USA
Billigflieger treiben Preise für Häuser hoch

Bis zum vergangenen Herbst war Stowe im US-Bundesstaat Vermont, ein kleines, verschlafenes und relativ unbekanntes Nest hoch oben im Norden der USA. Doch das änderte sich schlagartig, als im Oktober der Preiskampf der Billigflieger begann: Plötzlich rückte das ländliche Idyll knapp 40 Kilometer vor der kanadischen Grenze zum Greifen nah an die Metropolen der Ostküste.

ank HOUSTON. Für schlappe 140 Dollar Roundtrip (110 Euro) können New Yorker Manager, Banker und andere Berufsgestresste den Ort jetzt in einer Flugstunde erreichen, statt sechs Stunden im Auto verbringen zu müssen. Makler wie Nancy Jenkins, Inhaberin des Immobilienbüros Prudential Real-Mart in Vermont, sprechen vom „Jet-Blue-Faktor“ in Anlehnung an die Billigfluglinie des gleichen Namens. „Seit einiger Zeit kommen deutlich mehr Kunden aus dem Großraum Boston und New York zu uns und selbst aus Delaware, was fast 800 Kilometer weit weg ist“, sagt Jenkins.

Gleichzeitig schießen die Immobilienpreise in Stowe in die Höhe: Um mehr als 14 Prozent verteuerten sich die Häuser im Durchschnitt binnen einem Jahr. Im ersten Jahresquartal lag die Zuwachsrate bereits höher als im New Yorker Stadtteil Manhattan oder den meisten Märkten New Jerseys, wohin viele New Yorker Pendler bisher gerne zogen.

„Hier in Vermont sind wir so weit weg von der Wall Street wie möglich, und trotzdem können wir unser Haus innerhalb von einer Stunde mit dem Flieger erreichen“, erzählte Citigroups Ex-Vizepräsident Chris Tagatac der Nachrichtenagentur Bloomberg. Seit knapp zwei Jahren wohnt Tagatac inzwischen in Stowe, gemeinsam mit seiner Frau, einer ehemaligen leitenden Direktorin bei Lehman Brothers und Morgan Stanley. Zu ihren prominenten Nachbarn gehören unter anderem Maurice Greenberg, Ex-Chef des US-Versicherers AIG, sowie HSBC-Holdings-Finanzdirektor Alan Ginsberg.

Ein Ende des Trends sei noch nicht in Sicht, sagen Experten. Im Gegenteil: Eine stetig wachsende Zahl der wohlhabenden Baby-Boomer sei auf der Suche nach Zweit- und Ferienhäusern, entweder für die nahenden Rentenjahre oder einfach weil sie zurzeit in den besten Verdienerjahren ihres Lebens seien. Während Apartments in Manhattan oft mit mehr als einer Mill. Dollar zu Buche schlagen, gibt es vergleichbare Objekte in Vermont für einen Bruchteil des Gelds. „Im Verhältnis zu New York sind unsere Immobilienpreise einfach unschlagbar: Eine Eigentumswohnung oder ein kleines Haus kosten in Vermont inklusive Grundstück so um die 200 000 Dollar – und den atemberaubenden Blick auf Lake Champlain gibt es gratis dazu“, sagt Makler Andy Cochran von Lang Associates, dem führenden Immobilienhändler des Bundesstaates.

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