Ungewisse Marktentwicklung
Die Immobilienbranche sucht nach Orientierung

Die deutsche Immobilienwirtschaft gab sich lange Zeit gelassen gegenüber den Folgen der Kreditkrise. Doch nun zeigt sich: Auch die hiesigen Märkte kommen nicht ungeschoren davon. Erste Auswirkungen sind bereits heute zu sehen.

DÜSSELDORF "Kopf hoch. Es gibt Licht am Ende des Tunnels!", schrieb Morgan-Stanley-Banker James Lapushner vor gut zwei Wochen an die "lieben Freunde und Kollegen". Der US-Amerikaner verantwortet die deutschen Immobiliengeschäfte der Ex-Investmentbank und weiß um die tiefe Depression, die in der Branche seit dem Sommer um sich gegriffen hat. Sein Trost: Die deutsche Wirtschaft und mit ihr der hiesige Immobilienmarkt seien wahre Lichtblicke im derzeit eher düsteren Investmentuniversum.

Stabiles Wirtschaftswachstum, eine im Vergleich mit den Nachbarländern geringe Inflation, gesunkene Arbeitslosenzahlen und rückläufige Arbeitskosten gäben auch dem Immobilienmarkt viel Rückenwind. So sei die Nachfrage nach Büroflächen stärker gestiegen als das Angebot an neuen Gebäuden. Die positive Folge für Investoren: Die Mieten sind in den zurückliegenden drei Monaten noch einmal deutlich nach oben gegangen.

Auch wenn die Geschäfte mit der Vermietung von Büroflächen in deutschen Städten im der ersten Jahreshälfte tatsächlich so gut wie lange nicht liefen: Mitten in einer Finanzkrise ungeahnten Ausmaßes und mit noch unabsehbaren Folgen sowohl für die Kapitalmärkte wie auch die Realwirtschaft ist der Hinweis auf die robuste deutsche Konjunktur und die guten Ergebnisse auf dem Bürovermietungsmarkt nicht mehr als das Pfeifen im Wald.

Weil Banken voll und ganz mit den Risiken in den eigenen Büchern beschäftigt sind und sich nicht einmal mehr untereinander für kreditwürdig halten, gibt es auch für Immobilieninvestoren kaum mehr frisches Geld. "Wir sind im Neugeschäft deutlich restriktiver geworden und verlangen durchweg mehr Eigenkapital von unseren Kunden", sagt etwa Peter Axmann, Leiter des Unternehmensbereiches Immobilienkunden bei der HSH Nordbank. Das Kreditinstitut, das sich zu den drei bedeutendsten deutschen Immobilienfinanzierern zählt, hat bereits Konsequenzen aus der Krise gezogen: "Beim US-Geschäft haben wir schon kräftig auf die Bremse getreten", sagt Axmann und betont, dass neben dem US- besonders das Geschäft in Großbritannien von der Krise betroffen sei. In Deutschland dagegen "ist der Immobilienmarkt noch intakt", sagt der Banker, gleichwohl werde sich das Wachstum im kommenden Jahr abschwächen.

Erste Auswirkungen zeigen sich bereits heute: Die an diesem Montag von Immobilienberater Jones Lang Lasalle (JLL) veröffentlichten Quartalszahlen für den Frankfurter Büromarkt sind ambivalent. Einerseits wurden knapp 120 000 Quadratmeter (qm) Fläche vermietet, ein durchaus erfreuliches Ergebnis. Andererseits ging die Anzahl der Vermietungen zwischen Juli und Ende September 2008 deutlich zurück. Dies könne als erste Reaktion auf eine wieder abwartende Haltung der Unternehmen bei ihren Anmietungsentscheidungen gedeutet werden, sagt Marcus Mornhart, Leiter der Bürovermietungsabteilung bei JLL in Frankfurt. Denn: "Noch zehren wir von den Anmietungsentscheidungen der Nutzer in den vergangenen neun Monaten."

Seite 1:

Die Immobilienbranche sucht nach Orientierung

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%