41 Bewertungen ***
26.08.2008 
Was es in den USA kostet sein Haus zu verkaufen

US-Häusermarkt: Rabattschlacht im Vorgarten

von Neal Templin und Wall Street Journal

Wer in diesen Zeiten in den USA seinen Job wechselt und wegen des damit verbundenen Umzugs sein Haus verkaufen will, lernt eine bittere Lektion: Er stellt am Ende fest, dass er nur ein weiteres hilfsloses Opfer der US-Immobilienkrise ist. Ein Selbsterfahrungsbericht.

Noch immer verschlechtert sich die Lage auf dem US-Immobilienmarkt. Foto: apLupe

Noch immer verschlechtert sich die Lage auf dem US-Immobilienmarkt. Foto: ap

DALLAS. Als wir unser Haus in Dallas im Februar zum Verkauf anboten, waren wir überzeugt, dass das Geschäft innerhalb weniger Wochen über die Bühne gehen würde. Wir rechneten nicht damit, von den geforderten 490 000 Dollar große Abstriche machen zu müssen. Leider war das völlig illusorisch. Es wurde Juni, bevor das erste Angebot eines potenziellen Käufers einging. Und das lag 102 000 Dollar unter der Summe, die wir gefordert hatten. Bevor wir unser Haus im vergangenen Monat endlich verkauften, mussten wir fünf Mal mit dem Preis heruntergehen.

In den 28 Jahren, die ich bereits als Journalist arbeite, bin ich elfmal umgezogen. Doch kein Ortswechsel war so strapaziös wie der jüngste. Mein Arbeitgeber, das "Wall Street Journal", hatte mir eine leitende Position in New York angeboten. Weil wir zunächst keinen Käufer für unser Haus in Dallas fanden, verzögerte sich auch die Suche nach einem neuen Haus an der Ostküste. Dabei standen wir unter Zeitdruck, denn wir wollten noch vor Beginn des neuen Schuljahres mit der Familie umziehen. Ich musste erkennen, dass ich, der Reporter, der sonst immer schlaue Antworten parat hat, ein ebenso hilfloses Opfer der Immobilienkrise war wie Millionen anderer Amerikaner.

Wir waren darauf angewiesen unser Heim in Dallas zu einem guten Preis zu verkaufen, um uns in der teureren Region New York ein Haus leisten zu können, das groß genug für die Familie war. Während der Suche nach einem Käufer gab es zwischen meiner Frau Clarissa und mir immer wieder Meinungsverschiedenheiten darüber, wie sich der beste Preis für das Haus erzielen lässt. Sie ist eher großzügig, während ich ein Pfennigfuchser bin. Sie war vor allem darauf aus, einen möglichst hohen Preis zu erzielen, während ich einen Zusammenbruch des Marktes befürchtete und bereit war, mit den Forderungen herunterzugehen, um das Haus möglichst schnell zu verkaufen.

Einig waren wir uns darüber, das Gebäude noch etwas in Schuss zu bringen, um es für Käufer attraktiver zu machen. Allerdings war ich der Meinung, dass ein neuer Außenanstrich und die Reparatur offensichtlicher Schäden reichten. Clarissa wollte auch noch die Küche sowie mindestens eines der Bäder komplett renovieren. Wir einigten uns darauf, die Bäder lediglich neu streichen zu lassen und in der Küche neue Granit-Arbeitsplatten und eine neue Spüle einzubauen. Aber Clarissa ging das nicht weit genug. Sie ließ auch noch die Holzverkleidung des Hauses ausbessern, Elektroinstallationen austauschen und kaufte für Hunderte von Dollar Pflanzen, um den Garten zu verschönern. Ich war darüber beunruhigt, weil ich nicht glaubte, dass wir diese Investitionen über einen höheren Verkaufspreis wieder hereinholen würden.

Ich versuchte immer wieder, meine Frau davon abzuhalten, noch viel Geld in das Haus zu stecken. Aber davon wollte sie nichts hören. Sie wollte alles tun, um einen Top-Preis für das Haus zu erzielen, damit wir uns ein anständiges neues Heim in der Region New York leisten könnten. Wir hatten das Haus 2004 für 360 000 Dollar erworben und hatten noch Geld für Renovierungsarbeiten hineingesteckt, so dass wir insgesamt auf 390 000 Dollar kamen. Doch wir waren davon ausgegangen, dass unser 70 Jahre altes Backsteinhaus inzwischen erheblich an Wert gewonnen hatte. Es steht in einem schönen Stadtteil mit alten, hohen Bäumen, nur fünf Meilen vom Stadtzentrum entfernt. Der Immobilienmarkt in der Gegend war sehr stabil.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Blogkommentare zu diesem Artikel

Anzeige

weiterAnlegerakademie

China rollt den Metallmarkt auf  Artikel in Merkliste

05.07.2009Größte Kupfermine der Welt in Chuquicamata. Vor allem dank der Nachfrage aus China ist der Kupferpreis wieder nach oben geschnellt.  Quelle: IMAGO

An den Metallmärkten stabilisieren sich die Preise auf niedrigem Niveau. Der Preisverfall, der sich bis Anfang des Jahres abgezeichnet hatte, ist weitgehend gestoppt. Analysten geben sich für das kommende Jahr sogar wieder optimistisch. Von 2010 an rechnen sie mit einer Fortsetzung des jüngsten Aufschwungs. Aus Asien und da besonders aus China soll diesmal die Nachfrage nach Industriemetallen kommen. Artikel


Anzeige