Verbraucherschützer warnen: Kredit aufs Haus soll Rente aufbessern

Verbraucherschützer warnen
Kredit aufs Haus soll Rente aufbessern

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 fast 45 Prozent der deutschen Bevölkerung 55 Jahre und älter sein. Zurzeit gehört etwa ein Drittel zu dieser Generation. Die meisten Unternehmen, auch die Finanzdienstleister, kümmern sich dennoch kaum um diese wachsende Zielgruppe.

cyb BERLIN. Nun bringt die Hannoversche Leben ein Hypothekendarlehen zur Aufbesserung der eigenen Altersbezüge auf den Markt. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage steigen wird, auch aufgrund der zu erwartenden Rentenentwicklung“, sagt Stephan Helck, Leiter des Hypothekengeschäfts bei der Hannoverschen Leben. Das Produkt richtet sich an Ruheständler, die eine selbst genutzte und lastenfreie Immobilie mindestens zur Hälfte besitzen.

Die Darlehenshöhe ist auf 60 Prozent des Beleihungswertes begrenzt, es werden keine Bereitstellungszinsen verlangt, und bis zu fünf Teilauszahlungen sind möglich. So weit ist das noch nichts Ungewöhnliches. Zwei Neuerungen bietet das Darlehen: Zum einen werden die Zinsen bis zum Ableben des Darlehensnehmers festgeschrieben und nach der höchsten statistischen Lebenszeit des Kunden kalkuliert: „Je älter der Teilnehmer, desto günstiger der Zins“, sagt Helck. Zweitens ist eine Tilgung nicht obligatorisch, aber sowohl laufend als auch außerplanmäßig möglich.

Das Produkt dürfe man nicht mit der beispielsweise in den USA gängigen umgekehrten Hypothek (Reverse Mortgage) verwechseln, sagt Helck. Dabei kann ein Haus- oder Wohnungseigentümer seine Immobilie verrenten, sie also gegen regelmäßige Rentenzahlungen eintauschen. „In den Vereinigten Staaten funktioniert das, weil der Staat das Risiko der Langlebigkeit trägt“, erklärt Helck. „Nach unseren Berechnungen würde unter den hiesigen Bedingungen selbst bei einer wertvollen Immobilie für den Kunden nur ein minimaler Auszahlungsbetrag herausspringen.“ Der Hannoversche Leben gehe es vielmehr darum, eine Nische zu besetzen: Bisher bekämen Rentner in Deutschland nur schwer Darlehen, dabei seien diese sehr gute Kunden. Die Lebensversicherung wolle vor allem Senioren mit einer guten Bonität ansprechen.

Für die Erben könne eine solche Hypothek allerdings zum Problem werden, sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Wenn sie die Finanzierung nicht fortführen können, ist das Häuschen weg.“ Zudem müsse der Darlehensnehmer die Belastung durch die laufende Zinszahlung einkalkulieren. Ohnehin kann sich der Verbraucherschützer nicht vorstellen, dass das Produkt stark nachgefragt wird: „Der Besitzer hat nicht 20, 30 Jahre lang gespart, um die Hypotheken abzuzahlen, und belastet danach sein Eigenheim wieder.“ Und bei denjenigen, die das Geld brauchten, sei es fraglich, ob deren Bonität der Hannoverschen Leben genügen würde.

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