Urlaubsdomizil für Kapitalanleger
Ferienhaus in Deutschland ist gefragt

Wer vom Ferienhaus träumt, denkt meist an die Finca auf Mallorca oder das Landgut in Italien. Doch auch in Deutschland wächst das Interesse am eigenen Urlaubsdomizil. Für Tourismusfachleute ist die wachsende Nachfrage keine Überraschung.

HB BERLIN. "Ziele in Deutschland werden immer stärker nachgefragt", sagt Jörg Buchen, Vorstandsmitglied des Hamburger Maklerhauses Engel & Völkers. Insbesondere Ostdeutschland profitiert von dieser Entwicklung. Begehrt seien Rügen, Usedom und Fischland/Darß, aber auch Kühlungborn und Warnemünde, ergänzt Stefan Renner, Engel & Völkers-Geschäftsführer und zuständig für die Region Rostock. "Diese Gebiete haben infrastrukturell stark aufgeholt, bieten einen hohen Freizeitwert und sich gut erreichbar."

Für Tourismusfachleute ist die wachsende Nachfrage nach Ferienimmobilien in Deutschland keine Überraschung: Seit Jahren schon liegt der Urlaub im eigenen Land im Trend. Chefresearcher Thomas Beyerle von der Degi liefert die Begründung, warum gerade in den neuen Bundesländern das Angebot seit gut zweieinhalb Jahren sprunghaft angestiegen sei: Genau zu diesem Zeitpunkt sei bei vielen Immobilienanlegern die zehnjährige Spekulationsfrist abgelaufen. Wer in den neunziger Jahren mit Hilfe üppiger Steuergeschenke eine Wohnung an der Ostsee erworben habe, kann seitdem wieder verkaufen, ohne den Gewinn versteuern zu müssen. Außerdem, sagt Beyerle, hätten neue Anbieter von Ferienimmobilien zusätzliche Käuferschichten erschlossen.

Als wichtigsten dieser neuen Anbieter versteht sich die Kristensen Tochterunternehmen der dänischen Thorkild Sieben Ferienhausanlagen mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 120 Mio. Euro sind realisiert oder im Bau, darunter zwei an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern und zwei am brandenburgischen Scharmützelsee. Geht es nach Per Barlag Arnholm, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Kristensen so wird das Ferienhaus "vom elitären Statussymbol zum Urlaubsdomizil einer breiten Käuferschicht". Eigentümer sollen ihr Ferienhäuschen deshalb den größten Teil des Jahres zur Vermietung anbieten. Dazu hat der Bauträger ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt: Die Immobilie wird komplett eingerichtet übergeben, um Pflege und Vermietung kümmern sich professionelle Partner.

Bei einer Vermietung von 120 Tagen im Jahr, argumentiert Sven R. Johns, Bundesgeschäftsführer des Maklerverbandes IVD, lasse sich so der Kauf eines Ferienhauses bereits kostendeckend gestalten. Im Strandpark Baabe, einem der von der Kristensen errichteten Resort, sind die Häuschen laut Geschäftsführer Arnholm sogar 165 Tage im Jahr vermietet. Zudem ist nach seiner Überzeugung mit einer deutlichen Wertsteigerung zu rechnen. Nach Angaben der Dänen stieg der Durchschnittspreis eines Ferienhauses in Deutschland von 195 000 Euro im Jahr 1995 auf derzeit 339 000 Euro. Dieser Trend werde anhalten, zumal es kaum mehr freie Grundstücke in erstklassigen Wasserlagen gebe.

"Ein Ferienhaus", folgert IVD-Vertreter Johns, "ist nichts anders als eine Kapitalanlage". Dieser Ansicht widerspricht jedoch Degi-Fachmann Beyerle: "Ich würde meine Altersvorsorge nie auf eine Ferienimmobilie an der Ostsee aufbauen." Denn es sei "hoch spekulativ, in einem saisonalen Markt ein langfristiges Investment einzugehen". Wer sein Kapital anlegen wolle, gibt Beyerle zu bedenken, sei mit einer Eigentumswohnung in einem soliden Berliner Bezirk deshalb besser bedient als mit einem Ferienhaus, das er im Sommer selber gar nicht nutzen könne.

Ähnlich sehen es anscheinend viele Kunden: "Die meisten Käufer", stellt Stefan Renner von Engel & Völkers fest, "suchen eine Rückzugsmöglichkeit zur eigenen Nutzung. Der Renditeaspekt spielt in diesem Marktsegment eine eher untergeordnete Rolle."

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