionen Euro angepeilt. Nach neun Monaten sind es bereits 46,6 Millionen, sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Unsere Investment-Expertise hat in diesem Jahr zu deutlich höheren leistungsabhängigen Gebühren geführt“, erklärte Finanzvorstand Karim Bohm. Patrizia hatte zuletzt mit dem Kauf der dänischen Sparinvest Property Investors Immobiliendachfonds ins Angebot genommen. Damit dürfte Patrizia Immobilien – noch ohne Triuva – zum Jahresende 21,6 Milliarden Euro verwalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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