USA
Ein Notverkauf garantiert noch keine Schuldenfreiheit

Ein Notverkauf galt in den USA bis vor kurzem als ein realtiv sicherer Weg für finanzschwache Hausbesitzer ihre Schulden loszuwerden. Doch weil die Immobilienpreise in den USA so stark abgestürzt sind, reicht der Verkaufserlös häufig nicht mehr aus, um das Darlehen abzulösen. Mittlerweile schulden rund 20 Prozent der Hausbesitzer in den USA der Bank mehr Geld als ihr Haus wert ist.

NEW YORK. Jodie Byrd und ihr Mann hätten nie geglaubt, eines Tages auf Tausenden Dollar Schulden sitzen zu bleiben. Im vergangenen Sommer musste das Paar sein Haus im Raum Los Angeles verkaufen, nachdem der Ehemann seine Arbeit verloren hatte. Mit dem Verkaufserlös konnten die Byrds zwar das Darlehen in Höhe von 685 000 Dollar zurückzahlen. Eine Hypothek von 21 600 Dollar, die sie auf das Haus aufgenommen hatten, blieb jedoch ungedeckt. Als die Bank, die Washington Mutual Co., die Rückzahlung der Hypothek einforderte, fielen die Byrds aus allen Wolken. Zwar stehe dem Kreditinstitut die Begleichung der Hypothek vertraglich zu, räumt Jodie Byrd ein. Dennoch hätten sie und auch ihr Immobilienmakler nicht damit gerechnet, dass die Bank wirklich von diesem Recht Gebrauch macht.

Tatsächlich war in den USA ein Notverkauf bis vor kurzem ein realtiv sicherer Weg für finanzschwache Hausbesitzer, ihre Schulden loszuwerden. Wenn der Verkaufserlös die Summe des Darlehens nicht vollständig deckte, verzichteten die Banken in der Regel darauf, die Differenz bei den Schuldnern einzuklagen. In manchen US-Bundesstaaten waren die Banken dazu auch gar nicht berechtigt, wenn es keine spezielle vertragliche Vereinbarung für diesen Fall gab. In der Vergangenheit kamen Notverkäufe allerdings nicht so häufig vor und waren für die Banken auch selten ein Problem, weil die Immobilienpreise stetig stiegen. Doch das ändert sich nun.

Denn seit Beginn der Immobilienkrise gibt es immer mehr Schuldner, die gezwungen sind, ihre Immobilie unter dem Kaufpreis zu veräußern. Mittlerweile schulden rund 20 Prozent der Hausbesitzer in den USA der Bank mehr Geld als ihr Haus wert ist, wie aus einer neuen Studie der Internet-Immobilienmaklerfirma Zillow.com hervorgeht. Zugleich wird angesichts der Wirtschaftsflaute die Zahl der Menschen zunehmen, die sich ihr Eigenheim nicht mehr leisten können. Laut Moody's Economy.com werden in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 3,8 Millionen Kreditnehmer in den USA ihre Häuser verkaufen müssen, weil sie die Raten für ihre Darlehen nicht mehr zahlen können.

Experten wie der Rechtsanwalt Marc Ben-Ezra aus Fort Lauderdale in Florida beobachten, dass die Banken nach Notverkäufen immer öfter die volle Rückzahlung des Darlehens bei ihren ehemaligen Kunden einklagen. Mit der zunehmenden Stabilisierung des Marktes sei damit zu rechnen, dass die Kreditgeber ihr Geld künftig aggressiv einforderten, sagt Ben-Ezra, der die Interessen von Kreditinstituten bei Zwangsversteigerungsverfahren vertritt. Die kalifornische Rechtsanwältin Pamela Simmons, die auf die Beratung von Hausbesitzern in Zahlungsschwierigkeiten spezialisiert ist, macht ähnliche Erfahrungen. Bei Notverkäufen bestünden die Banken zunehmend auf einer Verpflichtungserklärung der Besitzer. Darin müssen diese erklären, für den Fehlbetrag aufzukommen, wenn der Verkaufserlös die Schulden nicht abdeckt. In den vergangenen sechs Wochen habe sie ausnahmslos solche Fälle gehabt, sagt Simmons.

Die meisten Banken wollen zu ihrer Geschäftspolitik in solchen Fällen keine Stellung beziehen. Laut David Knight vom Kreditinstitut Wells Fargo & Co machen die Banken ihr Vorgehen in der Regel von den Rahmenbedingungen abhängig. So spiele zum einen die Höhe der Restschuld eine Rolle, zum anderen die Einkommensverhältnisse des Schuldners. Doch häufig gehen die Banken auch leer aus. In manchen Bundesstaaten sind die Möglichkeiten der Kreditinstitute, Restschulden einzutreiben, gesetzlich beschränkt. Schuldner können den Forderungen der Banken zudem häufig entkommen, indem sie Privatinsolvenz anmelden.

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