Unterschiedliche Ergebnisse
Energieausweis ohne Aussagekraft

Die Ergebnisse sind für ein und dasselbe Haus je nach Rechengrundlage oft völlig anders, wie jetzt die Kfw-Förderbank eingeräumt hat. Bauherren, die bei der KfW Kredite beantragt haben, müssen sich nun auf eine Neuberechnung einstellen. Kritikern geht die Reaktion der Politik nicht weit genug.
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BERLIN. Viele der in den vergangenen Jahren vorgelegten bedarfsorientierten Energieausweise für Gebäude sind wenig aussagekräftig. Dies hat jetzt die KfW-Förderbank eingeräumt. Direkte Auswirkungen hat das auf Bauherren von Wohnhäusern, die bei der KfW zinsvergünstigte Kredite beantragt haben. Sie müssen sich darauf einstellen, dass die KfW eine Neuberechnung verlangt.

Bei der Prüfung von Anträgen zum „KfW-Effizienzhaus“ – es zeichnet besonders energiesparende Häuser aus – habe sich herausgestellt, „dass die Berechnungsergebnisse in Abhängigkeit von der verwendeten Software-Lösung ungewöhnlich stark voneinander abweichen“, teilt die KfW mit. Die als Grundlage für die Erstellung des Energieausweises dienende DIN V 18599, nach der die Sofware-Programme rechnen, werde daher bis auf Weiteres bei der KfW keine Anwendung mehr finden.

Die Förderbank reagiert damit auf die Kritik, die bereits im vergangenen Jahr das Planungsbüro Archinea und der auf Energiefragen spezialisierte Frankfurter Rechtsanwalt Werner Dorß vorgebracht haben. Sie wiesen nach, dass die Ergebnisse des bedarfsorientierten Energieausweises für ein und dasselbe Gebäude um bis zu 30 Prozent abweichen können – je nachdem, in welches Software-Programm die (identischen) Daten eingegeben werden. Das Bundesbauministerium forderte inzwischen die Softwarehersteller auf, ihre Produkte zu prüfen und die unterschiedlichen Rechenergebnisse zu begründen.

Werner Dorß geht das nicht weit genug. Denn das Problem sei bei Bürogebäuden noch weit gravierender als bei Wohnhäusern. Er empfiehlt dem Bauministerium, sich an Luxemburg ein Beispiel zu nehmen. Dort stellt der Staat den Energieberatern eine einheitliche, im Umfang deutlich reduzierte Software zur Verfügung.

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  • Keine Transparenz beim Energieausweis

    im Zusammenhang mit der Ausstellung eines Energieausweises habe ich den Softwarehersteller unter dem Hinweis, ggf. eine Petition beim bundestag einreichen zu wollen, um weitere Aufklärung gebeten. Als Antwort hat man mir viel Glück bei der Petition gewünscht.

    Gemäß dem vorstehenden Artikel braucht man nicht nur bei der Petition sondern auch bei der Auswahl des Softwareherstellers viel Glück.

    Meine Petition wegen Verstoß gegen das Transparenzgebot gemäß § 307 bGb ist seit April 2009 beim Petitionsausschuss anhängig. beispielsweise ist eine fiktive Gebäudenutzfläche nicht für einen Normalbürger nachvollziehbar. Nach der Rechtsprechung des bGH darf die angegebene Wohnfläche von der tatsächlichen Wohnfläche höchstens 10 % betragen. Dies muss auch für die Gebäudenutzfläche gelten. Weitere Angaben im Energieausweis sind für den Normalbürger nicht nachvollziehbar und daher unglaubwürdig. Der Hinweis im Energieausweis “Die angegebenen Vergleichswerte sollen überschlägige Vergleiche ermöglichen“ sehe ich als unzulässige Freizeichnungsklausel gemäß § 307 bGb an.

    Einen realistischen und verständlichen Vergleich über die Heizkosten sind nach meiner Meinung über den bundesweiten Heizspiegel und einen kommunalen Heizspiegel möglich. Der Energieausweis ist höchstens für Theoretiker interessant. Für den Normalverbraucher ist er überflüssig.

  • @Weeneraner
    bedarf und Verbrauch kann man sowieso nicht vergleichen ,da der Verbrauch sehr stark von dem persönlichen Verhalten der bewohner abhängt.Es gibt Leute ,die ziehen einen Pullover an bei 18 grd und heizen nur in einem Raum und nur einige Stunden/Tag und solche die bei 25 grd in Hemdsärmeln sitzen und die Temperatur mit dem Fenster regeln und Tag und Nacht durchheizen.Allein 7 grd Temperaturunterschied macht bereits 40% Verbrauchsunterschied.

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