Vergleichsstudie
Gute Noten für Immobilienexperten

Deutsche Gutachter schätzen den Wert von Gebäuden genauer als ihre Kollegen im Ausland. Laut einer Vier-Länder-Vergleichsstudie hat die Bundesrepublik zudem den höchsten Anteil von Verkäufen zu Preisen unter den von Sachverständigen ermittelten Werten – zumindest im vergangenen Jahr.

rrl DÜSSELDORF. In Deutschland sind die Differenzen zwischen den von Sachverständigen ermittelten Immobilienwerten und tatsächlich erzielten Verkaufserlösen gering. Laut einer Vier-Länder-Vergleichsstudie der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) betrug die durchschnittliche Abweichung in Deutschland je nach Betrachtungsweise 10,7 Prozent oder nur 4,1 Prozent. Zu dem höheren Wert kamen die Statistiker der internationalen Immobilienvereinigung, indem sie die Objektgröße unberücksichtigt ließen (ungewichtet). Zu dem niedrigeren Ergebnis gelangte RICS, indem sie die Größe der Immobilien einbezog (gewichteter Durchschnitt). Allgemein gilt: Die Differenzen fallen bei großen Gebäuden weniger ins Gewicht als bei kleinen. Interessant auch: RICS stellt fest, dass Deutschland den höchsten Anteil von Verkäufen zu Preisen unter den von Sachverständigen ermittelten Werten hat.

Der BIIS Bundesverband der Immobilien-Investment Sachverständigen, in dem unter anderem die Bewerter der Gebäude offener Immobilienfonds zusammengeschlossen sind, sieht die Studie als Bestätigung dafür, „dass die deutschen Fondssachverständigen eine hervorragende Arbeit auch im Vergleich zu ihren ausländischen Kollegen geleistet haben“. Der Hintergrund: Kritiker des deutschen Bewertungssystems für offene Immobilienfonds haben vielfach den Vorwurf erhoben, die unabhängigen Fondssachverständigen hätten während der vor fünf Jahren ausgebrochenen Immobilienkrise in Deutschland Fondsimmobilien zu hoch bewertet. Abwertungen führen zu Einbußen bei den ausgewiesenen Fondsrenditen, was den Vertrieb der Anteile erschwert.

In die Studie waren neben Deutschland auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande einbezogen. Bei der ungewichteten Rechnung lagen nur die Briten mit 10,3 Prozent Abweichung noch geringfügig besser als die deutschen Kollegen. In der gewichteten Betrachtung erreichten die niederländischen Experten mit 7,8 Prozent den zweiten Platz nach Deutschland.

Doch hat auch die vergleichsweise solide Datenlage zum guten Abschneiden der deutschen Sachverständigen beigetragen. Die deutschen Daten lieferte die Deutsche Immobilien Datenbank (DID). Über die Hälfte ihrer Zahlen basiert auf Informationen offener Immobilienfonds, die typischerweise an großen Objekten beteiligt sind.

Gut möglich, dass RICS für 2006 zu deutlich höheren Abweichungen kommt. Der Run internationaler Finanzinvestoren auf deutsche Immobilien dürfte dazu geführt haben, dass deutsche Fonds häufig Immobilien deutlich über Wert verkauften. Ein Indiz: Der Fondsbranchenverband BVI nennt per Monatsende eine durchschnittliche Zwölf-Monats-Rendite von 4,4 Prozent. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 3,1 Prozent. Zwar fließen auch Neubewertungen der Gutachter in die Renditen ein – aber ein Teil davon dürfte auf gute Verkaufserlöse zurückzuführen sein.

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