Urteil des Bundesfinanzhofs
Wohnung abgenommen: Fiskus greift zu

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in einem jetzt veröffentlichten Urteil den Zeitpunkt bestimmt, in dem der Gewinn eines Bauträgers aus dem Verkauf von Eigentumswohnungen realisiert ist.

HB MÜNCHEN. Dies ist immer dann der Fall, wenn mehr als die Hälfte der Erwerber das im Wesentlichen fertig gestellte Gemeinschaftseigentum, wie etwa das Dach oder tragende Wände, abgenommen haben. Dies könne sowohl ausdrücklich als auch durch dreimonatige rügelose Ingebrauchnahme geschehen, urteilten die Richter.

Kaufverträge, in denen sich ein Bauträger verpflichtet, Wohnungen zu errichten und zu übereignen, werden zivilrechtlich als Werkverträge behandelt. Bei Werkverträgen bedarf es außer der Übergabe auch der Abnahme durch den Besteller, um den Übergang der Preisgefahr und damit die handels- und steuerrechtliche Gewinnrealisierung herbeizuführen. Die Besonderheit bei Eigentumswohnungen liegt darin, dass sie aus Sondereigentum an einer Wohnung und einem Miteigentumsanteil am Gemeinschaftseigentum bestehen, die beide zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgenommen werden können.

Im Urteilsfall hatte der Bauträger – eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts – ein altes Hotel erworben und in ein Apartmenthaus mit 34 Ferienwohnungen umgebaut. Ende April 1995 nahmen die Erwerber der bis dahin veräußerten Wohnungen ihr Sondereigentum ab. Vom Mai an wurden sämtliche Ferienwohnungen nach und nach vermietet. Anfang November fand die Abnahme des Gemeinschaftseigentums statt. Zum 31. Oktober war die Gesellschaft beendet worden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bis auf eine alle Wohnungen verkauft. Es kam zum Streit zwischen einem der früheren Gesellschafter und dem Finanzamt, ob der Gewinn aus dem Verkauf der Wohnungen noch vor Beendigung der Gesellschaft realisiert worden war.

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