Unesco-Weltkulturerbes
Kölner Stadtrat verhindert Hochhausbau

Die im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Deutz geplanten Hochhäuser werden nicht gebaut. Nach einem Beschluss des Stadtrats soll für das Gelände rund um den Deutzer Bahnhof ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Entscheidung war notwendig geworden, weil die Kulturorganisation der Vereinten Nationen (Unesco) bei ihrer Einschätzung blieb, dass die geplanten, bis zu 120 Meter hohen Gebäude die Sicht auf den Kölner Dom beeinträchtigten.

HB DÜSSELDORF. Damit drohte dem Kölner Dom, aus der Liste des Unesco-Weltkulturerbes gestrichen zu werden. Die Kathedrale, eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Gotik, war 1996 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen und im Juli 2004 aufgrund der Hochhausplanungen als erste deutsche Stätte auf die Liste „Welterbe in Gefahr“ gesetzt worden.

„Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung extrem schade“, kommentiert Knut Kirch-hoff vom Immobilienberater Atisreal in Köln den Ratsbeschluss. Das Vermietungsergebnis des zurückliegenden Jahres zeige die derzeitige Dynamik des Marktes: In der Domstadt wurden 2005 rund 236 000 Quadratmeter Bürofläche neu vermietet, ein Rekordergebnis. „Damit schließt Köln zu den großen deutschen Bürostandorten auf.“

Allerdings räumt der Berater ein, dass es nicht leicht gewesen wäre, die Hochhäuser wirtschaftlich zu betreiben und solvente Mieter zu finden. Denn die Spitzenmieten in Köln lägen unter 20 Euro pro Quadratmeter und damit unter der Marke, mit der Hochhaus-Entwickler kalkulierten. Die Berliner Tenkhoff Properties GmbH musste dies bereits schmerzhaft erfahren: Die Deutsche Lufthansa, die monatelang als potenzielle Mieterin des unmittelbar am Deutzer Bahnhof geplanten Hochhauses aus der Feder von Stararchitekt Helmut Jahn gehandelt worden war, entschied sich erst vor wenigen Wochen für einen Umzug ins wenige hundert Meter entfernte „Foreal Business Forum“, ein Neubauprojekt des niederländischen Entwicklers AM Development – gegenüber der Kölner Messe.

Der Verzicht auf Hochhäuser in Deutz sei eine „deutliche Kehrtwende“ in der Stadtentwicklungspolitik, sagt Baudezernent Bernd Streitberger. „Ein fundamentaler Wandel ist dies jedoch nicht.“ Auch wenn die „städtebauliche Form künftig zurückhaltender und konservativer“ sein werde, so bleibe Deutz doch einer der „wertvollsten Standorte der Stadt“ und werde seine Bedeutung als Bürostandort der Zukunft nicht einbüßen. Ein Architekten-Workshop soll noch im ersten Quartal dieses Jahres erste Konzepte für einen entsprechenden Rahmenplan erarbeiten. wik

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