Vertrauenskrise
Fonds streiten über Rating

Die offenen Immobilienfonds haben noch immer mit der Vertrauenskrise zu kämpfen, die die Deutschen Bank im Dezember vergangenen Jahres mit der vorübergehenden Sperrung ihres Grundbesitz-Invest ausgelöst hatte. Belastet wird die Situation auch, weil die Anbieter in wichtigen Fragen uneinig sind. "Es gibt mehr Gegen-, als Miteinander", stöhnt ein Fondsmanager.

HB DÜSSELDORF. Die Situation ist ernst: Zwölf Milliarden Euro haben Anleger seit Beginn der Krise Mitte Dezember 2005 aus den Produkten abgezogen. Nachdem es im Juni und Juli unter dem Strich zu erstmals wieder zu Mittelzuflüssen gekommen war, mussten die Anbieter im August wieder Netto-Abflüsse in Höhe von 135,9 Millionen Euro hinnehmen.

Auf den Verkaufslisten der Anleger stehen vor allem Fonds, die am schwachen deutschen Markt investiert sind. Sie erzielten nach den offiziellen Zahlen des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), der Dachorganisation der Investmentfondsanbieter, zum Stichtag 31. Juli auf Sicht der vergangenen zwölf Monate im Schnitt nur eine Performance von 2,6 Prozent. Grund sind die anhaltenden Leerstände. "Im Vergleich zu den übrigen europäischen Ländern fällt die Erholung am deutschen Büromarkt bisher verhalten aus", erklärt Oliver Voß, Leiter Research bei der Oppenheim Immobilien-Kapitalanlagegesellschaft (OIK) den Zusammenhang.

Hingegen verzeichnen die Global-fonds inzwischen wieder überwiegend Mittelzuflüsse. Kein Wunder: Die international investierenden Produkte der Assetklasse können mit einer Durchschnittsrendite von 4,6 Prozent aufwarten. Die erst vor einigen Jahren aufgelegten Fonds sind überwiegend in fast neuen, größtenteils voll vermieteten Gebäuden investiert.

Um das Ansehen der Branche zu verbessern, hatte der BVI im Frühjahr eine Transparenzreform auf den Weg gebracht. Die Gesellschaften wurden unter anderem verpflichtet, Kauf- und Verkaufspreise, Verkehrswerte, Mieteinnahmen und die Restlaufzeit der Mietverträge in den Rechenschaftsberichten detailliert darzulegen. Doch jüngst zeigte eine Untersuchung des unabhängigen Fondsanalysten Stefan Loipfinger, dass nur wenige Gesellschaften die Vorgaben bisher umgesetzt haben. Bei den bisher veröffentlichten Rechenschaftsberichten seien im Schnitt nur bei jeder zweiten Immobilie sämtliche Objektdaten offen gelegt worden. "Bei den Halbjahresberichten fehlen sogar bei 72 Prozent aller Immobilien exakte Daten", kritisiert der Analyst. Als einziger Anbieter habe TMW mit seinem Weltfonds die Transparenzvorgaben vollständig umgesetzt.

Zudem sind die großen Fondsgesellschaften wie die Commerzbank-Tochter CGI, die Deka aus der Sparkassenfinanzgruppe und die Difa aus dem Lager der Volks- und Raiffeisenbanken mit ihrem Vorstoß gescheitert, ein einheitliches, branchenweites Rating durchzusetzen. Eine Sitzung des Immobilienausschusses des BVI Mitte September endete ohne Ergebnis. Damit ist auch weiterhin jedem Fondsmanager freigestellt, ob und durch wen er sein Produkt bewerten lässt.

Für die Mehrheit der Anbieter gilt ohnehin: Sie wollen ihre Fonds entweder gar nicht oder nur in so genannten Auftragsratings beurteilen lassen. Dabei bezahlt die Fondsgesellschaft direkt für die Bewertung und behält sich das Recht auf Veröffentlichung vor. "Hier besteht die Gefahr, dass unliebsame Bewertungen in der Schublade verschwinden", sagt Ottmar Schneck, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Ratinganalysten und Ratingadvisor (BdRA).

Die großen Anbieter wollen diesen Verdacht indes nicht aufkommen lassen. Difa-Sprecher Fabian Hellbusch etwa wiegelt ab: "Einzelbewertungen bieten für Anleger und Berater keinen Mehrwert, da sie einen Vergleich mit anderen Produkten nicht ermöglichen." Nur ein branchenweit einheitliches Rating garantiere umfassende Transparenz.

Genau so sieht man das auch bei der Wiesbadener Commerzbank-Tochter CGI. Ihr Sprecher Dietmar Müller meint: "Sowohl unsere Kunden als auch unsere Berater wünschen sich eine repräsentative Aussage von unabhängigen Analysten zu der Qualität unserer Produkte." Dabei spiele selbstverständlich auch "der Vergleich zu Wettbewerbern eine Rolle".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%