Urteil des Bundesgerichtshofs zur Flächenberechnung
Dachwohnungen: Schräge Wände - halber Preis

Kaum jemand rückt mit Maßband und Meterstab an, wenn er eine Wohnung mietet. In der Regel vertraut man darauf, dass die Flächenangabe im Mietvertrag auch stimmt. Stellt sich allerdings im Nachhinein heraus, dass nominelle und tatsächliche Wohnungsgröße erheblich voneinander abweichen, weil zum Beispiel die Dachschrägen nicht richtig eingerechnet wurden, dann ist eine Mietminderung möglich.

Das hat nach Auskunft des Infodienstes Recht und Steuern der LBS der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Bundesgerichtshof, Aktenzeichen VIII ZR 44/03)





Der Fall: Mit der Wohnung als solcher – einer Vier-Zimmer-Maisonette im Dachgeschoss – war der Mieter durchaus zufrieden. Laut Vertrag hatte sie eine Fläche von 110 Quadratmetern. Vier Jahre nach dem Bezug kamen jedoch Zweifel auf, ob diese Angabe stimmt – vor allem wegen der vielen Flächen unter den Dachschrägen, die kaum zu nutzen waren. Eine Nachprüfung durch einen Fachmann ergab: Den geltenden Berechnungsverordnungen zufolge hatte die Wohnung nur ganze 89 Quadratmeter, also 21 weniger als im Vertrag ausgewiesen. Der Mieter kürzte seine monatlichen Zahlungen, womit aber der Eigentümer nicht einverstanden war. Es kam zu einem Zivilstreit, der bis vor die höchste deutsche Berufungsinstanz, den Bundesgerichtshof, führte.

Das Urteil: Die Juristen stellten klar, dass die Mietminderung berechtigt gewesen sei. Eine Flächendifferenz von mehr als 19 Prozent, wie es hier nachweisbar der Fall sei, beeinträchtige die Tauglichkeit einer Wohnung mehr als nur unerheblich und könne damit zu Forderungen des Mieters führen. In diesem Zusammenhang ging der BGH noch einmal grundsätzlich auf die Frage ein, wie denn eigentlich Räume mit Dachschrägen zu bewerten seien. Grundflächen, die nur eine Höhe von einem Meter oder weniger hätten, dürfen demnach gar nicht in die Berechnung einfließen. Grundflächen von einem bis unter zwei Metern Höhe seien nur zur Hälfte anrechenbar. Daran hatte sich der Eigentümer nicht gehalten.

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