Unternehmen ziehen vermehrt nach Frankfurt
Bankenmetropole lockt mit gesunkenen Mieten

Unternehmen aus dem Frankfurter Umland zieht es wieder zurück in die Stadt. Die Mieten dort sind heute vielfach nicht höher als vor fünf Jahren im Umland – eine Folge der Immobilienkrise. Anders als damals gibt es heute in der City auch wieder Platz.

mfb FRANKFURT. Der Büromarkt der Bankenmetropole hat noch immer die höchste Leerstandsrate in Deutschland – zurzeit rund 15 Prozent. „Heute besteht im Stadtgebiet vielmehr eine Angebotsreserve, und Gesellschaften können nun wieder Gebäude zu attraktiven Bedingungen anmieten“, meint Daniel Milkus, Leiter des Frankfurter Büros der Maklerfirma Aengevelt.

So zog etwa GE Real Estate am Jahresanfang von Neu Isenburg in die Frankfurter Innenstadt. Die Firma habe mehr Platz gebraucht, und der Standort Frankfurt sei besser für das Geschäft, heißt es im Umfeld des Immobilieninvestors. Eine Adresse in Frankfurt verleiht mehr Prestige als die einer Umlandgemeinde. Die Nike Deutschland-Zentrale hielt es nicht in Mörfelden. Sie wechselte direkt neben die Frankfurter Commerzbank Arena, wofür aber ein anderer Grund ausschlaggebend gewesen sein dürfte. Dort haben auch die deutschen Sportverbände ihren Sitz.

„Von Landflucht kann aber deswegen nicht gleich die Rede sein“, sagt Oliver Obert, Leiter der Bürovermietung Deutschland bei Jones Lang Lasalle. Dagegen sprechen die immer wieder hohen Neuvermietungen. Denn bestimmte Bürostandorte und -flächen im Frankfurter Speckgürtel bleiben nach wie vor gefragt – so vor allem die im Süden von Frankfurt (s. Grafik). Generell gefragt sind höherwertige und moderne Immobilien. „Damit steht das Umland aber vor einem strukturellen Problem, denn es wird immer schwieriger, ältere Gebäude insbesondere mit einem früheren Einzelmieter zu vermarkten“, resümiert Thomas Beyerle, Leiter der Analyseabteilung der Immobilieninvestmentgesellschaft Degi. Deswegen ist der Leerstand auch am Rand der Finanzmetropole hoch. Das werde sich auch so schnell nicht ändern. „Die Firmen im Umland erholen sich weniger explosiv als die Finanzdienstleistungsbranche, die die Innenstadt prägt“, meint Obert.

In Niederrad, Eschborn, Offenbach-Kaiserlei und im Mertonviertel wurden laut Aengevelt 2006 zusammen rund 27 Prozent des gesamten Leerstands in Frankfurt von rund zwei Mill. Quadratmetern (qm) registriert. „Der Leerstand ist in diesen Lagen in den letzten drei Jahren tendenziell gewachsen“, sagt Aengevelt-Experte Milkus. Umland, Randgebiete und Frankfurter Innenstadt konkurrierten einerseits miteinander, böten andererseits aber ein Reservoir an Arbeitskräften sowie Kultur- und Freizeitangeboten, beschreibt Peter Kania von der Wirtschaftsförderung Frankfurt das Verhältnis der Metropole zu ihren Nachbargemeinden.

Innerhalb der einzelnen Teilmärkte gibt es auf Grund unterschiedlichen Gebäudestandards große Mietpreisdifferenzen. Die Monatsmieten reichen aktuell in Eschborn von sechs bis 12,50 Euro pro qm und in Niederrad von sieben bis 15,50 Euro pro qm. Der immer noch hohe Leerstand wird die Mieten weitgehend stabil halten, erwarten Experten. Allerdings sind sehr neue Gebäude mit kurzfristig verfügbaren Flächen eine Ausnahme auf dem Markt.

Dennoch konnte sich zwischenzeitlich so mancher Standort profilieren, indem er seine Vorteile ins rechte Licht rückte. Was für den Büroimmobilienstandort Eschborn seit vielen Jahren die niedrige Gewerbesteuer ist, war für Niederrad die Nähe zum Flughafen. Für Niederrad sprechen auch die gute S-Bahn-Verbindung und die niedrigen Mieten. Was in Niederrad fehlt, sind die mit wenigen Schritten erreichbaren Shopping-Meilen, die die Frankfurter City bietet. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren lernen müssen, dass es nicht allein darauf ankommt, wie es in einem Büro aussieht, sondern auch darauf, was Mitarbeitern in unmittelbarer Nähe geboten wird, wenn sie ihren Arbeitsplatz nach Feierabend verlassen.

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