Verkaufszahlen steigen
Wende am US-Häusermarkt

Der größte Preisverfall am US-Häusermarkt seit der Weltwirtschaftskrise dürfte nach aktuellen Daten abebben. Im Juni wies der S&P/Case Shiller Index für 18 der 20 größten Ballungsräume eine steigende Tendenz aus. Im Juli erreichten die Verkäufe bei Eigenheimen den höchsten Wert seit zwei Jahren, bei Neubauten steigen die Verkaufszahlen seit vier Monaten. Manche Experten bleiben dennoch vorsichtig.
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Bloomberg WASHINGTON. "Das Gefühl, dass sich etwas ändert, liegt definitiv in der Luft", sagt Robert Shiller. Der Wirtschaftsprofessor an der Yale-Unversität in New Haven hat in den 1980er Jahren dem nach ihm und seinem Kollegen Karl Case benannten Immobilienindex entwickelt, der nun von der Ratingagentur Standard & Poor's verwendet wird. "Nach drei Jahren Talfahrt dürften wir nun eine Wende sehen", so Shiller weiter.

Auch andere Beobachter sehen eine Erholung am Immobilienmarkt. Dennis Lockhart, Präsident der regionalen Fed-Niederlassung in Atlanta verbreitet Zuversicht: "Die Hinweise verdichten sich, dass die schlimmste Phase des Abschwungs hinter uns liegt."

Trotz kräftiger Lebenszeichen am Immobilienmarkt bleiben andere Experten vorsichtig gestimmt. Womöglich sei der Aufschwung ein Strohfeuer, angefacht von Steuervorteilen bis zu 8 000 Dollar für Erstkäufer einer Immobilie, sagt Nicolas Retsinas, Direktor am Institut für Immobilienwirtschaft an der Harvard Universität. Hinzu kämen die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen auf Immobiliendarlehen, eine Folge der Fed-Käufe von Hypothekenanleihen. Ob diese Situation langfristig aufrechterhalten werden könne, müsse sich erst erweisen, so Retsinas weiter.

Vor allem zwei Aspekte könnten den Immobilienmarkt weiter unter Druck setzen: Steigende Arbeitslosenzahlen und die Entwicklung der Hauspreise. Ein am Dienstag vorgelegter Bericht des im Weißen Haus angesiedelten Büros für Budgets und Verwaltung hält einen Anstieg der Arbeitslosenquote bis Ende des Jahres von 9,4 Prozent im Juli auf bis zu zehn Prozent für möglich. Der zweite Aspekt betrifft insbesondere Hypothekenschuldner. Nach einem Bericht der Deutschen Bank übersteigen bei etwa 26 Prozent aller Hypotheken die Verbindlichkeiten den Wert der beliehenen Immobilie. Die Analysten der Bank, Karen Weaver und Ying Shen, halten es für möglich, dass bis zum Jahresende die Quote von Darlehen, die "unter Wasser" stehen, auf bis zu 48 Prozent steigen könnte. Die Folge: Noch weniger Hausbesitzer als derzeit dürften in der Lage sein, ihre Immobilie zu refinanzieren oder Bardarlehen auf ihre Immobilie zu erhalten, schreiben die Analysten.

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