Ungewisse Kursaussichten
Anleger verschmähen Immobilienaktien

Mit Vehemenz hatten Investmentbanker und Immobilienlobbyisten für die Einführung steueroptimierter Real Estate Investment Trusts (Reits) in Deutschland geworben. Jetzt, mehr als sechs Monate nachdem das Reit-Gesetz in Kraft getreten ist, herrscht statt Euphorie Ernüchterung.

HB FRANKFURT/M. Mit der Alstria Office AG hat lediglich eine börsennotierte Gesellschaft den Reit-Status erlangt. Sie ist das einzige deutsche Unternehmen, das seine Gewinne nicht versteuern, sondern zu 90 Prozent an die Anleger ausschütten muss. Erst bei ihnen greift dann der Fiskus zu. Doch trotz der Aussicht auf hohe Dividenden kennt der Börsenkurs der Gesellschaft seit Juni nur eine Richtung: nach unten. Von 16,75 Euro ist die Aktie auf unter elf Euro gefallen – ein Minus von stattlichen 34 Prozent.

Enttäuschte Alstria -Anleger kann da allenfalls trösten, dass auch andere Aktionäre börsennotierter Immobilienunternehmen in den vergangenen Monaten kaum besser gefahren sind. Nach dem von Global Property Research (GPR) berechneten Index der 250 größten börsennotierten europäischen Betongoldunternehmen haben diese in den vergangenen sechs Monaten im Schnitt 20,4 Prozent verloren.

Ursache des Kursdebakels ist die US-Hypothekenkrise. Wegen ihr vergeben Banken nur noch gegen hohe Zinsaufschläge Kredite an Immobilieninvestoren und verlangen zudem, dass diese erheblich mehr Eigenkapital mitbringen als in der Vergangenheit: statt fünf bis fünfzehn Prozent wie zuletzt nun wieder 30 bis 40 Prozent. Dadurch können Käufer nicht mehr so hohe Preise wie noch im Frühjahr zahlen. Das drückt die Immobilienwerte – und damit die Börsenkurse der Eigentümer.

Besonders heftig traf es österreichische Papiere, die nach dem Skandal um dubiose Aktienrückkäufe bei Meinl European Land im Schnitt seit April um 34,1 Prozent in die Tiefe rauschten. Der Immobilien-ATX, der Index der Wiener Börse, notiert inzwischen wieder auf dem Niveau vom November 2004. Britische und französische Immobilienaktien mussten so hohe Verluste hinnehmen, dass die Kursgewinne der vergangenen beiden Boomjahre bei vielen Werten aufgefressen sind.

Stefan Goroncy, Immobilienaktienanalyst der HSH Nordbank, hält inzwischen mehrere deutsche Papiere wieder für attraktiv bewertet. Zum Kauf rät er unter anderem bei der Deutschen Euroshop mit einem Kursziel von 31 Euro. Aktuell notiert das Papier knapp unter 27 Euro. Favorit Nummer zwei ist die Deutsche Wohnen. Goronczy: "Der faire Wert der Aktie beträgt 41,50 Euro." Damit hätte das Papier Luft für einen Kurszuwachs von mehr als 30 Prozent.

Andere Analysten sind skeptischer: insbesondere Morgan Stanley-Experte Martin Allen. Er geht davon aus, dass die Börsenkurse vieler Gesellschaften weiter fallen werden. Allen: "Britische Immobilienaktien könnten 2008 sogar Kursverluste von weiteren 32 Prozent erfahren."

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