Umzug ins günstigere Umland
Büromieter sagen Paris adieu

"Bureaux disponibles" - Büros verfügbar: Das ist derzeit überall auf Plakaten an Bürogebäuden in Paris zu lesen. In Krisenzeiten wie diesen ist das Zentrum von Paris immer weniger gefragt: Unternehmen verlassen die City und ziehen in die Vororte, wo die Büromieten deutlich günstiger sind.

PARIS. Gerade Großunternehmen wie die Bank Société Générale zieht es in die billigen Banlieues, die einst so verpönten Vorstädte. "Wir haben Paris aus Kostengründen verlassen", sagt Patrick Chaussé, stellvertretender Direktor für Immobilien bei der Bank. Diese hat entschieden, sich zusätzlich zu seinem Sitz in der Bürostadt La Defense im Osten von Paris in Fontenay-sous-Bois niedergelassen. Das Städtchen ist mit der Vorstadtbahn RER in nur 20 Minuten vom Zentrum aus zu erreichen.

Auch Versicherer Axa verließ La Defense und ging nach Nanterre, eine RER-Station weiter. Die Bank Crédit Lyonnais zog vom Boulevard Haussmann in der Nähe der großen Kaufhäuser nach Süden aus Paris heraus. France Télécom gab seinen Standort in Paris für das billige Saint-Denis im Norden auf und konnte damit die Jahresmiete von 500 auf 300 Euro pro Quadratmeter (qm) senken.

Wie diese Unternehmen halten es viele Firmen nicht mehr für nötig, eine Prestigeadresse im Zentrum von Paris zu haben. Denn dort liegen die Mieten bei 600 bis 700 Euro/qm und Jahr. Zu teuer, finden viele Unternehmen: Sie suchen Flächen, die jährlich nicht mehr als 300 bis 400 Euro/qm kosten. Hinzu kommt, dass viele Vororte ideal an öffentliche Verkehrsmittel angebunden sind und über Büroflächen verfügen, die modernen Standards besser angepasst und groß genug sind, um die gesamte Belegschaft unterbringen zu können. Gefragt etwa seien offene Bürokonzepte, mit denen sich die vorhandene Fläche besonders effizient ausnutzen lasse. "Ein Unternehmen, dass nach La Defense umgezogen ist, hat mit derselben Belegschaft 25 Prozent weniger Fläche anmieten müssen", nennt Thierry Juteau vom Immobilienberater Cushman & Wakefield ein Beispiel.

Auch wenn der Exitus aus der Innenstadt kein völlig neues Phänomen an der Seine ist, so hat sich der Trend doch in der Krise beschleunigt: "Für Paris bedeutet das einen Verlust von 120 000 Arbeitsplätzen, die Stadt blutet regelrecht aus", sagte Benoît du Passage, Frankreich-Direktor des Immobilienberaters Jones Lang Lasalle (JLL). Und die Situation dürfte sich noch zuspitzen. Das Marktanalyseunternehmen Immostat, an dem die Immobilienberater Atis Real, CB Richard Ellis, DTZ und JLL beteiligt sind, erwartet für 2009 Mietrückgänge von zehn bis 15 Prozent in Paris und Umgebung, der so genannten Ile-de-France.

Bereits im ersten Quartal dieses Jahres ging die Zahl der Neuvermietungen von Büros in der Region um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück, meldet Immostat, vermietet wurden insgesamt nur 440 000 qm gegenüber 584 000 qm zwischen Januar und März 2008. Besonders hart getroffen wurden allerdings die besonders teuren Geschäftsviertel im Zentrum und im Westen von Paris: Dort wurden sogar 53 Prozent weniger Mietverträge abgeschlossen als im ersten Quartal des vergangenen Jahres. In der Folge sanken auch die Mieten bereits deutlich um fünf bis zehn Prozent.

Noch extremer fiel der Rückgang auf dem Investmentmarkt aus: Immobilienverkäufe sackten im ersten Quartal um 86 Prozent ab. Wurden im Vergleichszeitraum 2008 noch 2,7 Mrd. Euro investiert, waren es zwischen Januar und März 2009 gerade einmal 395 Mio. Euro - und das, obwohl die Nachfrage schon im vergangenen Jahr stark rückläufig war. Doch es gebe erste Anzeichen, dass die Talsohle erreicht sei, meinen die Experten von Immostat. Seit März sondierten wieder zunehmend ausländische Unternehmen, vor allem Deutsche, den Pariser Büromarkt. "Langsam werde Paris wieder als erschwinglicher Markt wahrgenommen", heißt es dazu bei JLL.

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